Was fuer eine Woche!! Eine Woche lang 6 Stunden taeglich Judo vom Feinsten. Am Montag morgen um 09:30 eroeffnete der Praesident der International Judo Federation mit einer kurzen Ansprache das 2 Kodokan Sommerlager in diesem Jahr. Sehr viele Judokas haben teilgenommen, ich schaetze rund 150 bis 200 Stueck. Davon waren nur rund 15 Auslaender, einige Amerikaner, ein Australier, 2 Englaender, ca. 10 Russen und zwei Schweizer (Thomas Koch vom Nippon Bern und ich). 3 verschiedene Gruppen wurden daraufhin gebildet; die Dan Traeger waren Gruppe a, Jugendliche bis 1. kyu Gruppe b und die Kinder und Schueler waren Gruppe c. Ich habe mit der Gruppe b im 6. Stockwerk, im sogenannten "international dojo" trainiert. Gelehrt wurde vor allem die Grundschule des kodokan Judo: Schritte, Koerperdrehungen, Kuzushi Formen (wie man ein Partner aus dem Gleichgewicht bringt) usw. Zudem wurde lange und ausfuehrlich an die Falltechnik gefeilt. Montag, Dienstag und Wittwoch standen Wurftechniken auf dem Programm. Ein grosser Vorteil des Kodokan Judo ist, dass es klar strukturiert ist. Jeder Wurf wird einem Oberbegriff zugeordnet; bei den Wurftechniken gibt es z.B die Hueftwuerfe, die Fusswuerfe usw. Diese Klassifizierung zu verstehen, ist sehr wichtig und zudem nuetzlich, um sich die Hauptmerkmale der Wuerfe zu merken...
Jede Trainingseinheit wurde mit Randori Training beendet. Diese waren ziemlich schweisstreibend, immerhin war ich mit jungen japanischen Studenten zusammen, die ziemlich viel Energie hatten...
Die letzten zwei Tage dann Bodentechniken aller Art und Randori. Als Abschluss am Freitagnachmittag gab es ein kleines Turnier innerhalb der Gruppen. Es war eigentlich kein richtiges Turnier: jeder hatte nur einen Kampf, aber eben mit Schiedsrichter, Kampfrichtertisch und all diesen Sachen. Meinen Kampf gewann ich mit einer Hebeltechnik am Boden gegen einen juengeren Gegner...
Insgesamt also eine laessige, lehrreiche, anstrengende und unvergessliche Woche...
Auch im Ryokan fuehle ich mich wohl. Obwohl es waehrend der Nacht sehr hell im Raum ist, habe ich praechtig geschlafen (lag dies vielleicht am Judo...?:-) ) Gewoehnungsbeduerftig ist die Tatsache, dass in Japan die Tische traditionell sehr tief sind. Um sich am Tisch zu setzen ,setzt man sich eben am Boden. Stuehle gibt es keine im Ryokan. Zum Schreiben, Essen(das Fruehstueck wird im Zimmer serviert), usw. muss man im Schneidersitz sitzen, fuer die langen europaeischen Beine nicht immer eine wahre Freude...Aber die Erfahrung ist es wert!
Wie gehts nun weiter...
Heute gehe ich die Aokis besuchen, morgen gehe ich nach Nikko, wo sich einige Sehenswuerdigkeiten, die zum UNESCO Weltkulturerbe gehoeren, zu sehen sind. Am Montag ein Ausflug nach Iwama, Dienstag nach Asakusa und Ueno Museum (Zen Ausstellung), am Mittwoch Pause und Vorbereitungen fuer den Abflug nach Okinawa am Donnerstag...
Ich melde mich also in ein paar Tagen wieder, vielen Dank fuers Lesen und bis bald..
Martin Bundi, 28.07.2007
Heute morgen habe ich von Familie Aoki Abschied genommen und bin nach Tokyo gefahren. Takashi san hat mich bis im Zug begleitet und wir haben mit einer tiefen Verbeugung voneinander Abschied genommen. Ich werde die Aokis am naechsten Samstag bereits wieder besuchen, und Mayumi san wird bei dieser Gelegenheit meine Judo gis und Kleidung waschen. Die Judogis werde ich dann per Post nach Hause schicken, damit ich fuer den Rest meiner Reise weniger Gepaeck habe. Mayumi san hat bereits eine Schachtel geholt, mit der ich die Sachen schicken kann...Nach Okinawa kann ich Dank den Aokis mit frischer Kleidung und etwas weniger Gepaeck fliegen.
