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Die Judogemeinschaft hat sich getroffen!

Was fuer eine Woche!! Eine Woche lang 6 Stunden taeglich Judo vom Feinsten. Am Montag morgen um 09:30 eroeffnete der Praesident der International Judo Federation mit einer kurzen Ansprache das 2 Kodokan Sommerlager in diesem Jahr. Sehr viele Judokas haben teilgenommen, ich schaetze rund 150 bis 200 Stueck. Davon waren nur rund 15 Auslaender, einige Amerikaner, ein Australier, 2 Englaender, ca. 10 Russen und zwei Schweizer (Thomas Koch vom Nippon Bern und ich). 3 verschiedene Gruppen wurden daraufhin gebildet; die Dan Traeger waren Gruppe a, Jugendliche bis 1. kyu Gruppe b und die Kinder und Schueler waren Gruppe c. Ich habe mit der Gruppe b im 6. Stockwerk, im sogenannten "international dojo" trainiert. Gelehrt wurde vor allem die Grundschule des kodokan Judo: Schritte, Koerperdrehungen, Kuzushi Formen (wie man ein Partner aus dem Gleichgewicht bringt) usw. Zudem wurde lange und ausfuehrlich an die Falltechnik gefeilt. Montag, Dienstag und Wittwoch standen Wurftechniken auf dem Programm. Ein grosser Vorteil des Kodokan Judo ist, dass es klar strukturiert ist. Jeder Wurf wird einem Oberbegriff zugeordnet; bei den Wurftechniken gibt es z.B die Hueftwuerfe, die Fusswuerfe usw. Diese Klassifizierung zu verstehen, ist sehr wichtig und zudem nuetzlich, um sich die Hauptmerkmale der Wuerfe zu merken...

Jede Trainingseinheit wurde mit Randori Training beendet. Diese waren ziemlich schweisstreibend, immerhin war ich mit jungen japanischen Studenten zusammen, die ziemlich viel Energie hatten...

Die letzten zwei Tage dann Bodentechniken aller Art und Randori. Als Abschluss am Freitagnachmittag gab es ein kleines Turnier innerhalb der Gruppen. Es war eigentlich kein richtiges Turnier: jeder hatte nur einen Kampf, aber eben mit Schiedsrichter, Kampfrichtertisch und all diesen Sachen. Meinen Kampf gewann ich mit einer Hebeltechnik am Boden gegen einen juengeren Gegner...

Insgesamt also eine laessige, lehrreiche, anstrengende und unvergessliche Woche...

Auch im Ryokan fuehle ich mich wohl. Obwohl es waehrend der Nacht sehr hell im Raum ist, habe ich praechtig geschlafen (lag dies vielleicht am Judo...?:-) ) Gewoehnungsbeduerftig ist die Tatsache, dass in Japan die Tische traditionell sehr tief sind. Um sich am Tisch zu setzen ,setzt man sich eben am Boden. Stuehle gibt es keine im Ryokan. Zum Schreiben, Essen(das Fruehstueck wird im Zimmer serviert), usw. muss man im Schneidersitz sitzen, fuer die langen europaeischen Beine nicht immer eine wahre Freude...Aber die Erfahrung ist es wert!

Wie gehts nun weiter...

Heute gehe ich die Aokis besuchen, morgen gehe ich nach Nikko, wo sich einige Sehenswuerdigkeiten, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehoeren, zu sehen sind. Am Montag ein Ausflug nach Iwama, Dienstag nach Asakusa und Ueno Museum (Zen Ausstellung), am Mittwoch Pause und Vorbereitungen fuer den Abflug nach Okinawa am Donnerstag...

Ich melde mich also in ein paar Tagen wieder, vielen Dank fuers Lesen und bis bald..

