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Die erste Station meiner Rundreise ist Nagasaki. Der Flug nach Fukuoka verlief problemlos. Mit dem Zug bin ich von Fukuoka nach Nagasaki gefahren, was eine Reise von ca. 2 Stunden bedeutete. Das Hotel liegt nur 1 Minute vom Bahnhof entfernt und entspricht einem guten internationalen Standard. Ich weile für rund 2 Tage hier und habe mir ein recht intensives Programm zusammengestellt. Ich möchte im Folgenden über das christliche Märtyrerdenkmal berichten und schliesslich einige Gedanken zum Abwurf der Atombombe über Nagasaki am 8. August 1945 zum Ausdruck bringen.
Die 26 Heiligen von Nagasaki. Christentum in Japan
Gibt es Christen in Japan. Ja, gibt es. Und in Nagasaki befindet sich die grösste christliche Gemeinde in Japan. Das Christentum hat in Japan historisch gesehen jedoch keine bedeutende Rolle gespielt.
Im 16. Jahrhundert kam die Stadt zum ersten Mal in Kontakt mit dem Christentum. Europäische Forschungsschiffe legten in Nagasaki an, mit an Bord der Jesuitenmönch und Missionar Franz Xaver. Er und seine Mitbrüder schafften es, einige Japaner ernsthaft zum Christentum zu bekehren und so nahm die christliche Mission Japan ihren Anfang. Doch bis heute ist christliche Anteil an die Gesamtbevölkerung verschwindend gering. Doch es gibt einige erwähnenswerte Ereignisse, die mit dem Christentum zusammenhängen. Es gab eine Zeit in Japan, da wurde das Christentum per Gesetz verboten. Urheber des Gesetzes war der damalige Shogun Toyotomi Hideyoshi, der besorgt war um den wachsenden Einfluss der Christen im Süden des Landes und damit auch in Nagasaki. Als Folge dieser Politik wurde Christen verfolgt, verbannt und auch getötet. Als Abschreckung wurden im Jahre 1597 26 Christen, 6 europäische Missionare und 20 japanische Christen, auf einem Hügel in Nagasaki gekreuzigt. Heute erinnert e
in Steinmonument auf diesem Hügel an diese Märtyrer, die im Jahre 1862 von Papst Pius IX. heilig gesprochen wurden. Der Hügel liegt nur 1 Km von meinem Hotel entfernt.
Der Morgen des 8. August 1945
Bis heute musste Japan als einzige Nation den Abwurf von zwei Atombomben in einem Krieg verkraften. Der Krieg in Europa war bereits beendet, als der damalige US Präsident Harry S. Truman die Befehle für den Einsatz der Atombomben gegen Japan erteilte. Er selber begründete die Entscheidung als Notwendigkeit, um die Beendigung des Krieges in Asien zu beschleunigen und so das Leben von unzähligen jungen amerikanischen Soldaten zu retten. Die alliierten Truppen hatten bereits herbe Verluste im Kampf gegen Japan hinnehmen müssen; bedenkt man z.B. den Pazifik Krieg oder die Schlacht in Okinawa, von der ich ja berichtet habe („Taiphoon of Steel“). Und erst seit Kurzem in Besitz der Atomwaffe, sah Truman die Zeit als gekommen, das Zeitalter der Massenvernichtungswaffen einzuläuten. Die erste Bombe wurde am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen, die zweite folgte drei Tage später, am 9. August über Nagasaki. Etwas sarkastisch könnte man behaupten, zum Glück hat Japan nach de
r Bombe auf Nagasaki bedingungslos kapituliert, denn zwei weitere Atombomben standen auf der Tinian Air Force Base zum Einsatz bereit. Mögliches Ziel wäre womöglich Tokyo gewesen.
Es ist schwierig, über geschichtliche Ereignisse zu schreiben, denn der Schreibende kommt um eine Bewertung des Ereignisses nicht herum: Die Vorgeschichte der Atombombe ist ja bekannt: der zweite Weltkrieg, geführt mit aller Grausamkeit auf allen Seiten, liess den Krieg schliesslich mit Einsatz der Atombombe eskalieren. Es gibt durchaus Menschen, die den atomaren Schlag mit seinem ganzen Ausmass an Leid und Verwüstung als rechtfertigt sehen; als letzte zur Verfügung gestandene Möglichkeit, den Krieg zu beenden und der Welt wieder Frieden zu bringen. Andere sehen den Einsatz der A Bombe als völlig unnötig und verbrecherisch, da sich Japan ja sowieso kurz vor der Kapitulation gestanden sei… Was war es nun? Eine perfid geplante militärische Aktion, oder eine militärische Notlösung? Massenmord, oder historische Notwendigkeit? Kriegsmüdigkeit der Amerikaner oder eine einfach nur Machtdemonstration? Was wäre passiert, wenn die Bomben nicht gefallen wären??