Das Ryokan, in das ich fuer die naechsten 2 Wochen untergebracht bin, liegt ungefaehr 8 Minuten vom Kodokan Judo Canter entfernt, also beste Voraussetzungen um naechste Woche voll aufs Training konzentrieren zu koennen. Beim Betreten des Ryokan hat man das Gefuehl, um 100 Jahre zurueckversetzt zu sein. Im altjapanischen Stil gebaut, bietet es eine eindruekliche und ehrwuerdige Atmosphaere. Die dunkle Holzfarbe der Inneneinrichtung faellt besonders auf. Die Zimmer sind schlicht, mit Tatami am Boden eingerichtet. In der Mitte steht ein kleiner Tisch mit Sitzkissen, daneben die Teekanne und Gruenteebeutel. Das Bett, so hat die aeltere Dame, die das Ryokan fuehrt, erklaert, wird jeweils am Abend hergerichtet. Kissen und Decke sind in einem Schrank verstaut. Es scheint, als haette ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Hotelzimmer ohne Bett gebucht...:-)
Toilette, Waschbecken und Duschen befinden sich nicht im Zimmer, sondern sind separat eingerichtet. Mehr ueber den "Lebensstil" in einem Ryokan schreibe ich dann naechste Woche...
Diese Zeilen schreibe ich in einem Internet Cafe in Jimbocho, 2 Stationen von Kasuga entfernt. 10 minuten surfen kosten hier 100 Yen (CHF 1.-)
Morgen besuche ich weitere grosse Attraktion in Sachen Budo. Im Nippon Budokan findet morgen ein "All Japan childrens Aikido Training" statt. Das Nippon Budokan ist sozusagen das Stadion der Budokuenste. Hier werden grosse Turnier oder grosse Kampfkunstdemonstrationen durchgefuehrt. Oder, wie z.B letzte Woche, Rockkonzerte organisiert. Letzte Woche hatte die amerikanische Gruppe "Guns and roses" ihren Auftritt.
Ja, fuer heute mache ich mir einen gemuetlichen Abend in Kasuga und Umgebung mit grosser Vorfreude auf die kommende Zeit...
Ich bedanke mich fuers Lesen und schicke die besten Gruesse!
Martin Bundi, 21.07.2007
Guten Tag
Wie geht’s nun weiter? Diese Woche beende ich die Sprachschule und verlasse somit auch die Gastfamilie. Ab nächste Woche beginnt das zweite Kapitel meiner Japanreise. Auf mich allein gestellt, bereise ich das Land. Für heute steht das letzte Training im Aikikai an, morgen Abend dann wahrscheinlich ein Abschiedsessen und am Samstag nehme ich meine sieben Sachen und gehe nach Tokyo in einem Hotel. Genauer gesagt in einem Ryokan. Ein Ryokan ist ein traditionelles japanisches Hotel. Am Montag der nächsten Woche beginnt im Kodokan ein „Sommerlager“, das „Judo summer technic course“ heisst. Dieser dauert eine Woche, jeweils vor- und nachmittags. Naechste Woche wird also eine anstrengende Judowoche. Ich freue mich darauf. Nach dieser Woche bin ich noch für ca. 5 Tage in Tokyo und habe Zeit für mich, ohne Verpflichtungen. In diesen Tagen möchte ich gewisse Sache in Tokyo besichtigen, wie z.B der Asakusa Kannon Tempel, Tokyo tower, Ginza, Ueno usw. Auch habe ich einen Ausflug nach Iwama geplant, zum Geburtsort des Aikido. Morihei Ueshiba hat im legendären Iwama Dojo jahrzehnte lang unterrichtet und das Aiki Jinjia dort gebaut. Mehr dazu sicherlich später…
Ab nächste Woche bin ich abhängig von Internet caffés, wenn ich meine Eintraege aufschalten moechte. Nächste Woche während des Judolagers werde ich keine Eintraege schreiben. Sobald das Sommerlager vorbei ist, melde ich mich wieder um darueber zu berichten. Und selbstverstaendlich dann auch ueber die Ausfluege in der Woche nach dem Judolager.