Martin Bundi, 28.07.2007

#Martin Bundi | 28.07.2007 03:53

Tokyo Ryokan

Heute morgen habe ich von Familie Aoki Abschied genommen und bin nach Tokyo gefahren. Takashi san hat mich bis im Zug begleitet und wir haben mit einer tiefen Verbeugung voneinander Abschied genommen. Ich werde die Aokis am naechsten Samstag bereits wieder besuchen, und Mayumi san wird bei dieser Gelegenheit meine Judo gis und Kleidung waschen. Die Judogis werde ich dann per Post nach Hause schicken, damit ich fuer den Rest meiner Reise weniger Gepaeck habe. Mayumi san hat bereits eine Schachtel geholt, mit der ich die Sachen schicken kann...Nach Okinawa kann ich Dank den Aokis mit frischer Kleidung und etwas weniger Gepaeck fliegen.

Das Ryokan, in das ich fuer die naechsten 2 Wochen untergebracht bin, liegt ungefaehr 8 Minuten vom Kodokan Judo Canter entfernt, also beste Voraussetzungen um naechste Woche voll aufs Training konzentrieren zu koennen. Beim Betreten des Ryokan hat man das Gefuehl, um 100 Jahre zurueckversetzt zu sein. Im altjapanischen Stil gebaut, bietet es eine eindruekliche und ehrwuerdige Atmosphaere. Die dunkle Holzfarbe der Inneneinrichtung faellt besonders auf. Die Zimmer sind schlicht, mit Tatami am Boden eingerichtet. In der Mitte steht ein kleiner Tisch mit Sitzkissen, daneben die Teekanne und Gruenteebeutel. Das Bett, so hat die aeltere Dame, die das Ryokan fuehrt, erklaert, wird jeweils am Abend hergerichtet. Kissen und Decke sind in einem Schrank verstaut. Es scheint, als haette ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Hotelzimmer ohne Bett gebucht...:-)

Toilette, Waschbecken und Duschen befinden sich nicht im Zimmer, sondern sind separat eingerichtet. Mehr ueber den "Lebensstil" in einem Ryokan schreibe ich dann naechste Woche...

Diese Zeilen schreibe ich in einem Internet Cafe in Jimbocho, 2 Stationen von Kasuga entfernt. 10 minuten surfen kosten hier 100 Yen (CHF 1.-)

Morgen besuche ich weitere grosse Attraktion in Sachen Budo. Im Nippon Budokan findet morgen ein "All Japan childrens Aikido Training" statt. Das Nippon Budokan ist sozusagen das Stadion der Budokuenste. Hier werden grosse Turnier oder grosse Kampfkunstdemonstrationen durchgefuehrt. Oder, wie z.B letzte Woche, Rockkonzerte organisiert. Letzte Woche hatte die amerikanische Gruppe "Guns and roses" ihren Auftritt.

Ja, fuer heute mache ich mir einen gemuetlichen Abend in Kasuga und Umgebung mit grosser Vorfreude auf die kommende Zeit...

Ich bedanke mich fuers Lesen und schicke die besten Gruesse!

Martin Bundi, 21.07.2007

#Martin Bundi | 21.07.2007 09:21

Das zweite Kapitel

Guten Tag

Wie geht’s nun weiter? Diese Woche beende ich die Sprachschule und verlasse somit auch die Gastfamilie. Ab nächste Woche beginnt das zweite Kapitel meiner Japanreise. Auf mich allein gestellt, bereise ich das Land. Für heute steht das letzte Training im Aikikai an, morgen Abend dann wahrscheinlich ein Abschiedsessen und am Samstag nehme ich meine sieben Sachen und gehe nach Tokyo in einem Hotel. Genauer gesagt in einem Ryokan. Ein Ryokan ist ein traditionelles japanisches Hotel. Am Montag der nächsten Woche beginnt im Kodokan ein „Sommerlager“, das „Judo summer technic course“ heisst. Dieser dauert eine Woche, jeweils vor- und nachmittags. Naechste Woche wird also eine anstrengende Judowoche. Ich freue mich darauf. Nach dieser Woche bin ich noch für ca. 5 Tage in Tokyo und habe Zeit für mich, ohne Verpflichtungen. In diesen Tagen möchte ich gewisse Sache in Tokyo besichtigen, wie z.B der Asakusa Kannon Tempel, Tokyo tower, Ginza, Ueno usw. Auch habe ich einen Ausflug nach Iwama geplant, zum Geburtsort des Aikido. Morihei Ueshiba hat im legendären Iwama Dojo jahrzehnte lang unterrichtet und das Aiki Jinjia dort gebaut. Mehr dazu sicherlich später…

Ab nächste Woche bin ich abhängig von Internet caffés, wenn ich meine Eintraege aufschalten moechte. Nächste Woche während des Judolagers werde ich keine Eintraege schreiben. Sobald das Sommerlager vorbei ist, melde ich mich wieder um darueber zu berichten. Und selbstverstaendlich dann auch ueber die Ausfluege in der Woche nach dem Judolager.