Die Botschaft, die die Gedenkhalle für die Opfer, das Friedensmuseum und Friedenspark mit der Friedensstatue in Nagasaki aussenden, ist klar: Verbannung aller Atomwaffen von dieser Welt. Und in der Tat, es steht viel auf dem Spiel. Betrachtet man nämlich das derzeitige Arsenal an Atomwaffen auf dieser Welt, so wäre ein Krieg, in dem die militärisch Elite im Einsetzen von Atomwaffen keine Hemmungen kennen würden, nicht nur fatal für einzelne Nation, sondern die gesamte Zivilisation müsste um ihre Existenz zittern. Die menschliche Rasse, die „Krönung der Schöpfung“ hat sich im Laufe der Zeit die Fähigkeit angeeignet, sich selber zu zerstören… Dieser Gedanke ging mir immer wieder durch den Kopf, als ich heute das „Atombombenmuseum“ besucht habe. Zeitzeugen in allen Formen erinnern in diesem Museum an die Katastrophe am Morgen des 8. August 1945. Aus den Trümmern geborgene Alltagsgegenstände sind ebenso ausgestellt wie Berichte von Zeitzeugen, die auf Papier zu les
en, als Stimmen zu hören oder als Videos zu sehen sind. Als „Zeitzeugen“ im wahrsten Sinne des Wortes mahnen zwei Wanduhren, die beim Zeitpunkt der Explosion stehen geblieben sind (11:02), an das Geschehene. Nicht nur das Ereignis an sich, sondern auch die Vorgeschichte und die „Nachgeschichte“ kriegen in genügendem Ausmasse Gehör. „Der Weg zur Atombombe“ wird ebenso ausführlich beschrieben wie die Gründung von Friedensorganisationen nach dem Krieg, im Speziellen solche, die für die Verbannung von Atomwaffen einstehen. Japan bekennt sich heute in aller Deutlichkeit gegen jegliche Art von Nuklearabschreckung.
In der Gedenkhalle für die Opfer der Atombombe werden die Namen aller bis heute bekannten Opfer aufbewahrt. Bis und mit dem 9. August 2007 sind 143'124 Namen in 144 Bändern aufgezeichnet. Rund 77’ooo Menschen starben unmittelbar nach der Explosion, der Rest starb an Spätfolgen, verursacht von der giftigen radioaktiven Strahlung.
Leider habe ich nicht die Zeit, über Alles heute Erlebte, Gesehene und Gefühlte zu schreiben. Wenn ich in ca. 3 Tagen Hiroshima besuche, werde ich das Thema wieder aufgreifen. So beende ich also meinen Tag, mit den Bildern von Opfern, Tätern, von Friedensstatuen und christlichen Märtyrern, von "Fatman" (so wurde die Nagasakibombe genannt) und vor allem mit den Worten von Dr. Takashi Nagai im Kopf: Ich habe ein Buch eines berühmten Zeitzeugen gekauft: Dr. Takashi Nagai, ein christlicher Arzt aus Nagasaki, der die Atombombe überlebt hat und sich bis zu seinem eigenen Tod um seine Mitmenschen gekümmert hat, bis er schliesslich selber, qualvoll an innere Blutungen starb, die er als Folge der Strahlungen erlitten hatte. Sein Buch, „Die Glocken von Nagasaki“ ist eindrückliche Lebensgeschichte und präzise Beschreibung des Ereignisses zugleich. Ich möchte diesen Eintrag mit seinen Worten beenden. Es sind dies Worte eines Gläubigen Mannes, der unschuldig Opfer der Bombe wurde
und trotz schweren Verletzungen sein ärztliches Gelübde vorbildlich und selbstlos erfüllte:
„Men and woman of the world, never again plan war! With this atomic bomb, war can only mean suicide for the human race. From this atomic waste the people of Nagasaki confront the world and cry out: No more war! Let us follow the commandment of love and work together. The people of Nagasaki prostrate themselves before God and pray: Grant that Nagasaki may be the last atomic wilderness in the history of the world.” (Takashi Nagai: The Bells of Nagasaki)
Gute Nacht!