Nun, eine schoene Zeit bei Familie Aoki geht Morgen bzw. Uebermorgen zu Ende. Ich werde sie in sehr guter Erinnerung behalten und versuchen, den Kontakt zu behalten.
Kurz zum Wetter: Der Taifun ist Geschichte und das Wetter wieder ganz im Zeichen der Regenzeit: Regen und Hitze. Der Taifun und das Erdbeben haben grosse Schaeden waehrend nur kurzer Zeit angerichtet. Hier in Tokyo erlebt man jedoch keinen Ausnahmezustand, sondern normaler Alltag... Gewoehnungssache? Ignoranz? Trauer als Privatsache? Auf die Frage nach dem Warum, erhalte ich meistens die Antwort: Dies sei eben Japan, („nihon desu kara")...
Nun moechte ich mich wieder bei meinen Lesern fuers Lesen bedanken und verabschiede mich in die Judowoche!! Bis bald
Martin Bundi, 19-07-2007
Leider hat der wuetende Taifun den geplanten Ausflug zum Fuji san verhindert. Der Taifun zog von Samstagnachmittag bis am Sonntagmorgen ueber Tokyo und brachte neben stuermischen Winden eine ganze Menge Regen mit sich. Jetzt ist er weitergezogen und der Himmel tut sich langsam auf.
Heute morgen um 10:10 dann die naechste Laune der Natur: Ein starkes Erdbeben der Staerke 6.8 ereignete sich in der Praefektur Niigata (noerdlich von Tokyo). In dieser Gegend kam es zu grossen Schaeden. Im Fernsehen sind eingestuerze Haueser, zerstoerte Mauern, Erdrutsche und einige leicht verwuestete Supermaerkte zu sehen. Laut schweizer Medien ist sogar ein Brand in einem AKW ausgebrochen. Ich habe das Beben nur leicht gespuert; ich war noch am Schlafen, denn heute ist ja schulfrei. Wer in Japan leben moechte, muss lernen, mit den Launen der Natur zurechtzukommen…
Ich weiss nicht, ob sich noch eine Gelegenheit ergibt, zum Fuji san zu reisen. Und falls nicht, ist es auch nicht so schlimm, schliesslich wird dies nicht meine letzte Japanreise gewesen sein.
Wegen dem Aikido Training bei Doshu Moriteru Ueshiba: Ich habe ganz vergessen, darueber zu schreiben... Sorry. Es ist aber so, dass der Doshu zurzeit gar nicht im Aikikai weilt, und seine Trainings daher von Stellvertretern gefuehrt werden. Fuer das Training am Freitagabend z.B ist Miyamoto Sensei, 7. Dan, verantwortlich. Wahrscheinlich ist der Doshu irgendwo auf dieser Welt, um Seminare zu geben. Ich hoffe sehr, dass ich ihn noch in Japan erleben werde…
Hier noch meine E-mail Adresse, falls mich jemand kontakrieren moechte (Fragen, Kritik etc.)
Ja, soweit zum Geschehen hier in Japan. Wegen dem Wetter verbrachte ich die letzten Tage Zuhause. Fuer touristische Aktivitaeten waere es zu gefaehrlich und auch zu nass gewesen... Ich wuenschen eine schoene Woche und verbleibe mit den besten Gruessen! Der naechste Eintrag folgt in ein paar Tagen!
Martin Bundi, 16.07.2007
Guten Abend
Das Konzert in Ikebukuro war wunderschoen. Die Sinfonie war sehr abwechslungsreich, angefangen hat sie mit leiser und schwerer Musik, und geendet hat sie eher froehlich und laut. Das Orchester bekam am Schluss dann auch einen lang anhaltenden Applaus. Einfach nur empfehlenswert, solche Konzerte!
