Hiroshima, Miyajima, Kyoto

Hiroshima

Heute Abend musste ich mit dem Tram kurz zum Bahnhof Hiroshima fahren, um einen Platz in der Shinkansen für morgen zu reservieren. Morgen um die Mittagsstunde verlasse ich Hiroshima und fahre nach Kyoto, gleichsam die letzte Station meiner Reise. Zum Hotel zurück bin ich gelaufen. Ein wunderschön scheinender Mond hing über der Skyline von Hiroshima und lud zu einem Abendspaziergang ein. Der Weg führte zunächst direkt ins Zentrum der Stadt, wo Hiroshima ihr modernes Gesicht zeigt, mit den üblichen Rieseneinkaufsläden, Pachinko Läden usw. Schon bald aber kam ich zu der Stelle, wo vor mehr als 60 Jahren etwas bis dahin noch nie da gewesenes passierte, ja ein neues Zeitalter eingeläutet wurde. Am 6. August 1945 am morgen um 08:15, warf ein amerikanischer Grossbomber mit dem Namen „Enola Gay“ eine 3 Meter lange und 4 Tonne schwere Uran Atombombe über die Stadt Hiroshima ab. Als Grobziel für die Piloten galt die Aioi Brücke, die mit ihrer auffallenden T- Form aus der Luft
gut sichtbar war. Und hier stand ich heute Abend, auf der rekonstruierten Aioi Brücke, das offizielle Ziel für die „Little Boy“ (so nannten die Amerikaner die Atombombe.) Heute fahren Autos und Tramzüge wieder hin und her. Kaum vorstellbar, welche Tragödie sich hier vor 60 Jahre abspielte. Die Bombe explodierte rund 600 Meter über diese Brücke. Zunächst entwickelte sich ein Feuerball, der die Temperatur am Boden im nahen Umkreis um 3000 Grad Celsius ansteigen liess. Es folgte eine gewaltige Druckwelle, und der Himmel über Hiroshima wurde in einer grauen Wolke aus radioaktiven Staub und Trümmerteilen gehüllt. Im Umkreis von 3 Kilometern vom Explosionszentrum war die Sterberate 100%. Die Menschen „verpufften“ regelrecht bei dieser gewaltigen Explosion. Der Zerstörungsradius der Bombe reichte mehrere Kilometer. Ein Grossteil der Menschen verbrannte, davon starben einige sofort, einige erlitten einen qualvollen Tod. Alle Menschen, die sich im Umkreis der Bombe befanden
, wurden von starker radioaktiver Strahlung angegriffen. Diese Strahlung liess auch Jahre nach der Explosion Krankheiten ausbrechen, mit denen keiner gerechnet hatte. Die Bombe tötete nicht nur am 6. August, sondern forderte auch noch Jahre danach ihre Opfer. Insgesamt kamen durch die Bombe mehr als 200'000 Menschen ums Leben. Als erste und bisher einzige Nation musste Japan eine Atombombe verkraften. Die Stadt Hiroshima wurde wieder aufgebaut, die Zuversicht der Stadtbewohner und die Lebensfreude sind zurückgekehrt. Jedes Jahr am 6. August findet in Hiroshima, begleitet von viel Prominenz, ein grosser Gedenkakt statt, der an die Opfer erinnert. Dabei liest der Bürgermeister von Hiroshima die „Friedensdeklaration“ vor. Sie beginnt folgendermassen: „That fateful summer, 8:15. The roar of a B-29 breaks the morning calm. A parachute opens in the blue sky. Then suddenly, a flash, an enormous blast- silence- hell on earth.”

Hiroshima ist zur Stadt des Friedens geworden. Unzählige Denkmäler, die von Einzelpersonen, oder auch von Institutionen gesponsert wurden, sind liebevoll und unauffällig in die Stadtstruktur integriert. Es gibt z.B. eine Strasse, die „Peace Boulevard“ heisst. Am Strassenrand steht z.B. eine abstrakte Steinskulptur, die zwei Hände, die betend gen Himmel zeigen, darstellt. Der erklärende Text liest sich ungefähr so: An all die Ärzte, Krankenschwestern, Medizinstudenten und allen Rettungskräften gewidmet, die am Tag der Explosion unermüdlich und meistens nur mit blossen Händen, den Opfer Hilfe und Unterstützung gebracht haben.

Unverzüglich kommt mir dabei die Geschichte von Dr. Nagai in den Kopf, der als Arzt in der Hölle von Nagasaki medizinische Hilfe geleistet hat, bis er vor Erschöpfung zusammenbrach und bettlägerig wurde. Später starb er an Leukämie.

Es gäbe unzählige Geschichten von einzelnen Schicksalen zu erzählen, die u.a. im Friedensmuseum in Hiroshima der Welt erzählt werden. Ich möchte eine davon, eine sehr bewegende, aufgreifen: die Geschichte des kleinen Mädchens Sadako Sasaki. Als die Bombe explodierte, war sie nur zwei Jahre alt. Scheinbar unbeschadet durchlief das Mädchen zunächst eine normale kindliche Entwicklung, bis sie eines Tages zusammenbrach. Im Krankenhaus wurde ihr Leukämie, Blutkrebs, diagnostiziert, verursacht von der radioaktiven Strahlung der Bombe. Daraufhin wurde sie hospitalisiert. Die Ärzte gaben ihr nur noch eine kurze Lebenszeit. Von einer Kollegin soll sie die Geschichte gehört haben, dass, wenn man 1000 Kraniche aus Papier falten würde, und mit jedem Kranich einen Wunsch äussern würde, werde dieser mit 1000 gefalteten Kranichen wahr. Sie begann also Kraniche zu falten, und wünschte sich natürlich bei jedem Kranich, dass sie wieder gesund werde. Das Mädchen hatte mehr als 1000 Pap
ierkraniche gefaltet, trotzdem starb sie 25. Oktober 1955 im Spital von Hiroshima. Seither sind Papierkraniche zum Symbol des Friedens und der Anti- Atombomben Kampagnen geworden. Im Friedenspark von Hiroshima steht das Denkmal für alle getöteten Kinder, das auf Initiaitve von Sadakos Klassenkameraden errichtet wurde. Hinter dem Denkmal stehen Glaskasten, in denen tausende von Papierkranichen aufbewahrt werden. Kinder aus der ganzen Welt schicken ihre Papierkraniche zu diesem Denkmal um ihre Anteilnahme zu zeigen und um den Unschuldigsten von Allen zu gedenken.

Miyajima

Man darf Japan nicht verlassen, ohne auf Miyajima gewesen zu sein. Miyajima heisst eine Insel südlich von Hiroshima, die in 2o Minuten mit einem Schnellboot erreichbar ist. Man darf Miyajima ruhig als eine Trauminsel bezeichnen: Eine kleine, grüne Insel, auf der die Natur, und nicht der Mensch das Sagen hat. Die ruhige, besinnliche, ja fast schon spirituelle Atmosphäre beeindruckt jeden, der diese Insel betritt. Hier geht das Leben in ruhigen Schritten. Die Insel ist zwar bewohnt, es hat eine Stadtverwaltung, Poststellen usw. Wichtigste Einnahmequelle ist aber der Tourismus. Für die gibt es zwei grosse Strassen mit Souvenierläden und Restaurants. Und es gibt eine herrliche Natur, mit Wandermöglichkeiten und Tempel besuchen, die inmitten dieser Natur stehen. Hier kann der Shintoismus, die alte japanische Naturreligion, ihr echtes Gesicht zeigen. Eine Form des Respektes gegenüber der Natur ist, sie einfach so zu lassen, wie sie ist. Und genau das, so mein Gefühl, versucht man
auf Miyajima. Klar gibt es Gebäude und Tourismus, jedoch in einem übersichtlichen Rahmen. Ich habe auf Miyajima einige Kilometer zurückgelegt; habe den Tempel und Schrein von Kobo Daishi (Daisho in Tempel), den Begründer des Shingon Buddhismus (eine esoterische Lehre des Buddhismus), habe den Itsukushima Schrein besucht, der zu den wichtigsten in ganz Japan zählt und bin schliesslich über einen Wanderweg quasi um die ganze Insel gewandert, die eben gar nicht so gross ist. Überwältigt von der Schönheit und der unbeschreiblichen Atmosphäre dieser „Insel der Götter“, wie sie auch genannt wird, sass ich schliesslich vor einer grossen, fünfstöckigen Pagode und genoss das Dasein. Immer wieder blicke ich nach Hiroshima, versuche mir vorzustellen, wie es dort vor 60 Jahre ausgesehen haben muss. Der Besuch von Miyajima war Erholung für Körper und Geist gleichermassen.