Martin Bundi, 14-08-2007
Guten Tag
Ich melde mich heute zum dritten und letzten Mal aus Okinawa. Morgen fliege ich aufs japanische Festland, genauer nach Fukuoka. Über die letzten Tage in Okinawa gibt es viel zu berichten…
Am vergangenen Mittwoch ist auch David Gurtner gesund und munter auf Okinawa angekommen. Zusammen sind wir in einem Yakiniku „All you can eat“ Restaurant (ich habe bereits früher über Yakiniku berichtet) gegangen und haben es uns gut gehen lassen…Am Donnerstag war das Wetter noch einigermassen gut, Grund genug um zu einem Strand zu fahren und auf die faule Haut zu liegen. Am „Tropical Beach“, der bei Normalverkehr ca. 30 Minuten von Naha entfernt ist, haben wir Okinawa als Feriendestination genossen und einige Runden im chinesischen Meer geschwommen. Doch schon gegen Abend zogen Regenwolken auf und ab Freitag hat es praktisch ununterbrochen geregnet, mal stärker, mal schwächer. Schuld am Regen ist, wie könnte es anders sein, ein Taifun, der wieder mal über Okinawa wütet.
Bustour
Am Freitag haben David und ich an einer Bustour teilgenommen, die uns nach Norden gebracht hat. Um 9:00 Uhr sind wir in Naha gestartet. Leider war es an diesem Tag sehr bewölkt und hat viel geregnet. Der erste Stopp war bei einem traditionellen Ryukyu Dorf (Ryukyu Mura), das für touristische Zwecke rekonstruiert wurde. Die Häuser waren aus leichten Materialien gebaut, um bei einem unerwarteten Einsturz, z.B. wegen eines Taifuns, die Menschen darin nicht zu verletzen.
Beim zweiten Stopp waren wir an der Westküste Okinawas und konnte eine schöne Felsformation fotografieren. Der dritte Stopp war fürs Mittagessen, das natürlich aus Okinawa Soba bestand. Okinawa soba ist ein einfaches Nudelgericht (Nudeln in Suppe mit Fleisch), das aber sehr gut schmeckt. Der Höhepunkt des Ausfluges dann am Nachmittag: der Besuch des „Okinawa Churaumi Aquarium“, eines der grössten seiner Art. Die Attraktion schlechthin war die Fütterung von einigen Wahlhaien im Hauptbecken. Insgesamt ein interessanter Ausflug mit touristischen Aktivitäten, wegen des schlechten Wetter konnten wir die Landschaft nicht wirklich geniessen und nasse Füsse gab es auch noch dazu.
Tutsuhiro Hokama sensei
Jetzt zum wohl spannendsten Teil meiner Okinawa Reise: Am Mittwoch nahm ich den Bus nach Nishihara Town. Ich hatte eine Adresse dabei von einem wohlbekannten Meister des Okinawa Karate und Kobudo. Sein Name ist Testuhiro Hokama; er trägt den 10. Dan in beiden oben genannten Kampfkünsten, leitet das einzige Karate Museum auf Okinawa und erhielt für seine ausführlichen Forschungen zur Geschichte des Karate ein Ehrendoktortitel. Sein Dojo, das im 1. Stock das Karate Museum beherbergt, wollte ich besuchen. Als ich ankam, war Hokama sensei gerade mitten in einer Privatlektion. Er hat mich in seinem Dojo gebeten und mir Tee angeboten. Als die Lektion beendet war, führte er mich und sein Schüler, der gerade eine Privatlektion hatte, durch das Karate Museum. Das Museum beherbergt viele Portraits von bedeutenden Meistern des Karate, alte Waffe, Bücher, Zeitschriften, Geschenke und Fotos von Seminaren. Hokama sensei spricht gut Englisch, er unterrichtet immer wieder im Ausland, übrigen
s auch in der Schweiz, und kann mit Ausländern sehr gut umgehen. Überhaupt habe ich ihn als sehr aufgeschlossen, weltoffen und hilfsbereit erlebt. Seine Lebensaufgabe, so erfährt man auch aus seinen Büchern, sieht Hokama sensei darin, Okinawa Karate als traditionelle Kampfkunst zu bewahren und sie allen Menschen, die daran interessiert sind, näher zu bringen. Sein Lebenswerk besteht neben seinem jahrzehntenlangen Training und unzähligen Seminaren, Lehrvideos usw. auch in umfassenden Studien über die Geschichte des Karate und Kobudo. Seine Ergebnisse hat er in vielen Büchern veröffentlicht, viele davon sind mittlerweile auch ins Englische übersetzt worden. Ich konnte eine lange Unterhaltung mit ihm führen und das Ergebnis war schliesslich eine Einladung für das Training am Samstagabend, die ich gerne angenommen habe….
