Jeden Morgen, wenn ich in der Schule ankomme, schaue ich im Computerraum meine E-mails an und ich werfe einen Blick auf die Homepage der „Tagesschau“ des Schweizer Fernsehens. Heute war ein interessanter Beitrag unter der Rubrik "Internationales" zu lesen. Es ging um einen Bericht der UNO ueber die aktuelle globale demographische Situation; voraussichtlich werden naechstes Jahr zum ersten Mal mehr als die Haelfte der Weltbevoelkerung in einer Stadt leben. Diese Entwicklung wird laut Uno von erheblichen Problemen begleitet werden, von Verwahrlosung der Jugend bis zum staedtischen Kollaps ist die Rede. Beeindruckend sind auch die Zahlen, die dieser Bericht liefert: Demnach ist Tokyo mit grossem Abstand die bevoelkerungsreichste Stadt der Welt, mit rund 35 Mio. Einwohnern. Auf Platz zwei steht Mexiko City, mit rund 20.Mio Einwohnern.
Wie lange kann diese Stadt noch wachsen? Wann kommt es zum Kollaps? Was wenn grosse Katastrophen die Stadt heimsuchen oder die Grundversorgung nicht mehr gewaehleistet werden kann…? bei 35 Mio. Menschen…. Seit ich hier bin, komme ich immer wieder mit den Schattenseiten der Grossstadt in Beruehrung. So besitzt Japan eine der hoechsten Selbstmordraten auf der Welt. Ein amerikanischer Freund, der mit mir die Sprachschule besucht, reiste mit der Metro, als diese ploetzlich stoppen musste, „Verspaetung wegen Unfall“, stand an der Station geschrieben; weil ein Mensch soeben vor diesem Zug gesprungen war…
Oder im japanischen Fernsehen kam kuerzlich ein Bericht, wie die Behoerden selbstmordwillige Jugendliche aus dem Wald, am Fusse des Fuji san, holten. Seelisch gebrochene Jugendliche, die sich in diesem Wald erhaengen moechten, ab und zu aber von den Behoerden gestoppt werden koennen. Traurige Schicksale, in der groessten Stadt der Welt. Die Anonymitaet einer Grossstadt hat eben auch ihre Schattenseite, in Tokyo und wohl auch in jeder anderen Grossstadt...
Eindrücke vom Bahnhof „Tokyo“
Ich war sehr beeindruckt, als ich heute am Bahnhof „Tokyo“ ankam. Ein Prachtstueck von einem Bahnhof. Sehr modern, sauber, besucherfreundlich, luxurioes und natuerlich riesengross. Dieser Bahnhof bestaetigt, dass Tokyo eine architektonisch sehr interessante Stadt ist. Der ganze Bau ist gruendlich durchdacht worden und mit viel Liebe zum Detail konzipiert. Erstaunlich ist, wie vergleichsweise in Shinjuku auch, der fliessende Uebergang von Bahnhof zu Shooping Zentrum, und in diesem Fall auch von Bahnhof zu Bueroraeumlichkeiten, gestaltet ist. Marunouchi heisst dieses komplexe Gebaeude, das sowohl Geschaefte, Restaurants und Bueros beherbergt. Rund sieben Stockwerke erheben sich ueber den eigentlichen Bahnhof. Und wieder bin ich als Shooping Tourist unterwegs… Ueberhaupt ist Shooping in Japan ist ein schoenes Erlebnis: man kann sich die Sachen anschauen, ohne andauernd von einem Verkaeufer angesprochen zu werden. Betritt man einen Laden, wird man hoeflich begruesst und beim Verlassen verbeugt sich der Verkaeufer, als Dank fuer den Besuch. Eigentlich wollte ich heute noch Ginza besuchen, ebenfalls ein beruehmtes Quartier, gleich neben dem Tokyo Bahnhof, doch leider reichte die Zeit nicht mehr. Praktisch ohne Pause bin ich den ganzen Nachmittag durchs „Marunouchi“ gelaufen, ohne dabei alles gesehen zu haben. Fuer Ginza nehme ich mir ein anderes Mal Zeit.
