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Guten Abend >
Hakata, Kyudo, 200 Mio. Dollar Museum
Für Hakata hatte ich keine besonderen Pläne im Voraus geschmiedet. Einzig die Übernachtung war organisiert. Ich nahm nach meiner Ankunft einen Stadtplan für Touristen in die Hand und suchte mir sehenswerte Plätze aus. Und so entstand der Plan für den ersten Tag in Hakata: zuerst in die Innenstadt fahren nach Tenjin, dort soll es spannende Einkaufsquartiere geben. Als ich im Schnelldurchlauf die Läden betrachtet habe, verliess ich das unterirdische Einkaufsparadies und ging an die frische Luft. Gleich neben der Tenjin Station steht der berühmte Ohori Park, der um einen See angerichtet ist, der seinerseits ca. 2 Km im Durchmesser misst. Gemütlich bin ich um den See gelaufen. Man war sich selber sehr lieb, wenn man langsam lief…welche Hitze an diesem Tag!! An diesem und am folgenden Tag war es um die 38 Grad Celsius heiss! Das letzte Mal, als ich mich an einer solchen Hitze erinnern kann, war, als ich Ferien in Ägypten gemacht habe. Ich habe mich ein bisschen wie ein „Yakitori“ gefühlt, ein gebratenes Hühnchen. Als ich rund die Hälfte gelaufen war, hörte ich plötzlich Kampfschreie, sogenannte Kiai’s. „Gibt es tatsächlich einige Unerschrockene, die bei dieser Hitze trainieren?“, habe ich mich gefragt und sogleich die Fährte aufgenommen. Nach kurzem Fragen einer Einheimischen wurde ich zu einem Gebäude geschickt, das gleich neben dem Park steht. Auf dem Schild konnte ich folgende Kanji lesen: ?????:Fukuoka Budoukan. Selbstverständlich bin ich da rein gegangen, um die Situation zu schauen. Die grosse Halle war zweigeteilt, auf der rechten Seiten waren Tatami ausgelegt, und ca. 20 Studenten trainierten eine Art Messerkampf. Alle trugen über den Trainingsanzug zusätzliche Schutzkleidung, da sie mit Übungswaffen trainierten...einige Kampfkünstler kennen eben gar nichts...! Auf der linken Seite war Holzboden, und eine Gruppe Kendokas war gerade in der Pause. Schade, gerne hätte ich einem Kendo Kämpfchen beigewohnt.
Und als ich das Budokan verlassen hatte, die nächste Überraschung: just neben dem Budokan befindet sich ein Kyudo dojo. Kyudo heisst übersetzt „Der Weg des Bogenschiessens“, und kann als Kampfkunst zu den Budo Künsten gezählt werden, also in der gleichen Reihe wie das Judo oder Aikido. Bei uns ist diese Kampfkunst jedoch wenig bis gar nicht bekannt. Durch den schmalen Eingang sah ich einen jungen Mann in Hakama, der soeben daran war, seinen Bogen zu spannen. Ich bin zum Eingang gegangen und habe gefragt, ob ich eintreten und zuschauen dürfte. Ein freundlicher Student, der gleich alt wie ich zu sein schien, bat mich herein und führte mich zum Shomen (Zentrum des dojo), wo einige Stühle standen. Und so habe ich rund 30. Minuten Kyudo Training erlebt. Kyudo ist eine „edle“, meditative Kampfkunst, die mit wenigen Worten und wenig Lärm betrieben wird. Das Ziel besteht darin, den Pfeil möglichst absichtslos und mit einem absolut ruhigen Geist abzuschiessen, und natürlich
das Ziel zu treffen. So gesehen eignet sich Kyudo bestens als Zen- Übung. Man darf jedoch nicht vergessen, dass auch diese Kampfkunst verschiedene Stile kennt, die Inhalte verschiedenartig gewichten.
Der zweite Tag in Hakata war wieder ein Museumstag. Besucht habe ich das „Kyushu National Museum“. Das im Jahre 2005 eröffnete Prachtstück kostete 200 Mio. US- Dollar und ist der Vierte seiner Art. Drei weitere stehen in Tokyo, Nara und Kyoto. Das Gebäude ist 16o Meter lang und 80 Meter breit. Die Seitenwände sind komplett aus Glas und im Inneren herrschen edle Holzkonstruktionen vor. Restaurant, Kongresssaal, zwei Ausstellungsräume und ein kleiner Konzertraum sind inklusiv! Leider gab es wenige Informationen in Englisch, so dass der Tourist vorwiegend mit dem Betrachten der Kunstwerke zufrieden geben muss.
Am Abend dann der Abschluss, und jetzt haltet Euch fest, mit einem Fondue Essen (bei 38 Grad)! Es gibt tatsächlich mitten in Fukuoka ein Japaner, der ein Schweizer Restaurant betreibt. „Swiss Restaurant Chalet“, so heisst das kleine Restaurant, das Speisekarten auf Deutsch hat und die Gäste mit Ländlermusik unterhält. Der Koch war für 6 Jahre in der Schweiz und spricht ein wenig Deutsch. Mit ihm habe ich nach dem Essen ein Bier getrunken und wir haben uns lange über die zwei Kulturen unterhalten, die in diesem Augenblick aufeinander trafen. Man darf ja auch mal was Originelles machen…:-)?
Ja, und jetzt bin ich in Hiroshima und bin gespannt auf die nächsten Tage. Morgen beschäftige ich mich mit der tragischen Geschichte der Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde.
Für heute bedanke ich mich fürs Lesen und verabschiede mich mit herzlichen Grüssen aus Hiroshima!
Martin Bundi, 18- 08- 2007
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