Training in Okinawa goju ryu Karate und Okinawa Kobudo
Ja, am Samstagabend war ich dann wieder dort, durchnässt von Kopf bis Fuss, um am Training teilzunehmen. Um 18:00- 19:00 war Kindertraining. Den Kindern lehrt Hokama sensei die Grundkatas des goju ryu, die „gekisai dai ichi“ und „gekisai dai ni“ heissen. Ebenfalls trainiert er mit den Kindern Kobudo. Kobudo ist die okinawische Kampfkunst, die die Handhabung zahlreicher Waffen lehrt. Bereits die ganz Kleinen lernen mit Nunchakus und Stöcke umzugehen. Hokama sensei hat mir erklärt, dass Karate und Kobudo auf Okinawa nicht als exotische Sportarten gelten, sondern zur kulturellen Identität gehören. Aus diesem Grund sei es auch ganz klar, dass bereits die ganz kleinen Kinder langsam an die Handhabung der Waffen herangeführt werden. Nach dem Kindertraining dann das Erwachsenentraining, das von 20:00- 22:00 stattfand. Insgesamt 7 Erwachsene haben am Training teilgenommen, darunter 2 Frauen. Und das Training selber war sehr lehr- und abwechslungsreich. Zuerst Aufwärmen mit Deh
nübungen. Danach „sanchin“ Training: Grundschule üben mit Hilfe von Gewichten an den Händen. Das goju ryu Karate charakterisiert eine besondere Form der Laufschule, wobei die Fussspitzen jeweils nach innen gedreht werden… Nach diesen Übungen ging es dann richtig zur Sache: zuerst eine Bo Kata und deren Anwendung, Bunkai genannt. Nach der Bo Kata durfte ich die „Gekisai dai ichi no kata“, die aus Grundbewegungen des goju ryu besteht, lernen. Hokama sensei und seine Schüler haben sich sehr Mühe gegeben, mich in diese Kampfkunst einzuführen. Die zwei Stunden verflogen sehr schnell und ich musste zügig Abschied nehmen, um den letzten Bus nach Naha noch zu erreichen. Um 23:00 war ich dann wieder im Hotelzimmer, wieder mit nassen Füssen, aber dafür um eine wertvolle Erfahrung reicher!
Nun, morgen fliege ich wie oben geschrieben nach Fukuoka und dann mit dem Zug weiter nach Nagasaki, wo ich dann für die nächsten paar Tage sein werden. Morgen beginnt demnach die letzte Etappe meiner Japanreise: die Reise durch Japan mit dem Besuch berühmter Städte. Hier mein Programm für die nächsten drei Wochen: Morgen Nagasaki, dann Hakata, Hiroshima, Kyoto und dann wieder Tokyo für 3 Tage. Am 30. August steht bereits die Heimreise bevor….
Heute Abend gehe ich zum Abschluss nochmals mit David im Yakiniku Restaurant….mmmh!
Alles Gute und bis bald, danke fürs Lesen und schöne Grüsse aus Okinawa!
Martin Bundi, 12-08-2007
Shurijo
Auf Okinawa gibt es viel zu sehen und zu tun. Die Insel blickt auf eine bewegte Geschichte zurueck. Die Vergangenheit bot sowohl glorreiche wie auch schreckliche, stolze wie auch beschaehmende Zeiten. Okinawa ist heute politisch gesehen eine Praefektur Japans. Dies war nicht immer so. Ab dem 15. Jahrhundert begann Okinawa mit der Etablierung des Ryukyu Koenigreiches ihre eigene, vom japanischen Festland unabhaengige Geschichte zu schreiben. Das Ryukyu Koenigreich war bemueht, mit seinen Nachbarstaaten wie China, Korea, Japan und Suedostasien regen Handel zu treiben. Der Kontakt zu diesen Laendern brachte neben den Gueteraustausch auch einen kulturellen Austausch. In mehr als 450 Jahren regen Handel mit den Laendern China, Japan, Korea usw. bildete sich eine vielschichtige und in dieser Form einmalige Kultur heraus. Erst Kaiser Meiji hat Okinawa im 19. Jahrhundert zu einer japanischen Praefektur gemacht und versucht, die okinawaische Kultur mit der japanischen zu assimilieren, was ihm a
ber nicht gelungen ist.