Nun, eine schoene Zeit bei Familie Aoki geht Morgen bzw. Uebermorgen zu Ende. Ich werde sie in sehr guter Erinnerung behalten und versuchen, den Kontakt zu behalten.

Kurz zum Wetter: Der Taifun ist Geschichte und das Wetter wieder ganz im Zeichen der Regenzeit: Regen und Hitze. Der Taifun und das Erdbeben haben grosse Schaeden waehrend nur kurzer Zeit angerichtet. Hier in Tokyo erlebt man jedoch keinen Ausnahmezustand, sondern normaler Alltag... Gewoehnungssache? Ignoranz? Trauer als Privatsache? Auf die Frage nach dem Warum, erhalte ich meistens die Antwort: Dies sei eben Japan, („nihon desu kara")...

Nun moechte ich mich wieder bei meinen Lesern fuers Lesen bedanken und verabschiede mich in die Judowoche!! Bis bald

Martin Bundi, 19-07-2007

#Martin Bundi | 19.07.2007 04:28

Taifun verhindert Ausflug zum Fuji san

Leider hat der wuetende Taifun den geplanten Ausflug zum Fuji san verhindert. Der Taifun zog von Samstagnachmittag bis am Sonntagmorgen ueber Tokyo und brachte neben stuermischen Winden eine ganze Menge Regen mit sich. Jetzt ist er weitergezogen und der Himmel tut sich langsam auf.

Heute morgen um 10:10 dann die naechste Laune der Natur: Ein starkes Erdbeben der Staerke 6.8 ereignete sich in der Praefektur Niigata (noerdlich von Tokyo). In dieser Gegend kam es zu grossen Schaeden. Im Fernsehen sind eingestuerze Haueser, zerstoerte Mauern, Erdrutsche und einige leicht verwuestete Supermaerkte zu sehen. Laut schweizer Medien ist sogar ein Brand in einem AKW ausgebrochen. Ich habe das Beben nur leicht gespuert; ich war noch am Schlafen, denn heute ist ja schulfrei. Wer in Japan leben moechte, muss lernen, mit den Launen der Natur zurechtzukommen…

Ich weiss nicht, ob sich noch eine Gelegenheit ergibt, zum Fuji san zu reisen. Und falls nicht, ist es auch nicht so schlimm, schliesslich wird dies nicht meine letzte Japanreise gewesen sein.

Wegen dem Aikido Training bei Doshu Moriteru Ueshiba: Ich habe ganz vergessen, darueber zu schreiben... Sorry. Es ist aber so, dass der Doshu zurzeit gar nicht im Aikikai weilt, und seine Trainings daher von Stellvertretern gefuehrt werden. Fuer das Training am Freitagabend z.B ist Miyamoto Sensei, 7. Dan, verantwortlich. Wahrscheinlich ist der Doshu irgendwo auf dieser Welt, um Seminare zu geben. Ich hoffe sehr, dass ich ihn noch in Japan erleben werde…

Hier noch meine E-mail Adresse, falls mich jemand kontakrieren moechte (Fragen, Kritik etc.)

martinbundi@gmx.ch

Ja, soweit zum Geschehen hier in Japan. Wegen dem Wetter verbrachte ich die letzten Tage Zuhause. Fuer touristische Aktivitaeten waere es zu gefaehrlich und auch zu nass gewesen... Ich wuenschen eine schoene Woche und verbleibe mit den besten Gruessen! Der naechste Eintrag folgt in ein paar Tagen!

