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Hakata, Kyudo, 200 Mio. Dollar Museum >
Letzter Tag in Nagasaki und Ankunft in Hakata
Am frühen Mittwochmorgen, als ich auf einer Bank vor dem Märtyrerdenkmal in Nagasaki sass, kündigte sich endlich mal wieder ein wunderschöner Tag an. Der Himmel war wunderschön blau und es war keine einzige Wolke zu sehen. Die Stadt schien noch zu schlafen, auf den Weg zum Denkmal bin ich nur sehr wenigen Menschen begegnet, und auch als ich im Park sass, liess sich Keiner blicken. Ich genoss das angenehme, kühle Morgenwetter, denn ich wusste, was mich an diesem Tag erwarten würde. Tiefblauer Himmel in Japan bedeutet Hitzetag, 30 Grad und mehr. Und es wurde ein sehr heisser Tag, im windstillen Tal von Nagasaki. Das Wetter meinte es als sehr gut mit mir, und so begann ich voller Freude meinen letzten Tag in Nagasaki.
Am morgen habe ich das Museum angeschaut, das zum Märtyrerdenkmal gehört. Im Museum wird nicht nur die Geschichte der 26 Märtyrer behandelt, sondern das Museum versteht sich als „Museum für die Geschichte des Christentums in Japan“. Besondere Bedeutung erhielt das Märtyrerdenkmal, als Papst Johannes Paul II. es im Jahre 1981 (+- einige Jahre, das genaue Datum weiss ich nicht mehr) besuchte. Ein amüsantes Ausstellungsstück ist das Messbuch, das für Papst Johannes Paul II. vom Lateinischen ins Japanische übersetzt worden ist…
Zur Geschichte des Christentums in Japan lässt sich sagen, dass die Christen als Religionsgemeinschaft eine Minderheit waren und immer noch sind. Dennoch hat es sie, offiziell oder im Untergrund, immer gegeben. Nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Ländern fochte das Christentum im Verlauf seiner Geschichte den Kampf um seine Existenzberechtigung. Tiefgläubige liessen sich von keinem Gesetz oder Dekret abschrecken und behielten ihren Glauben auch unter Androhung von Folter und Tod. So auch in Japan. Interessant sind die geheimen Symbole, die die japanischen Christen sich ausgedacht hatten: Da sie nicht auf das Tragen eines Kreuzes, was ja verboten war, verzichten wollten, trugen sie Figuren der buddhistischen Gottheit Kannon mit sich, auf die ein kleines Kreuz eingraviert war. Die Figur des Kannon war nicht zufällig gewählt: Kannon, die buddhistische Gottheit des Mitgefühls wird oft in weiblichen Zügen dargestellt, für die Christen eine passende Parallele zur Jungfrau M
aria. Viele solcher „Kannon Marias“, wie sie auch genannt wurden, sind im Museum ausgestellt. Insgesamt eine durchaus interessante und informative Ausstellung.
Szenenwechsel: Um die Mittagsstunde fand ich mich vor dem Fukusai ji Tempel wieder. Dieser buddhistische Tempel ist in Form einer Schildkröte gebaut. Auf dem Dach, oder eben auf dem Rücken der Schildkröte, steht eine silberne Statue der Göttin Kannon. Jeden Tag werden hier die Glocken geläutet, um 11:02, die Zeit, als die Bombe explodierte.