Kyoto

Tokyo ist die politische Hauptstadt Japans, die kulturelle Hauptstadt ist zweifelsohne Kyoto. Schauen wir in die Geschichtsbücher, so können wir lesen, dass Kyoto auch mal politische Hauptstadt war. In der Hochblüte der Stadt wurden unzählige Tempel und Schreine errichtet. Viele brannten nieder, wurden aber wieder und wieder aufgebaut. Der Zen Buddhismus konzentrierte sich lange Zeit auf Kyoto, hier wurden die Haupttempel einiger Schulen errichtet. Viele davon sind klassifiziert als „Nationale Schätze“ und einige gehören zum UNESCO Weltkulturerbe.

Die ersten Tage in Kyoto erwiesen sich als ziemlich mühsame. Die schönsten Tempel liegen relativ weit auseinander, sind meistens nur durch mühsames Erklimmen von vielen Treppenstufen zu erreichen, weil sie auf Hügeln oder im Wald stehen. Dies wäre bei „normalen“ Temperaturen nicht erwähnenswert. Leider ist es aber zurzeit unglaublich heiss in Kyoto. Wenn man vom frühen Morgen bis zu den Abendstunden unterwegs ist, macht einem die Hitze fast wahnsinnig. Hinzu kommen Schwierigkeiten, die Orte zu finden, denn hier ist praktisch alles nur auf Japanisch geschrieben: Irrwege sind also inklusiv. Aber nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, so viel wie möglich anzuschauen, aber nicht nach dem Motto: „du musst alles gesehen haben“, sondern mehr nach dem Motto „weniger ist manchmal mehr“. In Kyoto stehen einige der wichtigsten Zen Tempeln Japans. Und ein Zen Tempel will in Ruhe betrachtet, und nicht im Schnelldurchlauf beschnuppert werden.

Mittwoch: Eines der berühmtesten und schönsten ist der Kiyomizudera Tempel, der abgeschieden an einem bewaldeten Hügel gebaut wurde und umgeben von Kirschbäumen, eine Schönheit für sich ist. Dieser Tempel wurde im Jahre 778 v. Chr. erbaut und u.a. Kannon, dem Gott des Mitgefühls gewidmet.

In der Nähe befindet sich die grosse Ryozen Kannon Statue, die 24 Meter hoch ist. Überhaupt muss die Gottheit Kannon eine wichtige Rolle für die Japaner spielen, weil viele grosse und wichtige Tempel dieser Gottheit gewidmet sind. (vgl. z.B. auch Kamakura u.a.)

Am Donnerstag habe ich einen Tempelfreien Tag genossen, mit Kaffee trinken und Bücher lesen im Ryokan. Ich bin im alten Ryokan Murasaki in Gion untergebracht. Gion (ausgesprochen mit dem deutschen „Gi“ und nicht mit dem romanischen) ist das traditionelle Viertel Kyotos. Hier gibt es keine modernen Bauten. Gion bietet eine Zeitreise, zurück zu den alten Zeiten Kyotos. Ab und zu bekommt man eine Maiko Tänzerin zu Gesicht. Edle Restaurants haben sich in die eng aufeinander gebauten Holzhäuser eingemietet, Steak house usw., allesamt saftig teure Vergnügen. Vor einem Restaurant steht z.B.: “Steak House, 100$ and up. No just looking, only drink!” Ziemlich klar, für welche Kundschaft geworben wird...
An der Shijo dori, die an Gion vorbei zieht, sind dafür alle Besucher willkommen. Mit ihren vielen Souvenirshops, traditionelle japanische Läden, japanische Restaurants und modern Einkaufszentren biete diese Strasse charmante Unterhaltung bis spät in die Nacht.

Am Freitag dann ein schönes Programm: Am frühen morgen mit dem Bus zum Kinkaku ji (Tempel des goldenen Pavillon). Dieser goldene Tempel ist das Wahrzeichen von Kyoto schlechthin. Der Tempel steht in einem kleinen See und von einem liebevoll gepflegten Garten umgeben. Nach Kinkaku ji zum Ryoan ji, einen Zen Tempel, der berühmt ist für seinen Zen Garten: Auf ein flaches Kiesbeet sind 15 Steine angelegt, kein Grünzeug und kein Wasser. Jeder Besucher wird aufgefordert, für sich die Bedeutung dieser Steine und deren Anordnung zu erkennen.
Nach 30 Minuten erreiche ich Myoshin ji, der weniger ein Tempel als ein Tempelkomplex ist. Der Besucher kann beim Durchlaufen des Komplexes viele Tempel und Schreine bestaunen und, Myoshin ji gilt als Geheimtipp für Gartenfreunde; hier blühen alle möglichen Farben und Formen durch das ganze Jahr hindurch. Am späteren Nachmittag erreiche ich nach einer kurzen Zugfahrt den Fushimi Inari Schrein. Rund zwei Stunden dauert es, um den Weg, der durch einen Wald auf einem Berg führt und von unzähligen Shinto torii gesäumt ist, zu begehen. An diesem Tag traute ich mir diese Wanderung nicht zu, denn ich hatte Sandalen an und hatte sonst auch nichts dabei, und ausserdem war es zu heiss...

Am Sonntag wieder ein ruhiger Tag. Am Nachmittag habe ich den Kennin ji Tempel angeschaut, der älteste Zen Tempel in Kyoto. Dieser Tempel wurde um 1200 errichtet. Wie man sich denken kann, brannte auch der Kennin ji Tempel im Verlauf der Geschichte mehrmals ab und musste wieder aufgebaut werden. Der Besucher erlebt im inneren des Tempels eine ruhige Atmosphäre, viele kommen hierher um sich auszuruhen. Niemand wagt es, laut zu reden, um diese Atmosphäre nicht zu stören. Unterhaltsam ist auch der Film, der in einer Ecke gezeigt wird. Er zeigt das Leben einer Zen- Mönchsgemeinschaft, ihre Arbeit, die Meditation und die bescheidenen Mahlzeiten, die sie einnehmen. Morgens um 02:00 läutet der Abt die Glocke, und die Mönche versammeln sich für eine Meditation; Zazen: Meditation im Sitzen; in sich kehren, zur Mitte gehen; das eigene Ich erkennen und es schliesslich vergessen….dies einige Stichworte im Zusammenhang mit den Zen Buddhismus.

Die Reise geht zu Ende

Am Nachmittag des 27. August bin ich wieder in Tokyo angekommen. Für zwei Nächte weile ich im Ryokan Hon chome, wo ich bereits während des Kodokan summer course übernachtet habe. Am 29. August verlasse ich Tokyo, und gehe nach Narita in einem Hotel in der Nähe des Flughafens. Ja liebe Leserin, lieber Leser, meine Reise durch Japan neigt sich ihrem Ende zu. Am 30. August fliege ich mit einer JAL Maschine zuerst nach Paris und dann mit Air France nach Zürich.

Der nächste und gleichsam letzte Eintrag wird bereits eine Schlussfolgerung und ein Schlusswort sein.

Ich darf mich aber bereits jetzt bei meinen Lesern für das Interesse und das stetige Lesen meiner Einträge bedanken. Und ich möchte mich bei ICN Travel, Masaki Negishi und Fritz Sommer, für die professionell organisierte Reise und für die sehr gute persönliche und individuelle Betreuung vor und während der Reise herzlichst bedanken! Alles hat einwandfrei geklappt!

Ich grüsse Euch alle…und freue mich auf ein schönes Wiedersehen mit Euch Allen!

Martin Bundi, aus Tokyo, 27.08.2007

#Martin Bundi | 29.08.2007 00:09

Guten Abend

Ich durfte drei sehr lehrreiche, schoene und spannende Tage in Hiroshima verbringen. Nun bin ich daran, darueber zu schreiben. Da ich ziemlich beschaeftigt bin, habe ich nicht immer die Zeit dazu. Jetzt bin ich in Kyoto und habe keine Internet Verbindung. Aus diesem Grund werde ich die Texte fortlaufend auf meinem Laptop schreiben und spaetestens wenn ich am 27. 08 in Tokyo bin, diese aufschalten.