Martin Bundi, 16.07.2007

#Martin Bundi | 16.07.2007 09:53

Ein Irrtum und ein Taifun

Guten Abend

Das Konzert in Ikebukuro war wunderschoen. Die Sinfonie war sehr abwechslungsreich, angefangen hat sie mit leiser und schwerer Musik, und geendet hat sie eher froehlich und laut. Das Orchester bekam am Schluss dann auch einen lang anhaltenden Applaus. Einfach nur empfehlenswert, solche Konzerte!

Gastfamilie und ich

Wie schon frueher geschrieben, habe ich zurzeit am Nachmittag Schule. Am morgen kann ich nun etwas laenger schlafen und brauche so nicht waehrend der Rush Hour nach Kudanshita zu fahren. Nach der Schule gehe ich dann meistens zum Aikikai, und bin ungefaehr um 22:00 zu Hause. Und an dieser Stelle einige Worte zu meiner Gastfamilie: Mehr und mehr merke ich naemlich, dass ich bezueglich Gastfamilie grosses Glueck gehabt habe. Immer wieder hoere ich von Mitschuelern, dass es Probleme mit der Gastfamilie gibt. Ein heisses Eisen ist z.B die abendliche Sperrstunde. Von der Schule erwuenscht und von vielen Familien verlangt, ist diese um 21:00 angesetzt. Waere das bei meiner Familie so, koennte ich an keinem Training mehr teilnehmen und haette auch nicht zum Konzert gehen koennen. Familie Aoki nimmt dies ein bisschen lockerer; ich habe ein Hausschluessel bekommen und darf frei entscheiden, wann ich nach Hause kommen will. Bis 17:00 kann ich nach Hause mailen, ob ich zum Nachtessen da bin oder nicht. So habe ich die Moeglichkeit, nach dem Training noch gemuetlich etwas zu Essen und Tokyo bei Nacht zu geniessen.

Es ist wohl mein Glueck, dass Hitomi san zwei Jahre in Neuseeland war und dort ebenfalls bei einer Gastfamilie gewohnt hat. Wie sie mir erzaehlt hat, musste sie immer wieder die Familie wechseln, weil es Probleme gab. Wohl aus diesem Grund sind die Aokis stets darauf bedacht, eine gute Gastfamilie zu sein. Mayumi san kocht sehr gut und abwechslungsreich, laedt immer wieder zum Essen im Restaurant ein und ueberhaupt, ist stets um das Wohl ihrer Studenten besorgt. Praktisch taeglich laeuft die Waschmaschine, so dass die Waesche spaetestens nach zwei Tagen gemacht ist.

Takashi san ist ein typischer japanischer Geschaeftsmann, ein „kaishain“, wie man ihn hier nennen wuerde. Er hat eine geregelte Arbeitszeit, traegt taeglich Anzug und Krawatte, hat einen kleinen schwarzen Business Koffer und eine perfekte Frisur. Er ist eher ein ruhiger, ausgeglichener Mensch. Er ist stets hoeflich und darum bemueht, die japanische Etikette zu wahren. Von seinem „Denken“ her koennte man ihn eher als traditionell gesinnt einstufen, und waere da nicht der weltoffene Einfluss von Mayumi san und Tochter Hitomi san, waere er wohl auch verschlossener als er bereits schon ist. Es waere interessant, mit ihm fliessend kommunizieren zu koennen, um die alte japanische „Art“ zu erfahren...

Wetter

Das Wetter ist zurzeit eher muehsam. Es ist Regenzeit. Hitze, Regen und hohe Luftfeuchtigkeit jeden Tag, eine eher muehsame Kombination. Zusaetzlich wuetet zurzeit ein Taifun ueber Okinawa, der uebers Wochenende das Festland und somit Tokyo erreichen wird. Ab Sonntag soll der Spuk dann vorbei sein und wir koennen (Fam. Aoki und ich) getrost zum Fuji san fahren. Geplant ist naemlich Camping und grillieren am Fusse des Fuji san. Am Montag ist dann schulfrei. Also, ab zum Fuji san.... Ich melde mich wieder anfangs naechster Woche, und berichte dann ueber diesen Ausflug.

Schoene Zeit und danke fuers Lesen.

Martin Bundi, 12.07.2007

#Martin Bundi | 12.07.2007 15:02

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