Ab naechste Woche wird sich mein Tagesablauf etwas aendern. Ich beginne mit dem sog. "intensive course“ an der Japanischschule. Und dieser findet jeweils am Nachmittag statt und dauert drei Wochen.
Gestern war ich zum zweiten Mal im Kodokan Museum und hatte dort ein sehr eindrueckliches und tiefgehendes Erlebnis…darueber aber mehr am Wochenende!
Fuer heute alles Gute und herzliche Gruesse vom mueden Shoopingtouristen.
Martin Bundi, Tokyo, 28.06.07
Die letzten Tage der Woche sowie das Wochenende verliefen ziemlich ruhig. Ich war vor allem mit Japanisch lernen sowie mit Aikido und Judo beschaeftigt. Es wird Zeit, dass ich kurz etwas ueber die japanische Sprache berichte, immerhin verbringe ich eine Menge Zeit damit, diese zu lernen. In der Schule kommen wir gut voran. Der Kurs endet diese Woche und es sieht so aus, als wuerden wir unser Ziel erreichen, naemlich Hiragana und Katakana schreiben koennen. Hiragana und Katakana, so heissen die zwei japanischen Silbenschriftsysteme. Das japanische Alphabet unterscheidet sich stark von unserem. Sowohl in Hiragana als auch in Katakana gibt es die Vokale a i u e o. Die restlichen Zeichen bestehen aus mind. zwei Silben. Man lernt die Zeichen also folgendermassen (als Beispiel in Hiragana):
Ka ki ku ke ko
Ta chi tsu te to
Sa shi su se so
か き く け こ
た ち つ て ち
さ し す せ そ
usw.
Die genau gleichen Silben kann man auch mit dem Katakana System schreiben. Wieso gibt es zwei Silbenschriftsysteme? Ganz einfach: Die Hiragana Schrift wird benutzt, um japanische Woerter zu schreiben und Katakana benutzt man fuer Fremdwoerter. Aufgrund der Silbenschrift kommt es auch, dass Fremdwoerter im Japanischen ganz eigenartig toenen. „Starbucks coffe“ schreibt man z.B: „su ta a ba ku su ko hi“… letzten Samstag habe ich „Die hard 4“ (mit Bruce Willis) im Kino angeschaut. Auf dem Plakat stand folgendes: „da i ha ru do 4“ mein Name toent in etwa: ma a tu i in…..ziemlich gewoehnungsbeduerftig fuer westliche Ohren…oder?
Und als waere dies nicht schon genug, gibt es noch eine dritte Art zu schreiben, naemlich in Kanji. Kanji sind Schriftzeichen, die jeweils eine bestimmte Bedeutung haben. Sie wurden von der chinesischen Sprache uebernommen, darum werden sie oft auch sino-japanische Schriftzeichen genannt. Ich kenne keine genauen Zahlen, aber es gibt mehrere tausende Kanji. In Buecher oder Zeitungen ist es ueblich, in Kanji zu schreiben. Personennamen oder eben Fremdwoerter werden mit den Silbenschriftsystemen geschrieben. Wenn man Hiragana und Katakana beherrscht (total 218 Zeichen) heisst das noch nicht, dass man eine Zeitung lesen, oder zumindest entziffern kann. Zuerst muss (oder darf) man Kanji lernen..!
Fuer diese Woche stehen weitere Besichtigungen in Tokyo sowie Trainings auf dem Programm. Die Zeit vergeht sehr schnell. Ich habe mich mittlerweile an die Metro und ihre Tuecken gewoehnt und so kann ich je laenger desto entspannter durch Tokyo pendeln. Ich habe das Gefuehl, langsam beginnt hier die Regenzeit. Diese ist umso muehsamer, da hier bereits eine hohe Luftfeuchtigkeit herrscht. Man gewoehnt sich aber auch daran, dass man von morgens bis abends nass ist, entweder vom Regen oder vom Schwitzen wegen der Hitze.