So viel zu Kyoto: der erste Eindruck ist ueberwaeltigend: Kyoto besitzt nicht nur beruehmte Tempel und Schreine, sondern auch den modernsten und neusten Bahnhof Japans...

Schaut also in einigen Tagen wieder vorbei, es wird sich lohnen...

Allen eine schoene Woche!

Mit herzlichen Gruessen aus Kyoto

Martin Bundi, 21\08\07

#Martin Bundi | 21.08.2007 13:35

Hakata, Kyudo, 200 Mio. Dollar Museum

Für Hakata hatte ich keine besonderen Pläne im Voraus geschmiedet. Einzig die Übernachtung war organisiert. Ich nahm nach meiner Ankunft einen Stadtplan für Touristen in die Hand und suchte mir sehenswerte Plätze aus. Und so entstand der Plan für den ersten Tag in Hakata: zuerst in die Innenstadt fahren nach Tenjin, dort soll es spannende Einkaufsquartiere geben. Als ich im Schnelldurchlauf die Läden betrachtet habe, verliess ich das unterirdische Einkaufsparadies und ging an die frische Luft. Gleich neben der Tenjin Station steht der berühmte Ohori Park, der um einen See angerichtet ist, der seinerseits ca. 2 Km im Durchmesser misst. Gemütlich bin ich um den See gelaufen. Man war sich selber sehr lieb, wenn man langsam lief…welche Hitze an diesem Tag!! An diesem und am folgenden Tag war es um die 38 Grad Celsius heiss! Das letzte Mal, als ich mich an einer solchen Hitze erinnern kann, war, als ich Ferien in Ägypten gemacht habe. Ich habe mich ein bisschen wie ein „Yakitori“ gefühlt, ein gebratenes Hühnchen. Als ich rund die Hälfte gelaufen war, hörte ich plötzlich Kampfschreie, sogenannte Kiai’s. „Gibt es tatsächlich einige Unerschrockene, die bei dieser Hitze trainieren?“, habe ich mich gefragt und sogleich die Fährte aufgenommen. Nach kurzem Fragen einer Einheimischen wurde ich zu einem Gebäude geschickt, das gleich neben dem Park steht. Auf dem Schild konnte ich folgende Kanji lesen: ?????:Fukuoka Budoukan. Selbstverständlich bin ich da rein gegangen, um die Situation zu schauen. Die grosse Halle war zweigeteilt, auf der rechten Seiten waren Tatami ausgelegt, und ca. 20 Studenten trainierten eine Art Messerkampf. Alle trugen über den Trainingsanzug zusätzliche Schutzkleidung, da sie mit Übungswaffen trainierten...einige Kampfkünstler kennen eben gar nichts...! Auf der linken Seite war Holzboden, und eine Gruppe Kendokas war gerade in der Pause. Schade, gerne hätte ich einem Kendo Kämpfchen beigewohnt.

Und als ich das Budokan verlassen hatte, die nächste Überraschung: just neben dem Budokan befindet sich ein Kyudo dojo. Kyudo heisst übersetzt „Der Weg des Bogenschiessens“, und kann als Kampfkunst zu den Budo Künsten gezählt werden, also in der gleichen Reihe wie das Judo oder Aikido. Bei uns ist diese Kampfkunst jedoch wenig bis gar nicht bekannt. Durch den schmalen Eingang sah ich einen jungen Mann in Hakama, der soeben daran war, seinen Bogen zu spannen. Ich bin zum Eingang gegangen und habe gefragt, ob ich eintreten und zuschauen dürfte. Ein freundlicher Student, der gleich alt wie ich zu sein schien, bat mich herein und führte mich zum Shomen (Zentrum des dojo), wo einige Stühle standen. Und so habe ich rund 30. Minuten Kyudo Training erlebt. Kyudo ist eine „edle“, meditative Kampfkunst, die mit wenigen Worten und wenig Lärm betrieben wird. Das Ziel besteht darin, den Pfeil möglichst absichtslos und mit einem absolut ruhigen Geist abzuschiessen, und natürlich
 das Ziel zu treffen. So gesehen eignet sich Kyudo bestens als Zen- Übung. Man darf jedoch nicht vergessen, dass auch diese Kampfkunst verschiedene Stile kennt, die Inhalte verschiedenartig gewichten.


Der zweite Tag in Hakata war wieder ein Museumstag. Besucht habe ich das „Kyushu National Museum“. Das im Jahre 2005 eröffnete Prachtstück kostete 200 Mio. US- Dollar und ist der Vierte seiner Art. Drei weitere stehen in Tokyo, Nara und Kyoto. Das Gebäude ist 16o Meter lang und 80 Meter breit. Die Seitenwände sind komplett aus Glas und im Inneren herrschen edle Holzkonstruktionen vor. Restaurant, Kongresssaal, zwei Ausstellungsräume und ein kleiner Konzertraum sind inklusiv! Leider gab es wenige Informationen in Englisch, so dass der Tourist vorwiegend mit dem Betrachten der Kunstwerke zufrieden geben muss.

Am Abend dann der Abschluss, und jetzt haltet Euch fest, mit einem Fondue Essen (bei 38 Grad)! Es gibt tatsächlich mitten in Fukuoka ein Japaner, der ein Schweizer Restaurant betreibt. „Swiss Restaurant Chalet“, so heisst das kleine Restaurant, das Speisekarten auf Deutsch hat und die Gäste mit Ländlermusik unterhält. Der Koch war für 6 Jahre in der Schweiz und spricht ein wenig Deutsch. Mit ihm habe ich nach dem Essen ein Bier getrunken und wir haben uns lange über die zwei Kulturen unterhalten, die in diesem Augenblick aufeinander trafen. Man darf ja auch mal was Originelles machen…:-)?

Ja, und jetzt bin ich in Hiroshima und bin gespannt auf die nächsten Tage. Morgen beschäftige ich mich mit der tragischen Geschichte der Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde.

Für heute bedanke ich mich fürs Lesen und verabschiede mich mit herzlichen Grüssen aus Hiroshima!

Martin Bundi, 18- 08- 2007

#Martin Bundi | 19.08.2007 01:27

Letzter Tag in Nagasaki und Ankunft in Hakata

Am frühen Mittwochmorgen, als ich auf einer Bank vor dem Märtyrerdenkmal in Nagasaki sass, kündigte sich endlich mal wieder ein wunderschöner Tag an. Der Himmel war wunderschön blau und es war keine einzige Wolke zu sehen. Die Stadt schien noch zu schlafen, auf den Weg zum Denkmal bin ich nur sehr wenigen Menschen begegnet, und auch als ich im Park sass, liess sich Keiner blicken. Ich genoss das angenehme, kühle Morgenwetter, denn ich wusste, was mich an diesem Tag erwarten würde. Tiefblauer Himmel in Japan bedeutet Hitzetag, 30 Grad und mehr. Und es wurde ein sehr heisser Tag, im windstillen Tal von Nagasaki. Das Wetter meinte es als sehr gut mit mir, und so begann ich voller Freude meinen letzten Tag in Nagasaki.

Am morgen habe ich das Museum angeschaut, das zum Märtyrerdenkmal gehört. Im Museum wird nicht nur die Geschichte der 26 Märtyrer behandelt, sondern das Museum versteht sich als „Museum für die Geschichte des Christentums in Japan“. Besondere Bedeutung erhielt das Märtyrerdenkmal, als Papst Johannes Paul II. es im Jahre 1981 (+- einige Jahre, das genaue Datum weiss ich nicht mehr) besuchte. Ein amüsantes Ausstellungsstück ist das Messbuch, das für Papst Johannes Paul II. vom Lateinischen ins Japanische übersetzt worden ist…
Zur Geschichte des Christentums in Japan lässt sich sagen, dass die Christen als Religionsgemeinschaft eine Minderheit waren und immer noch sind. Dennoch hat es sie, offiziell oder im Untergrund, immer gegeben. Nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Ländern fochte das Christentum im Verlauf seiner Geschichte den Kampf um seine Existenzberechtigung. Tiefgläubige liessen sich von keinem Gesetz oder Dekret abschrecken und behielten ihren Glauben auch unter Androhung von Folter und Tod. So auch in Japan. Interessant sind die geheimen Symbole, die die japanischen Christen sich ausgedacht hatten: Da sie nicht auf das Tragen eines Kreuzes, was ja verboten war, verzichten wollten, trugen sie Figuren der buddhistischen Gottheit Kannon mit sich, auf die ein kleines Kreuz eingraviert war. Die Figur des Kannon war nicht zufällig gewählt: Kannon, die buddhistische Gottheit des Mitgefühls wird oft in weiblichen Zügen dargestellt, für die Christen eine passende Parallele zur Jungfrau M
aria. Viele solcher „Kannon Marias“, wie sie auch genannt wurden, sind im Museum ausgestellt. Insgesamt eine durchaus interessante und informative Ausstellung.