Das Koenigreich Ryukyu besass zwei Zentren: die Burg von Shuri und der Hafen von Naha. Die Shuri Burg, die auf dem hoechsten Huegel in Shuri gebaut ist, war das politische, administrative und religioese Zentrum des Koenigreiches. Ebenfalls war sie die Plattform fuer den Austausch mit anderen Laendern, denn Gesandte aus den benachbarten Laender wurden in der Shuri Burg empfangen und beherbergt. Wichtige Ereignisse wie z.B die Neujahrsfeier fanden vor den Augen des Koenigs auf der Shuri Burg statt. Die Hochbluete der Burg von Shuri verlief parallel mit der Hochbluete des Handels. Als Zentrum des Handels galt der Hafen von Naha, der von der Shuri Burg aus ueberblickbar war. Hier kamen permanent auslaendische Schiffe an, um ihre Ladungen zu loeschen, und von hier aus brachen Gesandte des Koenigs zu ihren Reisen in ganz Suedostasien auf, um Gueter, aber auch Wissen nach Okinawa zu bringen.
Die Burg von Shuri kam man heute im „Shurijo castle park“ besuchen. Ich war am Sonnatg Nachmittag in Shuri und habe mir das Ganze angeschaut. Die Burg selber wurde immer wieder Opfer von Flammen, wurde aber immer wieder neu aufgebaut. Von der urspruenglichen Burg ist nur noch ein Teil der Grundmauern uebrig geblieben. Ich habe mir viel Zeit genommen, die Erklaerungstafeln zu lesen, weil die Geschichte dieser Burg und damit des Ryukyu Reiches sehr interessant ist. Das innere des Hauptgebaeudes der Burg ist ebenfalls offen fuer Besucher. Sogar den Thron des Koenigs und seine Krone kann man bestaun...
„Taiphoon of steel“
Jetzt moechte ich ueber meinen Ausflug zum „Okinawa Prefectural Peace Memorial Parc“ berichten: Wie der Name bereits sagt, wurde der Park und das Museum nach dem zweiten Weltkrieg als Mahnmal fuer den Frieden und als Erinnerung fuer die vielen im Krieg verstorbenen Menschen gebaut. In Okinawa fanden waehrend des 2. Weltkrieges heftige Gefechte zwischen der japanischen Armee und den alliierten Truppen statt.
Doch anstatt viele Worte darueber zu verlieren, moechte ich an dieser Stelle die Einwohner selber sprechen lassen: Hier das Basiskonzept des Museums, das ich aus dem Museumsprospekt in englischer Sprache vorlegen haben:
„The Basic Concept of the Okinawa Prefectural Peace Memorial Museum
In the late March 1945, a fierce battle such as has rarely been seen in history took place on these islands. The “Typhoon of Steel” that lasted for ninety days disfigured mountains, destroyed much of the cultural legacy, and claimed the precoius lives of upward of 200’000 people. The Battle of Okinawa was the only ground fighting fought on Japanese soil and was also the largest- scale campaign of the Asia- Pacific War. Even countless Okinawan civilians were fully mobilized.
A significant aspect of the Battle of Okinawa was the great loss of civilian life. At more than 100’000, civilian losses far outnumbered the military death toll. Some were blown apart by shells, some finding themselves in a hopeless situation were driven to suicide, some died of starvation, some succumbed to malaria, while others fell victim to the retreating Japanese troops. Under the most desperate and unimaginable circumstances, Okinawans directly experienced the absurdity of war and atrocities it inevitably brings about.
This war experience is at the very core of what is popularly called the “Okinawan Heart”, a resilient, yet strong attitude to life that Okinawan people developed as they struggled against the pressures of many years of U.S. military control.
The “Okinawan Heart” is a human response that respects personal dignity above all else, rejects any acts related to war, and truly cherishes culture, which is a supreme expression of humanity. In order that we may mourn for those who perished during the war, pass on to future generations the historic lessons of the Battle of Okinawa, convey our message to the peoples of the world and thereby contribute to establishing permanent peace, we have hereby established, displaying the whole range of the individual war experiences of the people in this prefecture, the Okinawa Prefectural Peace Memorial Museum.” (Museumsprospekt)
Der Friedenspark kann frei besucht werden. Hier stehen grosse Steinbloecke, auf die die Namen von gefallenen, amerikanischen und japanischen, Soldaten stehen. Die Mitte des Platzes markiert ein Brunnen. An der Spitze dieses Steinbrunnen brennt die „Friedensflamme“. Ein insgesamt schlicht, aber respektvoll gebauter Brunnen. Immer wieder sieht man Menschen, die vor dem Friedensstein, mit Blumen in der Hand, stehen bleiben und beten. Beten in Japan heisst: zuerst verneigt man sich zweimal, dann klatschen man zweimal in die Haende, und verneigen sich dann noch einmal. Erstaunlich viele Kinder und Jugendliche waren zur gleichen Zeit wie ich im Park.