Ich freue mich auf die vierte Woche und melde mich selbstverstaendlich bald wieder!
Ich habe gelesen, dass die Schweiz von starken Umwettern getroffen wurde. Ich hoffe sehr, die Lage hat sich nun verbessert …
Damit herzliche Gruesse aus Tokyo und alles Gute. Und wie immer:Danke fuers Lesen
Martin Bundi, 25. Juni 2007
Kaiserpalast
Am letzten Sonntag zog es mich zum japanischen Kaiser, oder besser gesagt, zu seinem Palast. Die kaiserliche Residenz und die dazugehoerigen Gaerten sind fuer die Oeffentlichkeit leider unzugaenglich. Lediglich eine Seite des Palastes bekommt man vor der Kameralinse, aus einer gewissen Distanz. Mein Gastvater, Takashi san erzaehlt mir, dass die Tore zum Palast nur am Geburtstag des Kaisers geoeffnet werden. Moechte man den Palast sehen, sollte man am 23. Dezember vor Ort sein, dann naemlich feiert Kaiser Akihito seinen Geburtstag...
Omote sando
Omote sando ist nur eine Station von Shibuya entfernt und ist eine moderne Shooping Meile fuer die Reichen. In Omote sando fuehlt man sich nicht wirklich wie in einem fremden Land. Hier haben westliche Luxusmarken ihre Laeden. Es sind die Laeden, welche die Preise nicht zusammen mit der Ware ausstellen....
In Omote sando befindet sich auch die neuste Attraktion, was Shooping betrifft; Ein neues, modernes und futuristisch anmutendes Shoopinggebaeude eines Stararchitekten wurde hier vor Kurzem eroeffnet;das 'Omote sando Hills'. Ein sehr schoenes Erlebnis. 100g franzoesischer Schokolade fuer traumhafte 22.- CHF.!
Trauriger Tag in Shibuya
Am letzten Dienstag wurde ich Zeuge eines tragischen Unfalls. Mitten in Shibuya ist eine Onsen, eine japanische Badeanstalt, die von heissem Quellwasser gespiesen wird. Ein 1500 Meter tiefes Loch bringt das warme Wasser an die Oberflaeche. Ebenfalls mit dem Wasser gelangt Gas an die Oberflaeche. Das Gas wird vom Wasser getrennt und separat aufbewahrt. Am letzten Dienstag kam es, aus welchem Grund auch immer, zu einer Gas Explosion, die das gesamte Gebaeude zerstoerte. Dabei kamen mind 3 Menschen ums Leben und mehrere wurden schwer verletzt. Ich war zufaelligerweise, kurz nachdem die Explosion stattgefunden hatte, in Shibuya, ich war auf der Suche nach einem bestimmten Laden. Polizei, Ambulanzen und Feuerwehr waren im Grosseinsatz, live Uebertragung im Fernsehen inklusive. Eine Passantin erzaehlte mir, dass sie heute zum ersten Mal erlebt, dass alle grossen Strassen in Shibuya gesperrt waren. Ueberall waren Einsatzfahrzeuge zu sehen und es entstand ein ziemliches Chaos. Ein trauriges Ereignis, welches aber auch in diesem Tagebuch erwaehnt werden soll.
Damit herzliche Gruesse aus Japan und Danke fuers Lesen. Bis am Wochenende
Martin Bundi, Tokyo, 21.06
Guten Abend
Heute moechte ich etwas ausfuehrlicher ueber den umstrittenen Yasukuni Schrein berichten, den ich am letzten Donnerstag besucht habe.