Szenenwechsel: Um die Mittagsstunde fand ich mich vor dem Fukusai ji Tempel wieder. Dieser buddhistische Tempel ist in Form einer Schildkröte gebaut. Auf dem Dach, oder eben auf dem Rücken der Schildkröte, steht eine silberne Statue der Göttin Kannon. Jeden Tag werden hier die Glocken geläutet, um 11:02, die Zeit, als die Bombe explodierte.

Am Nachmittag dann wieder ein Museum: das „Nagasaki museum of history and culture“. Zu diesem Museum kam ich eher zufällig. Der Besuch dieses Museum hat sich aber wirklich gelohnt. Selten habe ich ein so schönes und zugleich informatives Museum besucht. Ausgerüstet mit einem Kopfhörer durchlief ich die bewegte Geschichte der Stadt Nagasaki, flankiert von ausführlichen Erklärungen des elektronischen Führers. Die Geschichte wird chronologisch, übersichtlich und spannend dargestellt. Die Geschichte von Nagasaki ist vor allem die Geschichte von (Handels- ) Beziehungen zu asiatischen, aber bemerkenswerter Weise auch nicht asiatischen Staaten. Im 16. Jahrhundert landeten portugiesische Schiffe (durch einen Zufall) an der Westküste Japans. Mit der Ankunft der Europäer begannen die Handelsbeziehungen mit Europa (und die christliche Missionierung). Die Güter aus Europa wurden als wertvoll geschätzt und erzielten dementsprechend hohe Preise. Wenn von Europäern die Rede ist, so
 sind vor allem Portugiesen, Spanier und Holländer gemeint, die als erste europäische Staaten Handelsbeziehungen mit Japan unterhielten. Der Handel mit europäischen Gütern konzentrierte sich für lange Zeit auf den Hafen von Nagasaki. Wichtige Handelspartner neben den Europäern waren China und Korea. Vor allem die Chinesen, die über weitentwickelte kulturelle Errungenschaften verfügten, führten regen Handel mit Japan. Die Handelsbeziehungen mit den Chinesen sind jedoch bedeutend älter als die mit den Europäern.

Mit der Zeit liessen sich europäische Geschäftsleute in Nagasaki nieder und so kamen die zwei Kulturen aufeinander. Es folgten Wissenschaftler und Gelehrte, die westliches Wissen nach Japan brachten und Nagasaki wurde nach und nach zur Hauptstadt für das Studium westlicher Wissenschaften wie Medizin, Biologie, Fremdsprachen usw. In gewisser Weise spielte Nagasaki und Umgebung (siehe z.B. Hakata) eine entscheidende Rolle bei der Modernisierung Japans, denn als das Land im 19. Jahrhundert den Drang verspürte, sich westliches Wissen anzueignen, war der Anfang diesbezüglich in Nagasaki bereits gemacht.

Ja, dies und noch sehr Vieles mehr lernt man beim Besuch dieses Museums…

Nach dem Besuch des Museums dann die spontane Idee: ich könnte doch auf dem Mt. Inasa reisen, von dort hätte ich eine wunderbare Sicht auf Nagasaki an diesem wunderbaren Tag. Rund eine Stunde nachdem ich mich dafür entschieden hatte, war ich auf der Beobachtungsplattform des Mt. Inasa. Eine Luftseilbahn fährt all 20 Minuten. Ein angenehmes Lüftchen wehte um meine Ohren, als mein Blick dem Ort zugewandt war, der als Epizentrum der Atombombe gilt. Diesen Punkt hatte ich ja bereits besucht, und von Mt. Inasa aus war er sehr gut zu sehen. Ein sehr beeindruckendes und beklemmendes Gefühl, wenn man sich erneut das Ausmass dieser Katastrophe vor Augen führt. Auch der Hafen von Nagasaki, der, wie oben beschrieben, eine durchaus stolze Geschichte besitzt, zeigte sich in all seiner Pracht. Doch an diesem Tag steuerten keine alten portugiesischen Segelschiffe den Hafen an, sondern grosse moderne Containerschiffe, Ungetüme der Ozeane, gleich mehrere davon. Nagasaki hat in Sachen Handelss
tützpunkt eben kein bisschen an Bedeutung verloren…

Nach dem langen Betrachten der schönen Aussicht habe ich einen Kaffe im Restaurant des Mt. Inasa getrunken und mich so von dieser berühmten Stadt verabschiedet. Drei Stunden später sass ich auch schon im Zug nach Hakata, wo ich müde und erschöpft um 22:00 ankam. Auch Hakata ist eine sehenswerte Stadt. Ich hatte einen sehr schönen Tag heute bei grosser Hitze. Was ich gemacht und was ich genossen habe, erzähle ich morgen. Nur so viel: heute habe ich mal kein Museum besucht, dafür einige schöne Überraschungen erlebt!!

Für Heute Danke fürs Lesen und bis bald!

Martin Bundi, 16- 08- 2007

#Martin Bundi | 16.08.2007 23:07

Nagasaki

Die erste Station meiner Rundreise ist Nagasaki. Der Flug nach Fukuoka verlief problemlos. Mit dem Zug bin ich von Fukuoka nach Nagasaki gefahren, was eine Reise von ca. 2 Stunden bedeutete. Das Hotel liegt nur 1 Minute vom Bahnhof entfernt und entspricht einem guten internationalen Standard. Ich weile für rund 2 Tage hier und habe mir ein recht intensives Programm zusammengestellt. Ich möchte im Folgenden über das christliche Märtyrerdenkmal berichten und schliesslich einige Gedanken zum Abwurf der Atombombe über Nagasaki am 8. August 1945 zum Ausdruck bringen.

Die 26 Heiligen von Nagasaki. Christentum in Japan

Gibt es Christen in Japan. Ja, gibt es. Und in Nagasaki befindet sich die grösste christliche Gemeinde in Japan. Das Christentum hat in Japan historisch gesehen jedoch keine bedeutende Rolle gespielt.
Im 16. Jahrhundert kam die Stadt zum ersten Mal in Kontakt mit dem Christentum. Europäische Forschungsschiffe legten in Nagasaki an, mit an Bord der Jesuitenmönch und Missionar Franz Xaver. Er und seine Mitbrüder schafften es, einige Japaner ernsthaft zum Christentum zu bekehren und so nahm die christliche Mission Japan ihren Anfang. Doch bis heute ist christliche Anteil an die Gesamtbevölkerung verschwindend gering. Doch es gibt einige erwähnenswerte Ereignisse, die mit dem Christentum zusammenhängen. Es gab eine Zeit in Japan, da wurde das Christentum per Gesetz verboten. Urheber des Gesetzes war der damalige Shogun Toyotomi Hideyoshi, der besorgt war um den wachsenden Einfluss der Christen im Süden des Landes und damit auch in Nagasaki. Als Folge dieser Politik wurde Christen verfolgt, verbannt und auch getötet. Als Abschreckung wurden im Jahre 1597 26 Christen, 6 europäische Missionare und 20 japanische Christen, auf einem Hügel in Nagasaki gekreuzigt. Heute erinnert e
in Steinmonument auf diesem Hügel an diese Märtyrer, die im Jahre 1862 von Papst Pius IX. heilig gesprochen wurden. Der Hügel liegt nur 1 Km von meinem Hotel entfernt.