Gastfamilie und ich
Wie schon frueher geschrieben, habe ich zurzeit am Nachmittag Schule. Am morgen kann ich nun etwas laenger schlafen und brauche so nicht waehrend der Rush Hour nach Kudanshita zu fahren. Nach der Schule gehe ich dann meistens zum Aikikai, und bin ungefaehr um 22:00 zu Hause. Und an dieser Stelle einige Worte zu meiner Gastfamilie: Mehr und mehr merke ich naemlich, dass ich bezueglich Gastfamilie grosses Glueck gehabt habe. Immer wieder hoere ich von Mitschuelern, dass es Probleme mit der Gastfamilie gibt. Ein heisses Eisen ist z.B die abendliche Sperrstunde. Von der Schule erwuenscht und von vielen Familien verlangt, ist diese um 21:00 angesetzt. Waere das bei meiner Familie so, koennte ich an keinem Training mehr teilnehmen und haette auch nicht zum Konzert gehen koennen. Familie Aoki nimmt dies ein bisschen lockerer; ich habe ein Hausschluessel bekommen und darf frei entscheiden, wann ich nach Hause kommen will. Bis 17:00 kann ich nach Hause mailen, ob ich zum Nachtessen da bin oder nicht. So habe ich die Moeglichkeit, nach dem Training noch gemuetlich etwas zu Essen und Tokyo bei Nacht zu geniessen.
Es ist wohl mein Glueck, dass Hitomi san zwei Jahre in Neuseeland war und dort ebenfalls bei einer Gastfamilie gewohnt hat. Wie sie mir erzaehlt hat, musste sie immer wieder die Familie wechseln, weil es Probleme gab. Wohl aus diesem Grund sind die Aokis stets darauf bedacht, eine gute Gastfamilie zu sein. Mayumi san kocht sehr gut und abwechslungsreich, laedt immer wieder zum Essen im Restaurant ein und ueberhaupt, ist stets um das Wohl ihrer Studenten besorgt. Praktisch taeglich laeuft die Waschmaschine, so dass die Waesche spaetestens nach zwei Tagen gemacht ist.
Takashi san ist ein typischer japanischer Geschaeftsmann, ein „kaishain“, wie man ihn hier nennen wuerde. Er hat eine geregelte Arbeitszeit, traegt taeglich Anzug und Krawatte, hat einen kleinen schwarzen Business Koffer und eine perfekte Frisur. Er ist eher ein ruhiger, ausgeglichener Mensch. Er ist stets hoeflich und darum bemueht, die japanische Etikette zu wahren. Von seinem „Denken“ her koennte man ihn eher als traditionell gesinnt einstufen, und waere da nicht der weltoffene Einfluss von Mayumi san und Tochter Hitomi san, waere er wohl auch verschlossener als er bereits schon ist. Es waere interessant, mit ihm fliessend kommunizieren zu koennen, um die alte japanische „Art“ zu erfahren...
Wetter
Das Wetter ist zurzeit eher muehsam. Es ist Regenzeit. Hitze, Regen und hohe Luftfeuchtigkeit jeden Tag, eine eher muehsame Kombination. Zusaetzlich wuetet zurzeit ein Taifun ueber Okinawa, der uebers Wochenende das Festland und somit Tokyo erreichen wird. Ab Sonntag soll der Spuk dann vorbei sein und wir koennen (Fam. Aoki und ich) getrost zum Fuji san fahren. Geplant ist naemlich Camping und grillieren am Fusse des Fuji san. Am Montag ist dann schulfrei. Also, ab zum Fuji san.... Ich melde mich wieder anfangs naechster Woche, und berichte dann ueber diesen Ausflug.
Schoene Zeit und danke fuers Lesen.
Martin Bundi, 12.07.2007
Guten Abend
Zuerst habe ich eine Ergaenzung zum letzten Eintrag: Im zweitletzten Abschnitt ist ein Fehler eingeschliechen: Der Satz muss folgendermassen lauten: „Interessant ist, dass es in Japan immer noch eine alte, ganz eigene Zeitrechnung gibt.“... Ansonsten macht dieser Satz wenig Sinn. Ich entschuldige mich fuer diesen Fehler.