Aber zuerst einige Worte zu Tokyo Shinjuku. Der westliche tokyoter Stadtteil Shinjuku gehoert zu den beliebtesten von Tokyo. Man koennte diesen Viertel als "Viertel der Kontraste" beschreiben. Sterile Wolkenkratzer und das Rathaus auf der einen Seite, enge Gassen der Vergnuegungsviertel und ein Labyrinth unterirdischer Einkaufspassagen auf der anderen Seite. Und nicht zu vergessen: der verkehrsreichste Bahnhof der Welt. Bemerkenswert das Shoppingparadies, das im Bahnhof quasi integriert ist. Wenn man aus der Metro steigt und durch den Billetschalter durchgelaufen ist, steht man vor den ersten Geschaefte. Laeuft man dann eine Weile weiter, gelangt man zum eigentlichen Zentrum. Man staunt nicht schlecht, wenn man vor der Infowand steht und versucht, sich ein Lagebild zu verschaffen; das Kaufhaus besteht aus 10 Stockwerken, jedes von der Groesse von 2 Fussballfelder. Auslaendische Luxusmarken sind ebenso wie einheimische Traditionsgeschaefte (z.B solche, die Kimonos verkaufen) vertreten. Hier laesst sich wirklich alles finden, was das konsumfreudige Herz wuenscht. Von Kleider, Moebel, Frauen-,Maenner- und Kindermode bis zu Elektronik, Sauna, Golfschule! und Restaurants...und vieles mehr!!
Verlaesst man den Bahnhof steht man vor grossen Wolkenkratzer, Buerogebaeude und Hotels. Und natuerlich wieder vor Shoopinggassen... Muede von der Shooping Tour fand ich mich wieder in einer Bar im 20. Stock eines Hotels bei einem Kaffe. Der Kaffee kostete 8.-, inklusive herrliche Aussicht auf Tokyo...Naja, man watschelt ja schliesslich nicht jeden Tag durch Shinjuku.
Yasukuni Schrein:
Ein Schrein, oder Jinja auf japanisch, ist eine religioese Staette des japanischen Shintoismus . In einem Jinja wird jeweils ein Kami, was sowohl "Gott", "Gottheit" oder auch "Seele" bedeuten kann, verehrt. Im Yasukuni Schrein wird keine Gottheit, sondern werden bestimmte Seelen verehrt. Es sind dies die Seelen verstorbener Soldaten, die im Dienste des Kaisers bei kriegerischen Auseinandersetzungen gestorben sind. Yasukuni bedeutet: "Schrein des friedlichen Landes". Hier sind aber keine Tote begraben, sondern hier werden sogenannte Seelenregister (Liste der Gefallenen Soldaten) aufbewahrt. Dieser Schrein stoesst national und international immer wieder auf Kritik. Warum?
Der Kern des Problems und damit der Kritik liegt darin, dass auf den Seelenregister die Namen einiger offiziel verurteilten Kriegsverbrecher stehen.
Bei der Beurteilung der Kritik an diesem umstrittenen Schrein muss man jedoch zwei Sichtweisen unterscheiden. Es gibt eine innerjapanische Debatte ueber die Existenzberechtigung dieses Schreines, die v.a von links- und rechtsgerichteten Parteien gefuehrt wird. Und es gibt die internationale Kritik, v.a von China und Korea.
In Japan gibt es unzaehlige Schreine, die im ganzen Land verteilt sind und nie fuer Aufregung sorgen. Im Fall Yasukuni ist dies anders. Linke japanische Parteien fordern aufgrund der japanischen Verbrechen im 2. Weltkrieg die voellige Abkehr vom Militarismus und einem kritischeren Umgang mit ihrer Geschichte. Sie werfen den Yasukuni Verehrern nationalistische Propaganda und Verharmlosung der kriegerischen Vergangenheit vor. Zu den eifrigen Besucher des Yasukuni Schreins gehoeren v.a Japaner, die im rechten politischen Lager anzusiedeln sind. Sie hingegen stehen ein fuer das Recht, ein Andenken fuer die im Krieg gefallenen Soldaten haben zu duerfen, so wie es z.B in Amerika auch ueblich ist.