Der Morgen des 8. August 1945

Bis heute musste Japan als einzige Nation den Abwurf von zwei Atombomben in einem Krieg verkraften. Der Krieg in Europa war bereits beendet, als der damalige US Präsident Harry S. Truman die Befehle für den Einsatz der Atombomben gegen Japan erteilte. Er selber begründete die Entscheidung als Notwendigkeit, um die Beendigung des Krieges in Asien zu beschleunigen und so das Leben von unzähligen jungen amerikanischen Soldaten zu retten. Die alliierten Truppen hatten bereits herbe Verluste im Kampf gegen Japan hinnehmen müssen; bedenkt man z.B. den Pazifik Krieg oder die Schlacht in Okinawa, von der ich ja berichtet habe („Taiphoon of Steel“). Und erst seit Kurzem in Besitz der Atomwaffe, sah Truman die Zeit als gekommen, das Zeitalter der Massenvernichtungswaffen einzuläuten. Die erste Bombe wurde am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen, die zweite folgte drei Tage später, am 9. August über Nagasaki. Etwas sarkastisch könnte man behaupten, zum Glück hat Japan nach de
r Bombe auf Nagasaki bedingungslos kapituliert, denn zwei weitere Atombomben standen auf der Tinian Air Force Base zum Einsatz bereit. Mögliches Ziel wäre womöglich Tokyo gewesen.

Es ist schwierig, über geschichtliche Ereignisse zu schreiben, denn der Schreibende kommt um eine Bewertung des Ereignisses nicht herum: Die Vorgeschichte der Atombombe ist ja bekannt: der zweite Weltkrieg, geführt mit aller Grausamkeit auf allen Seiten, liess den Krieg schliesslich mit Einsatz der Atombombe eskalieren. Es gibt durchaus Menschen, die den atomaren Schlag mit seinem ganzen Ausmass an Leid und Verwüstung als rechtfertigt sehen; als letzte zur Verfügung gestandene Möglichkeit, den Krieg zu beenden und der Welt wieder Frieden zu bringen. Andere sehen den Einsatz der A Bombe als völlig unnötig und verbrecherisch, da sich Japan ja sowieso kurz vor der Kapitulation gestanden sei… Was war es nun? Eine perfid geplante militärische Aktion, oder eine militärische Notlösung? Massenmord, oder historische Notwendigkeit? Kriegsmüdigkeit der Amerikaner oder eine einfach nur Machtdemonstration? Was wäre passiert, wenn die Bomben nicht gefallen wären??

Die Botschaft, die die Gedenkhalle für die Opfer, das Friedensmuseum und Friedenspark mit der Friedensstatue in Nagasaki aussenden, ist klar: Verbannung aller Atomwaffen von dieser Welt. Und in der Tat, es steht viel auf dem Spiel. Betrachtet man nämlich das derzeitige Arsenal an Atomwaffen auf dieser Welt, so wäre ein Krieg, in dem die militärisch Elite im Einsetzen von Atomwaffen keine Hemmungen kennen würden, nicht nur fatal für einzelne Nation, sondern die gesamte Zivilisation müsste um ihre Existenz zittern. Die menschliche Rasse, die „Krönung der Schöpfung“ hat sich im Laufe der Zeit die Fähigkeit angeeignet, sich selber zu zerstören… Dieser Gedanke ging mir immer wieder durch den Kopf, als ich heute das „Atombombenmuseum“ besucht habe. Zeitzeugen in allen Formen erinnern in diesem Museum an die Katastrophe am Morgen des 8. August 1945. Aus den Trümmern geborgene Alltagsgegenstände sind ebenso ausgestellt wie Berichte von Zeitzeugen, die auf Papier zu les
en, als Stimmen zu hören oder als Videos zu sehen sind. Als „Zeitzeugen“ im wahrsten Sinne des Wortes mahnen zwei Wanduhren, die beim Zeitpunkt der Explosion stehen geblieben sind (11:02), an das Geschehene. Nicht nur das Ereignis an sich, sondern auch die Vorgeschichte und die „Nachgeschichte“ kriegen in genügendem Ausmasse Gehör. „Der Weg zur Atombombe“ wird ebenso ausführlich beschrieben wie die Gründung von Friedensorganisationen nach dem Krieg, im Speziellen solche, die für die Verbannung von Atomwaffen einstehen. Japan bekennt sich heute in aller Deutlichkeit gegen jegliche Art von Nuklearabschreckung.

In der Gedenkhalle für die Opfer der Atombombe werden die Namen aller bis heute bekannten Opfer aufbewahrt. Bis und mit dem 9. August 2007 sind 143'124 Namen in 144 Bändern aufgezeichnet. Rund 77’ooo Menschen starben unmittelbar nach der Explosion, der Rest starb an Spätfolgen, verursacht von der giftigen radioaktiven Strahlung.

Leider habe ich nicht die Zeit, über Alles heute Erlebte, Gesehene und Gefühlte zu schreiben. Wenn ich in ca. 3 Tagen Hiroshima besuche, werde ich das Thema wieder aufgreifen. So beende ich also meinen Tag, mit den Bildern von Opfern, Tätern, von Friedensstatuen und christlichen Märtyrern, von "Fatman" (so wurde die Nagasakibombe genannt) und vor allem mit den Worten von Dr. Takashi Nagai im Kopf: Ich habe ein Buch eines berühmten Zeitzeugen gekauft: Dr. Takashi Nagai, ein christlicher Arzt aus Nagasaki, der die Atombombe überlebt hat und sich bis zu seinem eigenen Tod um seine Mitmenschen gekümmert hat, bis er schliesslich selber, qualvoll an innere Blutungen starb, die er als Folge der Strahlungen erlitten hatte. Sein Buch, „Die Glocken von Nagasaki“ ist eindrückliche Lebensgeschichte und präzise Beschreibung des Ereignisses zugleich. Ich möchte diesen Eintrag mit seinen Worten beenden. Es sind dies Worte eines Gläubigen Mannes, der unschuldig Opfer der Bombe wurde
und trotz schweren Verletzungen sein ärztliches Gelübde vorbildlich und selbstlos erfüllte:

„Men and woman of the world, never again plan war! With this atomic bomb, war can only mean suicide for the human race. From this atomic waste the people of Nagasaki confront the world and cry out: No more war! Let us follow the commandment of love and work together. The people of Nagasaki prostrate themselves before God and pray: Grant that Nagasaki may be the last atomic wilderness in the history of the world.” (Takashi Nagai: The Bells of Nagasaki)

Gute Nacht!

Martin Bundi, 14-08-2007

#Martin Bundi | 15.08.2007 00:02

Regen, Bustour, Regen, Tetsuhiro Hokama sensei, Regen…

Guten Tag

Ich melde mich heute zum dritten und letzten Mal aus Okinawa. Morgen fliege ich aufs japanische Festland, genauer nach Fukuoka. Über die letzten Tage in Okinawa gibt es viel zu berichten…

Am vergangenen Mittwoch ist auch David Gurtner gesund und munter auf Okinawa angekommen. Zusammen sind wir in einem Yakiniku „All you can eat“ Restaurant (ich habe bereits früher über Yakiniku berichtet) gegangen und haben es uns gut gehen lassen…Am Donnerstag war das Wetter noch einigermassen gut, Grund genug um zu einem Strand zu fahren und auf die faule Haut zu liegen. Am „Tropical Beach“, der bei Normalverkehr ca. 30 Minuten von Naha entfernt ist, haben wir Okinawa als Feriendestination genossen und einige Runden im chinesischen Meer geschwommen. Doch schon gegen Abend zogen Regenwolken auf und ab Freitag hat es praktisch ununterbrochen geregnet, mal stärker, mal schwächer. Schuld am Regen ist, wie könnte es anders sein, ein Taifun, der wieder mal über Okinawa wütet.

Bustour
Am Freitag haben David und ich an einer Bustour teilgenommen, die uns nach Norden gebracht hat. Um 9:00 Uhr sind wir in Naha gestartet. Leider war es an diesem Tag sehr bewölkt und hat viel geregnet. Der erste Stopp war bei einem traditionellen Ryukyu Dorf (Ryukyu Mura), das für touristische Zwecke rekonstruiert wurde. Die Häuser waren aus leichten Materialien gebaut, um bei einem unerwarteten Einsturz, z.B. wegen eines Taifuns, die Menschen darin nicht zu verletzen.
Beim zweiten Stopp waren wir an der Westküste Okinawas und konnte eine schöne Felsformation fotografieren. Der dritte Stopp war fürs Mittagessen, das natürlich aus Okinawa Soba bestand. Okinawa soba ist ein einfaches Nudelgericht (Nudeln in Suppe mit Fleisch), das aber sehr gut schmeckt. Der Höhepunkt des Ausfluges dann am Nachmittag: der Besuch des „Okinawa Churaumi Aquarium“, eines der grössten seiner Art. Die Attraktion schlechthin war die Fütterung von einigen Wahlhaien im Hauptbecken. Insgesamt ein interessanter Ausflug mit touristischen Aktivitäten, wegen des schlechten Wetter konnten wir die Landschaft nicht wirklich geniessen und nasse Füsse gab es auch noch dazu.