Am Nachmittag dann wieder ein Museum: das „Nagasaki museum of history and culture“. Zu diesem Museum kam ich eher zufällig. Der Besuch dieses Museum hat sich aber wirklich gelohnt. Selten habe ich ein so schönes und zugleich informatives Museum besucht. Ausgerüstet mit einem Kopfhörer durchlief ich die bewegte Geschichte der Stadt Nagasaki, flankiert von ausführlichen Erklärungen des elektronischen Führers. Die Geschichte wird chronologisch, übersichtlich und spannend dargestellt. Die Geschichte von Nagasaki ist vor allem die Geschichte von (Handels- ) Beziehungen zu asiatischen, aber bemerkenswerter Weise auch nicht asiatischen Staaten. Im 16. Jahrhundert landeten portugiesische Schiffe (durch einen Zufall) an der Westküste Japans. Mit der Ankunft der Europäer begannen die Handelsbeziehungen mit Europa (und die christliche Missionierung). Die Güter aus Europa wurden als wertvoll geschätzt und erzielten dementsprechend hohe Preise. Wenn von Europäern die Rede ist, so
sind vor allem Portugiesen, Spanier und Holländer gemeint, die als erste europäische Staaten Handelsbeziehungen mit Japan unterhielten. Der Handel mit europäischen Gütern konzentrierte sich für lange Zeit auf den Hafen von Nagasaki. Wichtige Handelspartner neben den Europäern waren China und Korea. Vor allem die Chinesen, die über weitentwickelte kulturelle Errungenschaften verfügten, führten regen Handel mit Japan. Die Handelsbeziehungen mit den Chinesen sind jedoch bedeutend älter als die mit den Europäern.
Mit der Zeit liessen sich europäische Geschäftsleute in Nagasaki nieder und so kamen die zwei Kulturen aufeinander. Es folgten Wissenschaftler und Gelehrte, die westliches Wissen nach Japan brachten und Nagasaki wurde nach und nach zur Hauptstadt für das Studium westlicher Wissenschaften wie Medizin, Biologie, Fremdsprachen usw. In gewisser Weise spielte Nagasaki und Umgebung (siehe z.B. Hakata) eine entscheidende Rolle bei der Modernisierung Japans, denn als das Land im 19. Jahrhundert den Drang verspürte, sich westliches Wissen anzueignen, war der Anfang diesbezüglich in Nagasaki bereits gemacht.
Ja, dies und noch sehr Vieles mehr lernt man beim Besuch dieses Museums…
Nach dem Besuch des Museums dann die spontane Idee: ich könnte doch auf dem Mt. Inasa reisen, von dort hätte ich eine wunderbare Sicht auf Nagasaki an diesem wunderbaren Tag. Rund eine Stunde nachdem ich mich dafür entschieden hatte, war ich auf der Beobachtungsplattform des Mt. Inasa. Eine Luftseilbahn fährt all 20 Minuten. Ein angenehmes Lüftchen wehte um meine Ohren, als mein Blick dem Ort zugewandt war, der als Epizentrum der Atombombe gilt. Diesen Punkt hatte ich ja bereits besucht, und von Mt. Inasa aus war er sehr gut zu sehen. Ein sehr beeindruckendes und beklemmendes Gefühl, wenn man sich erneut das Ausmass dieser Katastrophe vor Augen führt. Auch der Hafen von Nagasaki, der, wie oben beschrieben, eine durchaus stolze Geschichte besitzt, zeigte sich in all seiner Pracht. Doch an diesem Tag steuerten keine alten portugiesischen Segelschiffe den Hafen an, sondern grosse moderne Containerschiffe, Ungetüme der Ozeane, gleich mehrere davon. Nagasaki hat in Sachen Handelss
tützpunkt eben kein bisschen an Bedeutung verloren…
Nach dem langen Betrachten der schönen Aussicht habe ich einen Kaffe im Restaurant des Mt. Inasa getrunken und mich so von dieser berühmten Stadt verabschiedet. Drei Stunden später sass ich auch schon im Zug nach Hakata, wo ich müde und erschöpft um 22:00 ankam. Auch Hakata ist eine sehenswerte Stadt. Ich hatte einen sehr schönen Tag heute bei grosser Hitze. Was ich gemacht und was ich genossen habe, erzähle ich morgen. Nur so viel: heute habe ich mal kein Museum besucht, dafür einige schöne Überraschungen erlebt!!
Für Heute Danke fürs Lesen und bis bald!
Martin Bundi, 16- 08- 2007
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