Ich konnte diesen Bericht am Sonntag nicht mehr fertig schreiben, deshalb erscheint er erst heute. Es war ziemlich viel los hier uebers Wochenende. Hier also mein Bericht:
Auf Spurensuche in Ueno
Es gibt mehrere Gruende, warum ich am letzten Samstag nach Tokyo Ueno ging. Einerseits gehoert Ueno zu den grossen Zentren der Stadt, wie Shibuya oder Shinjuku; Ueno ist beruehmt fuer seinen Park, der nicht nur schoen ist (eine gruene Oase mitten in der Grossstadt) sondern auch kulturell vieles zu bieten hat. Hier findet man die grossen Museen von Tokyo, wie z.B: das Ueno Royal Museum, Tokyo National Museum, National Science Museum, National Museum of Western Art u.a. Ich habe das Ueno Royal Museum besucht, der zurzeit eine Ausstellung eines chinesischen Kuenstlers Namens „chu teh chun“ zeigt. Seine Bilder sind sehr farbig und die Art der Pinselfuehrung suggeriert, dass der Kuenstler ebenfalls ein begnadeter Kalligraph ist… Einige seiner Kalligraphien sind ebenfalls ausgestellt. Ich moechte am Ende dieses Monates nochmals nach Uneo gehen, dann naemlich wenn die Ausstellung ueber Zen Buddhismus im Tokyo National Museum beginnt.
Noch beruehmter als die Museen ist aber wahrscheinlich der Ueno Zoo. Er ist der aelteste Zoo Japans und hat als Attraktion einen ausgewachsenen Panda Baeren zu bieten (ein Geschenk der Chinesen). Im Zoo war ich jedoch nicht, vielleicht ja beim naechsten Mal. Wie der Titel des Beitrages sagt, war ich in Ueno auf Spurensuche. Ich habe den eisho ji Tempel gesucht, der Ort, wo Jigoro Kano das Kodokan Judo gruendete. Der eisho ji war sozusagen das erste offizielle Judo Dojo. Es gibt nur wenige Bilder (schwarzweiss) vom alten eisho ji Tempel, die den Eingang des Tempels zeigen. Ich wusste also den Namen des Tempels und hatte ein altes Fotos vom Eingang des Tempels, und so ging ich nach Ueno. Hitomi san, die Tochter der Familie, hatte im Internet herausgefunden, dass der eisho ji in der Naehe der Station Uguisudani steht, die unmittelbar vor Ueno liegt. Und ich habe den Tempel gefunden…falls es der richtige ist. Er hiess auf jeden Fall eisho ji und nach dem schwarzweissen Bild zu urteilen, koennte es der gesuchte Tempel sein. Die Tempelanlage ist relativ gross und unterhaelt neben den Tempelanlagen auch einen Friedhof. Meister Kano hat im Jahre 1882 bei diesem Tempel das „Kodokan Judo“ gegruendet. Er nannte das Dojo „Kodokan“ (der Ort zum Studium des Weges).)Wohl aus Platzmangel hat Meister Kano bereits im Jahre 1883 mit dem Kodokan gezuegelt. Im Verlauf der Geschichte musste das Kodokan Dojo immer wieder zueglen, bis es schliesslich am jetzigen Ort in Kasuga heimisch geworden ist. Das jetzige Kodokan wurde dann im Jahre 1958 (also 20 Jahre nach Meister Kanos Tod) bezogen und im Jahre 1984 als „International Judo Center“ eingeweiht. Ich werde naechstens abklaeren, ob ich am richtigen Ort war oder nicht, und werde dann selbstverstaendlich hier Bericht ertsatten. Und jetzt zum Sonnatg:
Kamakura, alte Hauptstadt
Ja, in Kamakura war ich am Sonntag. Kamakura ist ein touristischer „hotspot“, den man einfach besucht haben muss. Ich ging zusammen mit Takashi san und den anderen Studenten, die bei der Familie wohnen. Kamakura liegt direkt an der Kueste und rund 45 Minuten entfernt von Tsuruma. Die erste Station der Besichtigung war dann auch die grosse, bronzene Buddhastatue von Kamakura, die „daibutsu“ genannt wird (grosse Buddhastatue). Eine sehr schoene und eindruekliche Statue. Sie wurde urspruenglich ein einem Tempel erbaut, der wurde jedoch im Verlauf der Zeit zerstoert. Erbaut wurde die Statue im Jahre 1252. Sie ist 13.35 Meter hoch und wiegt 121 Tonnen. Man sieht diese beruehmte Statue auf vielen Postkarten und auch immer wieder im Fernsehen. Die zweite Station war dann der Kannon Tempel. An einem Berghang und umhuellt von grossen Baeumen befinden sich mehrere groessere und kleinere Tempel. Die goldene Statue des Kannon Buddha ist die groesste und auch die schoenste in Kamakura city, wie dieser Tempelkomplex auch genannt wird. Auf schmalen Wegen gelangt man von Tempel zu Tempel. Die Wege sind rund um geschmueckt mit wunderschoenen, blauen Blumen, die um diese Zeit praechtig gedeihen und dazu noch gut riechen. Rund 2 Stunden haben wir bei diesen Tempeln verbracht und die stille und wuerdevolle Atmosphaere genossen.