Tutsuhiro Hokama sensei

Jetzt zum wohl spannendsten Teil meiner Okinawa Reise: Am Mittwoch nahm ich den Bus nach Nishihara Town. Ich hatte eine Adresse dabei von einem wohlbekannten Meister des Okinawa Karate und Kobudo. Sein Name ist Testuhiro Hokama; er trägt den 10. Dan in beiden oben genannten Kampfkünsten, leitet das einzige Karate Museum auf Okinawa und erhielt für seine ausführlichen Forschungen zur Geschichte des Karate ein Ehrendoktortitel. Sein Dojo, das im 1. Stock das Karate Museum beherbergt, wollte ich besuchen. Als ich ankam, war Hokama sensei gerade mitten in einer Privatlektion. Er hat mich in seinem Dojo gebeten und mir Tee angeboten. Als die Lektion beendet war, führte er mich und sein Schüler, der gerade eine Privatlektion hatte, durch das Karate Museum. Das Museum beherbergt viele Portraits von bedeutenden Meistern des Karate, alte Waffe, Bücher, Zeitschriften, Geschenke und Fotos von Seminaren. Hokama sensei spricht gut Englisch, er unterrichtet immer wieder im Ausland, übrigen
s auch in der Schweiz, und kann mit Ausländern sehr gut umgehen. Überhaupt habe ich ihn als sehr aufgeschlossen, weltoffen und hilfsbereit erlebt. Seine Lebensaufgabe, so erfährt man auch aus seinen Büchern, sieht Hokama sensei darin, Okinawa Karate als traditionelle Kampfkunst zu bewahren und sie allen Menschen, die daran interessiert sind, näher zu bringen. Sein Lebenswerk besteht neben seinem jahrzehntenlangen Training und unzähligen Seminaren, Lehrvideos usw. auch in umfassenden Studien über die Geschichte des Karate und Kobudo. Seine Ergebnisse hat er in vielen Büchern veröffentlicht, viele davon sind mittlerweile auch ins Englische übersetzt worden. Ich konnte eine lange Unterhaltung mit ihm führen und das Ergebnis war schliesslich eine Einladung für das Training am Samstagabend, die ich gerne angenommen habe….

Training in Okinawa goju ryu Karate und Okinawa Kobudo

Ja, am Samstagabend war ich dann wieder dort, durchnässt von Kopf bis Fuss, um am Training teilzunehmen. Um 18:00- 19:00 war Kindertraining. Den Kindern lehrt Hokama sensei die Grundkatas des goju ryu, die „gekisai dai ichi“ und „gekisai dai ni“ heissen. Ebenfalls trainiert er mit den Kindern Kobudo. Kobudo ist die okinawische Kampfkunst, die die Handhabung zahlreicher Waffen lehrt. Bereits die ganz Kleinen lernen mit Nunchakus und Stöcke umzugehen. Hokama sensei hat mir erklärt, dass Karate und Kobudo auf Okinawa nicht als exotische Sportarten gelten, sondern zur kulturellen Identität gehören. Aus diesem Grund sei es auch ganz klar, dass bereits die ganz kleinen Kinder langsam an die Handhabung der Waffen herangeführt werden. Nach dem Kindertraining dann das Erwachsenentraining, das von 20:00- 22:00 stattfand. Insgesamt 7 Erwachsene haben am Training teilgenommen, darunter 2 Frauen. Und das Training selber war sehr lehr- und abwechslungsreich. Zuerst Aufwärmen mit Deh
nübungen. Danach „sanchin“ Training: Grundschule üben mit Hilfe von Gewichten an den Händen. Das goju ryu Karate charakterisiert eine besondere Form der Laufschule, wobei die Fussspitzen jeweils nach innen gedreht werden… Nach diesen Übungen ging es dann richtig zur Sache: zuerst eine Bo Kata und deren Anwendung, Bunkai genannt. Nach der Bo Kata durfte ich die „Gekisai dai ichi no kata“, die aus Grundbewegungen des goju ryu besteht, lernen. Hokama sensei und seine Schüler haben sich sehr Mühe gegeben, mich in diese Kampfkunst einzuführen. Die zwei Stunden verflogen sehr schnell und ich musste zügig Abschied nehmen, um den letzten Bus nach Naha noch zu erreichen. Um 23:00 war ich dann wieder im Hotelzimmer, wieder mit nassen Füssen, aber dafür um eine wertvolle Erfahrung reicher!

Nun, morgen fliege ich wie oben geschrieben nach Fukuoka und dann mit dem Zug weiter nach Nagasaki, wo ich dann für die nächsten paar Tage sein werden. Morgen beginnt demnach die letzte Etappe meiner Japanreise: die Reise durch Japan mit dem Besuch berühmter Städte. Hier mein Programm für die nächsten drei Wochen: Morgen Nagasaki, dann Hakata, Hiroshima, Kyoto und dann wieder Tokyo für 3 Tage. Am 30. August steht bereits die Heimreise bevor….

Heute Abend gehe ich zum Abschluss nochmals mit David im Yakiniku Restaurant….mmmh!

Alles Gute und bis bald, danke fürs Lesen und schöne Grüsse aus Okinawa!

Martin Bundi, 12-08-2007

#Martin Bundi | 12.08.2007 23:10

Ryukyu Koenigreich und „Taiphoon of steel“

Shurijo

Auf Okinawa gibt es viel zu sehen und zu tun. Die Insel blickt auf eine bewegte Geschichte zurueck. Die Vergangenheit bot sowohl glorreiche wie auch schreckliche, stolze wie auch beschaehmende Zeiten. Okinawa ist heute politisch gesehen eine Praefektur Japans. Dies war nicht immer so. Ab dem 15. Jahrhundert begann Okinawa mit der Etablierung des Ryukyu Koenigreiches ihre eigene, vom japanischen Festland unabhaengige Geschichte zu schreiben. Das Ryukyu Koenigreich war bemueht, mit seinen Nachbarstaaten wie China, Korea, Japan und Suedostasien regen Handel zu treiben. Der Kontakt zu diesen Laendern brachte neben den Gueteraustausch auch einen kulturellen Austausch. In mehr als 450 Jahren regen Handel mit den Laendern China, Japan, Korea usw. bildete sich eine vielschichtige und in dieser Form einmalige Kultur heraus. Erst Kaiser Meiji hat Okinawa im 19. Jahrhundert zu einer japanischen Praefektur gemacht und versucht, die okinawaische Kultur mit der japanischen zu assimilieren, was ihm a
ber nicht gelungen ist.

Das Koenigreich Ryukyu besass zwei Zentren: die Burg von Shuri und der Hafen von Naha. Die Shuri Burg, die auf dem hoechsten Huegel in Shuri gebaut ist, war das politische, administrative und religioese Zentrum des Koenigreiches. Ebenfalls war sie die Plattform fuer den Austausch mit anderen Laendern, denn Gesandte aus den benachbarten Laender wurden in der Shuri Burg empfangen und beherbergt. Wichtige Ereignisse wie z.B die Neujahrsfeier fanden vor den Augen des Koenigs auf der Shuri Burg statt. Die Hochbluete der Burg von Shuri verlief parallel mit der Hochbluete des Handels. Als Zentrum des Handels galt der Hafen von Naha, der von der Shuri Burg aus ueberblickbar war. Hier kamen permanent auslaendische Schiffe an, um ihre Ladungen zu loeschen, und von hier aus brachen Gesandte des Koenigs zu ihren Reisen in ganz Suedostasien auf, um Gueter, aber auch Wissen nach Okinawa zu bringen.