Die internationale Kritik, v.a von China und Korea, richtet sich gegen die offiziellen Besuche von hochrangigen japanischen Politikern. So hat der fruehere Premierminister Junichiro Koizumi, und uebrigens andere Premiers vor ihm auch, dem Schrein oefters offizielle Besuche abgestatten. Fuer China und Korea, die Krieg gegen Japan haben fuehren muessen, eine offene Provokation. Man kann sich fragen, wie sinnvoll solche offiziellen Besuche sind, immerhin sieht die japanische Nachkriegsverfassung einen klaren Laizismus vor, also eine klare Trannung zwischen Staat und Religion.
Welche Linie der jetzige Premier Shinzo Abe verfolgen wir, ist noch nicht ganz klar. Klar ist aber, dass er im Falle, dass er den Schrein besucht, wieder kraeftig Oel ins Feuer giessen wir.
Damit herzliche Gruesse aus Japan und Danke fuers Lesen
Martin Bundi, 16. Juni 07
Hier nun wieder ein kleiner Rueckblick auf das Geschehene. Am Wochenende durfte ich mit Takashi san und Pak san ( ein koreanischer Student, der ebenfalls bei der Familie Aoki wohnt) nach Yokohama fahren. Unter aderem steht dort das hoechste Gebaeude Japans, der "Yokohama Randomaku Tower". Ein sehr eindruekliches Gebaeude. Eindrueklich auch die grosse Bruecke in Yokohama, die wir in der Ferne sehen konnten. Die Fahrt nach Yokohama dauerte rund 30 Minuten. (Fuer japanische Verhaeltnisse eine kurze Zeit. Fuer die taegliche Fahrt zur Sprachschule benoetige ich rund 70 Minuten. Dies ist jeweils sehr ermuedend, denn ich fahre waehrend "Rush Hour". D.h ich stehe 70 Minuten lang in der Metro stramm, eingeeng zwischen den vielen Pendlern.)
Nach der Besichtigung der obengenannten Sachen fuehrte Takashi san uns nach Yokohama Chinatown. Eine weitere fremde Kultur, mit ihrem einmaligen Charme. Unzaehlige Laeden reihen sich, einem morgenlaendischen Wochenmarkt aehnlich,aneinader...und mittendrin, ein schoener buddhistischer Tempel. Auch den haben wir besichtigt und den Geruch der Raeucherstaebschen in uns aufgesogen.
Am Montag nahm ich zum ersten Mal an einem Training im Kodokan teil. Jeden Abend findet im kodokan das sogenannte "Free Randori practice" Training statt. Jeder, der sich fit genug fuehlt, kann teilnehmen. Wie der Name schon sagt, kann man en ganzen Abend Randori ueben, aber erst nachdem man 30 Minuten Uchi-komi geuebt hat (Uchi komi, d.h Wurfeingang, Wurfansatz ueben, aber ohne den Partner zu werfen). Die japanischen Kollegen, die im Kodokan trainieren, sind v.a ehrgeizige Wettkaempfer. Generell kann man sagen, im Kodokan finden sich allesamt topmotivierte Kaempfer, die intensiv trainieren moechten. Beruehmt ist das Mittwochstraining, an dem die Studenten der japanischen Universitaeten teilnehmen, die sind besonders zaeh und einige von ihnen gehoeren zu den Besten des Landes... Am Montag waren eher wenig Leute anwesend, aber nichts desto trotz fand sich immer ein Partner und so kaempfte ich zum ersten Mal an diesem weltberuehmten Ort.
Im Kodokan Gebaeude, im 2. Stock, befindet sich ein Judo Museum und die sogenannte Kodokan Hall of fame. (Der Ort, der den beruehmten Kodokan Meistern gewidmet ist, die ausserordentliche Leistungen erbracht haben. Doch darueber berichte ich spaeter...