Und hier noch einige Angaben zur Stadt Kamakura. Die Zeit ab 1192 in Japan wird als Kamakura Periode bezeichnet, da Kamakura die Hauptstadt dieser Zeit war. Die Erfolgsgeschichte der Stadt ist vor allem mit der Familie Minamoto verbunden. Im Jahre 1185 etablierte Minamoto die Basis fuer das Feudalsystem, das nunmehr von den Samurai als oberste Kriegerkaste beherrscht wurde. Die Kamakura Periode dauerte 150 Jahren. Kamakura entwickelte sich in dieser Zeit nicht nur zur politischen, sondern auch zur kulturellen Hauptstadt. Viele Tempel und Schreine wurden erbaut durch den regen Austausch mit der religioesen chinesischen Kultur. Die Stadt ist bis heute gut erhalten. Doch hat die Modernitaet auch diesen Ort eingeholt. Gleich neben den Tempeln findet man Einkaufsstrassen und Restaurants in Fuelle.
Fuer diese Woche stehen noch einige Sachen an, auf die ich mich sehr freue, am Dienstag werde ich nach Ikebukuro an einem Konzert gehen und die 9. Sinfonie von Gustav Mahler, gespielt von tokyoter Philharmonie Orchester anhoeren. Am Wochenende ist dann ein Ausflug zum Fuji san geplant. Es wird dann bereits mein letztes Wochenende bei Familie Aoki sein…
Vielen Dank fuers Lesen und eine schoenen Woche
Ich moechte Andreas und Hannes Meier noch zum heutigen Geburtstag gratulieren! Alles Gute und gute Gesundheit und mit den besten Gruessen aus Japan!
Martin Bundi, 9.Juli 2007
Erdbebengefahr in Japan
Dass Japan eine Inselkette ist, ist sicherlich allen bekannt. Und dass es immer
wieder in Japan und Umgebung zu schweren Erdbeben kommt, wohl auch. Im Jahre 1995
z.B hat ein grosses Erbeben bei Kobe (7.3 auf der Richterskala) rund 6400 Menschen
das Leben gekostet und runf 40000 verletzt. Alljaehrlich bebt die Erde mehrere
dutzend Male in Japan. Am letzten Montag hat die Schulleitung fuer alle Studenten
ein Spezialprogramm offeriert, naemlich einen Nachmittag lang den Ernstfall zu
ueben. Ziel des Nachmittages war, den Studenten ueber die Gefahr von Erbeben
aufzuklaeren und verschiedene Verhaltensregeln und Vorsichtsmassnahmen fuer den
Ernstfall aufzuzeigen. Der Nachmittag war sehr informativ und Dank den Simulatoren
auch sehr amuesant. Z.B gab es einen Raum, in dem ein Erdbeben simuliert wurde;
Sobald wir das Beben spuerten, musste jeder etwas Weiches (als Kopfschutz) suchen
und unter einem Tisch kriechen…
Kaiser Meiji; Wegbereiter der Modernisierung Japans
Zwischen Omote sando und Harajuku, in einem Wald von prachtigen Baeumen versteckt
und von aussergewoehnlich schoenen Gaerten umgeben, steht der Meiji jingu, ein
Tempel, der Kaiser Meiji und seiner Frau gewidmet ist. Kaiser Meiji spielt fuer die
neuere Geschichte Japans eine zentrale Rolle: Er regierte von 1868 bis 1912 und hat