Die Burg von Shuri kam man heute im „Shurijo castle park“ besuchen. Ich war am Sonnatg Nachmittag in Shuri und habe mir das Ganze angeschaut. Die Burg selber wurde immer wieder Opfer von Flammen, wurde aber immer wieder neu aufgebaut. Von der urspruenglichen Burg ist nur noch ein Teil der Grundmauern uebrig geblieben. Ich habe mir viel Zeit genommen, die Erklaerungstafeln zu lesen, weil die Geschichte dieser Burg und damit des Ryukyu Reiches sehr interessant ist. Das innere des Hauptgebaeudes der Burg ist ebenfalls offen fuer Besucher. Sogar den Thron des Koenigs und seine Krone kann man bestaun...

„Taiphoon of steel“

Jetzt moechte ich ueber meinen Ausflug zum „Okinawa Prefectural Peace Memorial Parc“ berichten: Wie der Name bereits sagt, wurde der Park und das Museum nach dem zweiten Weltkrieg als Mahnmal fuer den Frieden und als Erinnerung fuer die vielen im Krieg verstorbenen Menschen gebaut. In Okinawa fanden waehrend des 2. Weltkrieges heftige Gefechte zwischen der japanischen Armee und den alliierten Truppen statt.
Doch anstatt viele Worte darueber zu verlieren, moechte ich an dieser Stelle die Einwohner selber sprechen lassen: Hier das Basiskonzept des Museums, das ich aus dem Museumsprospekt in englischer Sprache vorlegen haben:

„The Basic Concept of the Okinawa Prefectural Peace Memorial Museum

In the late March 1945, a fierce battle such as has rarely been seen in history took place on these islands. The “Typhoon of Steel” that lasted for ninety days disfigured mountains, destroyed much of the cultural legacy, and claimed the precoius lives of upward of 200’000 people. The Battle of Okinawa was the only ground fighting fought on Japanese soil and was also the largest- scale campaign of the Asia- Pacific War. Even countless Okinawan civilians were fully mobilized.
A significant aspect of the Battle of Okinawa was the great loss of civilian life. At more than 100’000, civilian losses far outnumbered the military death toll. Some were blown apart by shells, some finding themselves in a hopeless situation were driven to suicide, some died of starvation, some succumbed to malaria, while others fell victim to the retreating Japanese troops. Under the most desperate and unimaginable circumstances, Okinawans directly experienced the absurdity of war and atrocities it inevitably brings about.
This war experience is at the very core of what is popularly called the “Okinawan Heart”, a resilient, yet strong attitude to life that Okinawan people developed as they struggled against the pressures of many years of U.S. military control.
The “Okinawan Heart” is a human response that respects personal dignity above all else, rejects any acts related to war, and truly cherishes culture, which is a supreme expression of humanity. In order that we may mourn for those who perished during the war, pass on to future generations the historic lessons of the Battle of Okinawa, convey our message to the peoples of the world and thereby contribute to establishing permanent peace, we have hereby established, displaying the whole range of the individual war experiences of the people in this prefecture, the Okinawa Prefectural Peace Memorial Museum.” (Museumsprospekt)

Der Friedenspark kann frei besucht werden. Hier stehen grosse Steinbloecke, auf die die Namen von gefallenen, amerikanischen und japanischen, Soldaten stehen. Die Mitte des Platzes markiert ein Brunnen. An der Spitze dieses Steinbrunnen brennt die „Friedensflamme“. Ein insgesamt schlicht, aber respektvoll gebauter Brunnen. Immer wieder sieht man Menschen, die vor dem Friedensstein, mit Blumen in der Hand, stehen bleiben und beten. Beten in Japan heisst: zuerst verneigt man sich zweimal, dann klatschen man zweimal in die Haende, und verneigen sich dann noch einmal. Erstaunlich viele Kinder und Jugendliche waren zur gleichen Zeit wie ich im Park.

Zum Friedenspark gehoert das Friedensmuseum, das die Anfaenge des Krieges, deren Verlauf und das Kriegsende, zeigt. Durch einen Kopfhoerer leitet eine nette Damenstimme den Besucher durchs Museum. Grosse Aufmerksamkeit in der Ausstellung erhaelt die Kriegsphase, die als „Taiphoon of steel“ bekannt ist. Als „Taiphoon of steel“ bezeichnen die Okinawer die grosse Angriffswelle, die am 10. Oktober 1944, mit der Bombardierung von Okinawa durch rund 1000 amerikanische Bomber, anrollte und ueber 3 Monate andauerte. Zeitzeugen beschreiben diese Zeit als die „Hoelle auf Erden“, wie man es im Museum immer wieder lesen kann. Es wird geschaetzt, dass waehrend dieser 3 Monate rund 6 Mio. Geschosse, von der Luft, zu Land und von der See aus, abgefeuert wurden! Soldaten wie Zivilisten gleichermassen verloren bei diesen fuerchterlichen Gefechten ihr Leben.
Dieser Park hilft mit, diese dunkle Zeit, die so viele Opfer gefordert hat, zu verarbeiten. Hoffen wir, dass die vielen guten Gedanken und Absichten, die mit diesem Park verbunden sind, auch Wirkung zeigen und dass dieser Mahnmal uns vor allem hilft, endlich aus der Geschichte zu lernen...!

Die Burg von Shuri, der Friedenspark und das Friedensmuseum, so finde ich, gehoeren zum Pflichtprogramm fuer jeden Okinawa Besucher.

In den naechsten Tagen moechte ich das Karate und Kobudo dojo von Tetsuhiro Hokama sensei besuchen. Zu diesem dojo gehoert ebenfalls ein Karate Museum, darueber aber mehr im naechsten Eintrag.

Fuer heute bedanke ich mich fuers Lesen und schicke freundliche Gruesse aus Okinawa.

Martin Bundi, 7.08.2007

#Martin Bundi | 07.08.2007 14:03

Okinawa??

Liebe Leserin, lieber Leser

Am letzten Donnerstag bin ich in Naha gelandet. Mein erster Eindruck: Hitze! Mein erster Gedanke: bin ich am richtigen Ort gelandet? Meine erste Feststellung: ja, ich bin tatsaechlich auf Okinawa gelandet...
In gewisser Weise war ich ja vorgewarnt. Takashi san antwortete mir auf die Frage, wie es so auf Okinawa sei, dass man Okinawa als „Hawaii“ von Japan bezeichnen koennte. Hier herrscht grosse Hitze, und auch Palmen sind immer wieder zu sehen. Ein grosser Teil der Menschen hier in Okinawa traegt das typische „Okinawa Hemd“, das gleich aussieht wie das „Hawaii Hemd“, aber eben in Okinawa hergestellt wurde (mit einem speziell schoenen Kragen).
Mein Hotel liegt an der kenchou mae Station, die rund 10 Minuten vom Flughafen entfernt liegt. Masaki san hat fuer mich ein schoenes Hotel in bester Lage ausgesucht. Ganz in der Naehe liegt die beruehmte Kokusai Strasse. Diese 1.6 Kilometer lange „dori“ beherbergt eine Unmenge von Souveniershops, Restaurants und Bars. Hier pulsiert das okinawaische Leben bis spaet in die Nacht hinein.
Beste Voraussetzungen also, um es etwas ruhiger angehen zu lassen und ein bisschen Ferien zu machen. Am Freitag war ich dann auch an einem wunderschoenen Strand, der rund 30 Minuten von kenchou mae entfernt liegt. „Tropical Beach“ hiess er. Ich habe den Tag sehr genossen, vielleicht zu sehr?? Am Abend musste ich die schmerzhafte Nebenwirkung der Strandferien spueren: den Sonnenbrand. Ich war rot wie eine Tomate. Am Abend habe ich jedoch in der Kokusai dori ein „After sun spray“ aus Menthol und Aloe gefunden und mit dessen Hilfe hatte ich dennoch eine erholsame Nacht.

Heute bin ich durch Naha spaziert, um die Umgebung etwas kennen zu lernen. Morgen gehe ich zur Shuri Burg, die das Wahrzeichen des alten Koenigreiches Okinawas war. Auch diese Sehenswuerdigkeit liegt in der Naehe des Hotels. Am Mittwoch wird David Gurtner von Nippon Bern (der ebenfalls unter Masakis Flagge durch Japan reist) nach Okinawa kommen. Ich habe ihn bereits diese Woche im Kodokan getroffen. Zusammen werden wir an einer Bustour teilnehmen, um die vergleichsweise eher kleine Insel kennen zu lernen. So viel fuer den Augenblick. Ich hoffe, nach dem Besuch der Shuri Burg etwas ueber die Geschichte Okinawas berichten zu koennen.