Zum Friedenspark gehoert das Friedensmuseum, das die Anfaenge des Krieges, deren Verlauf und das Kriegsende, zeigt. Durch einen Kopfhoerer leitet eine nette Damenstimme den Besucher durchs Museum. Grosse Aufmerksamkeit in der Ausstellung erhaelt die Kriegsphase, die als „Taiphoon of steel“ bekannt ist. Als „Taiphoon of steel“ bezeichnen die Okinawer die grosse Angriffswelle, die am 10. Oktober 1944, mit der Bombardierung von Okinawa durch rund 1000 amerikanische Bomber, anrollte und ueber 3 Monate andauerte. Zeitzeugen beschreiben diese Zeit als die „Hoelle auf Erden“, wie man es im Museum immer wieder lesen kann. Es wird geschaetzt, dass waehrend dieser 3 Monate rund 6 Mio. Geschosse, von der Luft, zu Land und von der See aus, abgefeuert wurden! Soldaten wie Zivilisten gleichermassen verloren bei diesen fuerchterlichen Gefechten ihr Leben.
Dieser Park hilft mit, diese dunkle Zeit, die so viele Opfer gefordert hat, zu verarbeiten. Hoffen wir, dass die vielen guten Gedanken und Absichten, die mit diesem Park verbunden sind, auch Wirkung zeigen und dass dieser Mahnmal uns vor allem hilft, endlich aus der Geschichte zu lernen...!
Die Burg von Shuri, der Friedenspark und das Friedensmuseum, so finde ich, gehoeren zum Pflichtprogramm fuer jeden Okinawa Besucher.
In den naechsten Tagen moechte ich das Karate und Kobudo dojo von Tetsuhiro Hokama sensei besuchen. Zu diesem dojo gehoert ebenfalls ein Karate Museum, darueber aber mehr im naechsten Eintrag.
Fuer heute bedanke ich mich fuers Lesen und schicke freundliche Gruesse aus Okinawa.
Martin Bundi, 7.08.2007
Liebe Leserin, lieber Leser
Am letzten Donnerstag bin ich in Naha gelandet. Mein erster Eindruck: Hitze! Mein erster Gedanke: bin ich am richtigen Ort gelandet? Meine erste Feststellung: ja, ich bin tatsaechlich auf Okinawa gelandet...
In gewisser Weise war ich ja vorgewarnt. Takashi san antwortete mir auf die Frage, wie es so auf Okinawa sei, dass man Okinawa als „Hawaii“ von Japan bezeichnen koennte. Hier herrscht grosse Hitze, und auch Palmen sind immer wieder zu sehen. Ein grosser Teil der Menschen hier in Okinawa traegt das typische „Okinawa Hemd“, das gleich aussieht wie das „Hawaii Hemd“, aber eben in Okinawa hergestellt wurde (mit einem speziell schoenen Kragen).
Mein Hotel liegt an der kenchou mae Station, die rund 10 Minuten vom Flughafen entfernt liegt. Masaki san hat fuer mich ein schoenes Hotel in bester Lage ausgesucht. Ganz in der Naehe liegt die beruehmte Kokusai Strasse. Diese 1.6 Kilometer lange „dori“ beherbergt eine Unmenge von Souveniershops, Restaurants und Bars. Hier pulsiert das okinawaische Leben bis spaet in die Nacht hinein.
Beste Voraussetzungen also, um es etwas ruhiger angehen zu lassen und ein bisschen Ferien zu machen. Am Freitag war ich dann auch an einem wunderschoenen Strand, der rund 30 Minuten von kenchou mae entfernt liegt. „Tropical Beach“ hiess er. Ich habe den Tag sehr genossen, vielleicht zu sehr?? Am Abend musste ich die schmerzhafte Nebenwirkung der Strandferien spueren: den Sonnenbrand. Ich war rot wie eine Tomate. Am Abend habe ich jedoch in der Kokusai dori ein „After sun spray“ aus Menthol und Aloe gefunden und mit dessen Hilfe hatte ich dennoch eine erholsame Nacht.