die Weichen fuer die Modernisierung des Landes gestellt. Kaiser Meiji hat mit seiner
Politik den damals in Japan herrschenden Feudalismus abgeschafft, den letzten
Tokugawa Shogun abgesetzt, dem Land eine Verfassung gegeben, ein Parlament
einberufen und so eine konstitutionelle Monarchie eingefuehrt. Ebenfalls hat er die
Hauptstadt von Kyoto nach Edo verlegt (das heutige Tokyo). Diese Ereignisse werden
als die „Meiji Revolution“ bezeichnet; das Resultat dieser Revolution war dann
schliesslich die Entstehung einer modernen, imperialen Grossmacht. Wirtschaft und
Militaer wurden stark gefoerdert, durch das Herstellen von Handelsbeziehungen
mittels „diplomatische Missionen“ nach Europa und Amerika und mit der Einfuhr von westlichen
Militaerexperten. In dieser Zeit fanden auch die japanischen Krieger, die Samurai,
ihren Ende. Die „bushi“, mit ihrem Ehrenkodex und mit ihrer „veralteten“
Schwertkampskunst hatten in diesem westlich orientierten Japan keinen Platz mehr.
Heutzutage hat der Kaiser von Japan keine politische Macht mehr. Rechtlich gesehen
ist er auch kein Staatsoberhaupt. Sein Amt ist heute lediglich zeremonieller Natur.
Er wird auch als "Symbol des Staates und der Einheit des japanischen Volkes"
bezeichnet. Nichtsdestotrotz geniesst er ein sehr hohes Ansehen. Der Kaiser
bekleidet auch die Funktion als hoechster Shinto Priester im Land. Interessant ist,
dass es in Japan immer noch eine Zeitrechnung gibt. Die heisst „Nengo“ (Jahreszahl)
und ist nach den Tennoperioden bestimmt, d.h. welcher Kaiser in welcher Zeit auf den
Thron war oder ist. Der jetzige Kaiser Akihito wurde im Jahre 1989 zum Kaiser
gekroent und man hat fuer die Zeit seiner Regentschaft den Namen „heisei“ (hei
bedeutet Frieden und sei bedeutet werden) bestimmt. Das Jahr 1989 war heisei 1, 2007
ist demnach heisei 19.
Eine interessante Geschichte, bedenkt man doch, dass Japan heute eine der fuehrenden
Industrienationen ist. Es gaebe sicherlich noch Vieles darueber zu schreiben, fuer
heute moechte ich hier mal abschliessen. Heute steht noch ein Katakana Test bevor
und Aikido am Abend. Morgen dann der Hoehepunkt der Woche, das Abendtraining bei
Doshu Moriteru Ueshiba. Dieser wird dann wohl auch das Tagebuch furs Wochenende
fuellen. Bis dann!
Vielen Dank fuers Lesen und herzlichen Gruss an alle!
Martin Bundi, 5. Juli heisei 19.
Gaumenfreuden nach japanischer Art
Am Samstagabend durfte ich etwas sehr Feines geniessen: ich wurde von Familie Aoki zu einem „yakiniku“ Nachtessen eingeladen, was bei uns in etwa „inside barbecue" heissen wuerde. Man sitzt in einem Restaurant und der Grill ist im Tisch eingebaut. Diese Art von grillieren ist sehr gemuetlich und sollte bei uns auch eingefuehrt werden! Zum Fleisch gab es natuerlich eine Schale Reis, wie jeden Tag bei jeder Mahlzeit.