Danke fuers Lesen und noch ein schoenes Wochenende!

Martin Bundi, Okinawa, 4.08.2007

#Martin Bundi | 04.08.2007 23:40

Eintrag

Wie die Zeit doch schnell vergeht. Bald schon geht meine Zeit in Tokyo zu Ende und die Reise durch Japan beginnt. Die letzten Tage waren sehr spannend und lehrreich. Jeden Tag habe ich einen groesseren Ausflug gemacht und dabei eine Menge gesehen und gelernt. Hier eine kurze Beschreibung von dem, was ich erlebt habe:

Lehrreicher Tag in Nikko

Nach der anstrengenden Judowoche ging es in den letzten Tagen etwas ruhiger zu und her. Ich nutze die Zeit vor allem, um beruehmte Orte in Japan zu besuchen. Ich habe fuer diese Woche ein JR Pass, mit dem kann ich, einem GA in der Schweiz aehnlich, im ganzen Land mit den JR Bahnen reisen. Den ersten Ausflug habe ich am Sonntag gemacht, und zwar nach Nikko. Nikko liegt rund 70 Minuten von Tokyo entfernt in den japanischen Bergen. Zum ersten Mal habe ich am Sonntag die Shinkansen, die Hochgeschwindigkeitsbahn, benutzt. Der Einstieg in die Shinkansen hat mich sehr am Einstieg in einem Flugzeug erinnert: Die Sitze sind gleich angeordnet, es herrscht einen gewissen Platzmangel und eine Lueftung laeuft auf Hochtouren….Und natuerlich ging es „Tempo Teufel“ in Richtung Nikko.

Nun, Nikko gehoert, wie z.B Kamakura, zu den Hauptattraktionen fuer Touristen und Einheimischen gleichermassen. Nikko ist vor allem mit dem Shogun Ieyasu Tokugawa verbunden. Mit diesem Mann begann die Tokugawa Periode (auch Edo-Periode genannt), die von 1603 bis 1867 dauerte. Diese historische Stadt hat eine Menge zu bieten: Schreine, Tempel, Pagoden, Mausoleum usw. Die Tempel von Nikko wurden im Jahre 766 erbaut, und sind bis heute sehr gut erhalten. Der „Toshogu Schrein“, der groesste und praechtigste Schrein in Nikko, ist Tokugawa Ieyasu gewidmet. Dass diese Tempel fuer das Land von grosser Bedeutung sind, sieht man an den Besucherstrom; viele Schulklassen waren am Sonntag vor Ort, vor jedem Tempel Halt machend um die Worte eines Fuehrers zu hoeren. Und wie man die Japaner ja kennt, war jeder mit mind. einer Kamera bewaffnet.

Besonders interessant ist das Wahrzeichen von Nikko: es sind drei Figuren, die an der Aussenwand des heiligen Pferdestalls von Nikko zu finden sind. Es sind dies die beruehmten drei Affen; die eine deckt die Augen mit ihren Haenden zu, die andere ihre Ohren und die dritte ihren Mund. Sie sind auch bekannt, als die Affen, die nichts (boeses) sehen, nichts (boeses) hoeren und nichts (boeses) reden. Auch im Westen kennt man diese Figuren, jedoch haben sie, wie viele aus dem Osten importierten Sachen, einen Bedeutungswechsel durchgemacht. In Japan haben sie eine positive Bedeutung und wurden durch eine buddhistische Lehre „erfunden“. Sie bedeuten soviel wie „weise ueber Boeses hinwegsehen“. Im Westen haben sie zumeist eine negative Bedeutung, z.B. gibt es Satiriker, die „mangelnde Zivilcourage“ mit dem Bild der drei Affen darstellen („nichts sehen, hoeren und sagen wollen“ blind, taub und stumm im Bezug auf den Mitmenschen sein usw.) Japanische Jugendliche tragen kleine A
ffenfiguren als Gluecksbringer.

Iwama- Geburtsort des Aikido

Am Montag hat es den ganzen Tag in Stroemen geregnet. Trotzdem habe ich mich entschlossen, die Reise nach Iwama auf mich zu nehmen. Iwama liegt in der Ibaraki Praefektur und mit dem Zug in rund 2 Stunden zu erreichen. Der Begruender des Aikido, Morihei Ueshiba O sensei hat sich nach dem 2. Weltkrieg an diesem Ort zurueckgezogen, um sein Aikido zu vervollkommnen. Er baute den Aiki jinja (Aikido Schrein) und ein Dojo, das zumeist als Iwama oder Ibaraki dojo bekannt ist. Nach dem Tod von O sensei hat sein engster Schueler, Morihiro Saito sensei die Leitung des dojo uebernommen. Er hat das von O sensei Gelernte systematisiert und diesen Stil als die „Schule von Iwama“ (Iwama ryu) bezeichnet. Jahrzehntelang hat Saito sensei in Iwama japanische wie auch nicht japanische Aikidoka ausgebildet. Legendaer waren seine Uchi deshi Programme; als uchi deshi (Hausschueler) lebt man im dojo, trainiert taeglich und ist fuer den Unterhalt des dojos zustaendig. In Iwama war und ist das Leben der St
udenten einfach. Sie haben einen Schlafzimmer zur Vefuegung, eine einfache gemeinsame Kueche und einfachste sanitaere Anlagen. Mein Aikidolehrer in der Schweiz, Deben Graupner vom Aikido Bodensee, hat ebenfalls in Iwama unter Saito sensei studiert. Von seinen Berichten und Erlebnissen in Iwama war ich seit ich mit Aikido angefangen habe, begeistert. Als ich am Montag in Iwama war, ist sozusagen ein lang gehegter Traum in Erfuellung gegangen. Zweifelsohne moechte ich behaupten, dass das Iwama dojo das schoenste und eindruecklichste dojo ist, das ich je gesehen habe. Das alte Gebaeude steht immer noch so wie zu O senseis Zeiten. Und trotzdem hat es sehr viele, bekannte Aikidokas nach Iwama gezogen, um am Gruendungsort zu trainieren. Die Atmosphaere im dojo, aber auch rund um das dojo, ist wirklich sehr speziell: ruhig, abgeschieden, aber trotzdem sehr kraftvoll und authentisch! O sensei hat mit seinem Aikido den Menschen einen Weg zu einer friedvolleren Welt gezeigt. Dieser Weg beginn
t damit, dass man zuerst den Frieden mit sich selber findet; und der Iwama dojo, so glaube ich, ist ein Ort, an dem man zu diesen Frieden finden ka...Ein besonderer Ort, der mich tief beeindruckt hat.

Zur aktuellen Situation des Aikido in Iwama

Nach Morihiro Saitos Tod hat sich die Iwama ryu Szene aufgeteilt. Es gibt keine einheitliche Fuehrung mehr. Saitos Sohn Hitohiro sensei hat seinen eigenen Stil gegruendet (shin shin aiki shuren kai) und ein Dojo direkt neben den Iwama dojo gebaut. Die Leitung des Iwama dojo hat nun das Aikikai unter Doshu Moriteru Ueshiba uebernommen. Das Training in Iwama wird aber weitergefuehrt. Taeglich findet morgens um 06:00-07:00 eine Stunde Waffentraining und abends um 19:00- 20:00 ein normales Training statt. Das Training wird geleitet von Aikikai Lehrer. Der Doshu kommt ca. 1 Mal im Monat nach Iwama um zu unterrichten. Die Lehrer sind allesamt hochgraduierte Aikido Meister, darunter sind auch solche, die unter o sensei trainiert haben. Zu meiner Ueberraschug habe ich in Iwama zwei Uchi deshi angetroffen. Ich hatte eine lange Unterhaltung mit ihnen und sie konnten mir viele Fragen beantworten. Das Uchi deshi Programm wird also weitergefuehrt, was mich sehr gefreut hat.

Ja, das war mein Bericht fuer heute. Im naechsten Bericht werde ich kurz ueber den Asakusa Ausflug und dann bereits von Okinawa berichten.

Fuer heute wuensche ich meinen Landsleuten eine wunderschoene 1. August Feier!

Ich bedanke mich fuers Lesen und verbleibe mit freundlichen Gruessen

Martin Bundi, 01.08.2007

#Martin Bundi | 01.08.2007 11:55