Heute bin ich durch Naha spaziert, um die Umgebung etwas kennen zu lernen. Morgen gehe ich zur Shuri Burg, die das Wahrzeichen des alten Koenigreiches Okinawas war. Auch diese Sehenswuerdigkeit liegt in der Naehe des Hotels. Am Mittwoch wird David Gurtner von Nippon Bern (der ebenfalls unter Masakis Flagge durch Japan reist) nach Okinawa kommen. Ich habe ihn bereits diese Woche im Kodokan getroffen. Zusammen werden wir an einer Bustour teilnehmen, um die vergleichsweise eher kleine Insel kennen zu lernen. So viel fuer den Augenblick. Ich hoffe, nach dem Besuch der Shuri Burg etwas ueber die Geschichte Okinawas berichten zu koennen.
Danke fuers Lesen und noch ein schoenes Wochenende!
Martin Bundi, Okinawa, 4.08.2007
Wie die Zeit doch schnell vergeht. Bald schon geht meine Zeit in Tokyo zu Ende und die Reise durch Japan beginnt. Die letzten Tage waren sehr spannend und lehrreich. Jeden Tag habe ich einen groesseren Ausflug gemacht und dabei eine Menge gesehen und gelernt. Hier eine kurze Beschreibung von dem, was ich erlebt habe:
Lehrreicher Tag in Nikko
Nach der anstrengenden Judowoche ging es in den letzten Tagen etwas ruhiger zu und her. Ich nutze die Zeit vor allem, um beruehmte Orte in Japan zu besuchen. Ich habe fuer diese Woche ein JR Pass, mit dem kann ich, einem GA in der Schweiz aehnlich, im ganzen Land mit den JR Bahnen reisen. Den ersten Ausflug habe ich am Sonntag gemacht, und zwar nach Nikko. Nikko liegt rund 70 Minuten von Tokyo entfernt in den japanischen Bergen. Zum ersten Mal habe ich am Sonntag die Shinkansen, die Hochgeschwindigkeitsbahn, benutzt. Der Einstieg in die Shinkansen hat mich sehr am Einstieg in einem Flugzeug erinnert: Die Sitze sind gleich angeordnet, es herrscht einen gewissen Platzmangel und eine Lueftung laeuft auf Hochtouren….Und natuerlich ging es „Tempo Teufel“ in Richtung Nikko.
Nun, Nikko gehoert, wie z.B Kamakura, zu den Hauptattraktionen fuer Touristen und Einheimischen gleichermassen. Nikko ist vor allem mit dem Shogun Ieyasu Tokugawa verbunden. Mit diesem Mann begann die Tokugawa Periode (auch Edo-Periode genannt), die von 1603 bis 1867 dauerte. Diese historische Stadt hat eine Menge zu bieten: Schreine, Tempel, Pagoden, Mausoleum usw. Die Tempel von Nikko wurden im Jahre 766 erbaut, und sind bis heute sehr gut erhalten. Der „Toshogu Schrein“, der groesste und praechtigste Schrein in Nikko, ist Tokugawa Ieyasu gewidmet. Dass diese Tempel fuer das Land von grosser Bedeutung sind, sieht man an den Besucherstrom; viele Schulklassen waren am Sonntag vor Ort, vor jedem Tempel Halt machend um die Worte eines Fuehrers zu hoeren. Und wie man die Japaner ja kennt, war jeder mit mind. einer Kamera bewaffnet.
Besonders interessant ist das Wahrzeichen von Nikko: es sind drei Figuren, die an der Aussenwand des heiligen Pferdestalls von Nikko zu finden sind. Es sind dies die beruehmten drei Affen; die eine deckt die Augen mit ihren Haenden zu, die andere ihre Ohren und die dritte ihren Mund. Sie sind auch bekannt, als die Affen, die nichts (boeses) sehen, nichts (boeses) hoeren und nichts (boeses) reden. Auch im Westen kennt man diese Figuren, jedoch haben sie, wie viele aus dem Osten importierten Sachen, einen Bedeutungswechsel durchgemacht. In Japan haben sie eine positive Bedeutung und wurden durch eine buddhistische Lehre „erfunden“. Sie bedeuten soviel wie „weise ueber Boeses hinwegsehen“. Im Westen haben sie zumeist eine negative Bedeutung, z.B. gibt es Satiriker, die „mangelnde Zivilcourage“ mit dem Bild der drei Affen darstellen („nichts sehen, hoeren und sagen wollen“ blind, taub und stumm im Bezug auf den Mitmenschen sein usw.) Japanische Jugendliche tragen kleine A
ffenfiguren als Gluecksbringer.