Kodokan Museum
Der 2. Stock des Kodokan Hauptgebaeudes beherbergt das Judo Museum, eine Bibliothek, mehrere Studienraeume und eine „Hall of fame“. Das schoen gestaltete Museum zeigt die Geschichte des Kodokans chronologisch anhand von alten Photos, Handschriften, Bildern und Texten. Hier findet man viele Informationen, die mit der Entstehung des Judo zu tun haben. Dazu gehoeren auch Erklaerungen zu den jujutsu Stilen, die Meister Kano vor der Gruendung des „Kodokan Judo“ studierte. Beruehmt ist auch die alte und voellig zerzauste Judogi Jacke von Shiro Saigo, die auch ausgestellt ist. Auch stehen im Museum viele Originalschriften von Prof. Jigoro Kano. Beim Eingang des Museums z.B haengt eine Kalligraphie von Kano mit den folgenden Kanji: „jun do sei sho“. Die englische Uebersetzung dazu lautet: „Follow a reasonable path to win“. Die wohl bedeutendsten und wertvollsten Objekte des Museums sind die zwei Kalligraphien von Meister Kano der zwei Judoprinzipien, die er formulierte. Diese Schriftrollen haben einen besonders schoenen Platz und stehen links und rechts von einem Oelportrait von Kano. Die Kalligraphien sind von vollendeter Schoenheit und sind fuer das Studium des Judo von groesster Bedeutung. Die zwei Prinzipien lauten: „Sei ryoku sen yo“ und „Ji ta kyo ei“. Auf Deutsch uebersetzt man sie mit: „Bestmoeglicher Gebrauch der Energie“ und „Gemeinsames Gedeihen“. Diese Prinzipien formulierte Kano als Axiome seiner Kampfkunst, darauf baute er seine Lehre, seine Techniken, Katas usw. auf. Es ist erstaunlich und beeindruckend, welch grosse Rolle die zwei Prinzipien im Kodokan spielen. Man findet sie ueberall, im Souveniershop, im Museum, im Dojo, in Fachbuechern usw. Ausfuehrliche Erklaerungen zu den Prinzipien von Kano selber kann man in einer englischen Uebersetzung nachlesen, „Mind over muscle, writings from the founder of Judo“ heisst das Buch mit rund 150 Seiten. Wenn man es liest, hat man das Gefuehl, nahe am Kerngedanken des Judo vorzudringen. Nach 8 recht intensiven Jahren Judotraining oeffnet sich nun hier im Kodokan fuer mich langsam die Tuere zum wirklichen, absolut authentischen Judo. (Uebrigens: am 17. November 2007 findet im Dojo Disentis ein Kurs mit Oliver Paganini, 4. Dan Judo, anlaesslich der Einweihung von 2 Kalligraphien der Judoprinzipien statt. Von hier aus herzliche Einladung an alle Interessierten!!)
Es gibt noch eine andere Kalligraphie im Museum, die mich sehr tief beeindruckt hat. Es ist dies eine von Katsu Kaisho, (einem bekannten japanischen Offizier, der u.a Mitverantwortlich fuer den unblutigen Verlauf der Meiji Restauraton war), der sehr beeindruckt war von Kano’s Judo. Er schenkte Meister Kano folgende Kalligraphie, um seine tiefe Wertschaetzung fuer Kanos Lebenswerk auszudruecken: „With no disturbance in mind, feel the wonder of nature and without intentional actions, pursue the essence of changes“. Ich glaube, dieser Gedanke bringt sehr pointiert den eigentlichen Wert des Judo zum Ausdruck. Der zweite Teil beinhaltet zudem die Grundidee vieler japanischen Kampfkuenste (Budo). Es lohnt sich wirklich, einen Augenblick innezuhalten und diese Kalligraphie zu bewundern. Einfach herrlich!!
Bei Gelegenheit werde ich wieder auf diese Kalligraphie zurueckkommen!
Ok, fuer heute genug Philosophie. Das naechste Mal gibt’s etwas ueber Kaiser Meiji und seinem Tempel, der Meiji Jingu, der sich bei Omote sando befindet und evtl. ueber Harajuku, den Ort, wo sich die japanische Jugend austobt, schraeg und bizarr…! Also schaut wieder mal vorbei! Schoenen Sonntag an alle!
Herzlichst
Martin Bundi, 1.Juli 2007