Iwama- Geburtsort des Aikido
Am Montag hat es den ganzen Tag in Stroemen geregnet. Trotzdem habe ich mich entschlossen, die Reise nach Iwama auf mich zu nehmen. Iwama liegt in der Ibaraki Praefektur und mit dem Zug in rund 2 Stunden zu erreichen. Der Begruender des Aikido, Morihei Ueshiba O sensei hat sich nach dem 2. Weltkrieg an diesem Ort zurueckgezogen, um sein Aikido zu vervollkommnen. Er baute den Aiki jinja (Aikido Schrein) und ein Dojo, das zumeist als Iwama oder Ibaraki dojo bekannt ist. Nach dem Tod von O sensei hat sein engster Schueler, Morihiro Saito sensei die Leitung des dojo uebernommen. Er hat das von O sensei Gelernte systematisiert und diesen Stil als die „Schule von Iwama“ (Iwama ryu) bezeichnet. Jahrzehntelang hat Saito sensei in Iwama japanische wie auch nicht japanische Aikidoka ausgebildet. Legendaer waren seine Uchi deshi Programme; als uchi deshi (Hausschueler) lebt man im dojo, trainiert taeglich und ist fuer den Unterhalt des dojos zustaendig. In Iwama war und ist das Leben der St
udenten einfach. Sie haben einen Schlafzimmer zur Vefuegung, eine einfache gemeinsame Kueche und einfachste sanitaere Anlagen. Mein Aikidolehrer in der Schweiz, Deben Graupner vom Aikido Bodensee, hat ebenfalls in Iwama unter Saito sensei studiert. Von seinen Berichten und Erlebnissen in Iwama war ich seit ich mit Aikido angefangen habe, begeistert. Als ich am Montag in Iwama war, ist sozusagen ein lang gehegter Traum in Erfuellung gegangen. Zweifelsohne moechte ich behaupten, dass das Iwama dojo das schoenste und eindruecklichste dojo ist, das ich je gesehen habe. Das alte Gebaeude steht immer noch so wie zu O senseis Zeiten. Und trotzdem hat es sehr viele, bekannte Aikidokas nach Iwama gezogen, um am Gruendungsort zu trainieren. Die Atmosphaere im dojo, aber auch rund um das dojo, ist wirklich sehr speziell: ruhig, abgeschieden, aber trotzdem sehr kraftvoll und authentisch! O sensei hat mit seinem Aikido den Menschen einen Weg zu einer friedvolleren Welt gezeigt. Dieser Weg beginn
t damit, dass man zuerst den Frieden mit sich selber findet; und der Iwama dojo, so glaube ich, ist ein Ort, an dem man zu diesen Frieden finden ka...Ein besonderer Ort, der mich tief beeindruckt hat.
Zur aktuellen Situation des Aikido in Iwama
Nach Morihiro Saitos Tod hat sich die Iwama ryu Szene aufgeteilt. Es gibt keine einheitliche Fuehrung mehr. Saitos Sohn Hitohiro sensei hat seinen eigenen Stil gegruendet (shin shin aiki shuren kai) und ein Dojo direkt neben den Iwama dojo gebaut. Die Leitung des Iwama dojo hat nun das Aikikai unter Doshu Moriteru Ueshiba uebernommen. Das Training in Iwama wird aber weitergefuehrt. Taeglich findet morgens um 06:00-07:00 eine Stunde Waffentraining und abends um 19:00- 20:00 ein normales Training statt. Das Training wird geleitet von Aikikai Lehrer. Der Doshu kommt ca. 1 Mal im Monat nach Iwama um zu unterrichten. Die Lehrer sind allesamt hochgraduierte Aikido Meister, darunter sind auch solche, die unter o sensei trainiert haben. Zu meiner Ueberraschug habe ich in Iwama zwei Uchi deshi angetroffen. Ich hatte eine lange Unterhaltung mit ihnen und sie konnten mir viele Fragen beantworten. Das Uchi deshi Programm wird also weitergefuehrt, was mich sehr gefreut hat.
Ja, das war mein Bericht fuer heute. Im naechsten Bericht werde ich kurz ueber den Asakusa Ausflug und dann bereits von Okinawa berichten.
Fuer heute wuensche ich meinen Landsleuten eine wunderschoene 1. August Feier!
Ich bedanke mich fuers Lesen und verbleibe mit freundlichen Gruessen
Martin Bundi, 01.08.2007
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