Gluecklich aber erschoepft ging ich an diesem Tag nach dem Training nach Hause, mit der Metro, 70 Minuten waehrend der abendlichen Rush Hour, und bereits denke ich daran, dass ich morgen frueh wieder mein 1/2 m2 Platz in der Metro haben werde. So endete dieser Tag fuer mich um 24:00, nachdem ich zu Hause noch zu Abend gegessen habe...
Schoene Gruesse aus Tokyo und vielen Dank fuers Lesen. Am Wochenende berichte ich ueber shooping in Shinjuku und ueber den beruehmten Yasukuni Shrine... bis dann
Martin Bundi, Tokyo, 14.06.2007
Bereits bin ich seit einer Woche in Japan. Und habe bereits eine ganze Menge erlebt und gelernt. Die Japanischschule ist sehr lehrreich und dementsprechend relativ streng. In meiner Multi Kulti Klasse, die sich "Hiragana, Katakana beginners cours" nennt, sind rund 20 Schuelerinnen und Schueler aus den verschiedensten Laender, so z.B 1 Australier, 1 Neuseelaenderin, 4 Taiwanesen, 2 Amerikaner, 2 Franzosen, 1 Deutscher, 1 Englaenderin und noch zwei weitere Schweizer.
Der Unterricht wird jeweils in zwei Teilen abgehalten, zuerst 2.5 Stunden Konversation und danach 1 Stunde Hiragana (jap. Alphabet).
Ich habe bereits geschildert, wie ich am zweiten Tag zum Aikikai Honbu Dojo gefahren bin. Am dritten Tag habe ich am Nachmittagstraining teilgenommen. Dieser wurde von Yokota Sensei geleitet, einem kleinen, aelteren Aikido Meister, der aber sehr ueberzeugend gewirkt hat. Das Training dauert jeweils eine Stunde und besteht aus 15 Minuten Aufwaermen und 3/4 Stunden Technik Training. Bei uns wuerde man diese Art Training als ein "rein technisches Training" bezeichnen. Yokota Sensei gab nur wenige muendliche Erklaerungen und die Schueler redeten ueberhaupt nichts. Training in Japan findet mehr ueber zuschauen und nachahmen statt. Die schoene und ehrwuerdige Atmosphaere im Aikikai Honbu Dojo macht das Training zu einem ganz besonderen Erlebnis. Das Training ist intensiv und auf ein sehr hohes Niveau. Von den rund 30 Trainierenden sind nur rund 4 Weissgurttraeger, der Rest alles Dantraeger, und zum Teil noch recht hohe Dans...
Die Aikido Trainingstradition, die ihren Anfang im letzten Jahrhundert nahm, ist an diesem Ort sehr lebendig geblieben. Beim Shomen (Zentrum des Dojo) haenget eine Kalligraphie mit den Kanji Ai Ki Do von O sensei Ueshiba persoenlich geschrieben (sehr eindrueklich!) Es ist eine Ehre,an diesem ehrwuerdigen Ort trainieren zu duerfen.
Gestern, Samstag, habe ich ein Ausflug nach Akihabara gemacht. Akihabara ist das Stadtteil von Tokyo, das auch als "Electric Town" bezeichnet wird. Hier stehen die grossen Elektronik Geschaefte, die PCs, Laptops, Digitalkameras und und und verkaufen. Hunderte davon stehen dort, und tausende Menschen stroemen uebers Wochenende dorthin. Im Vergleich zu unseren Einkaufszentrum ist Akihabara sehr bunt, mit viel grellem Licht. Und ueberall sind japanische Manga und Anime zu sehen. Akihabara, so habe ich mich belehren lassen, ist das Paradies fuer Manga und Anime fans, denn dort gibt es die groesste Auswahl an diesen Sachen. Ich persoenlich kann mit Manga und Anime nichts anfangen...so kann ich eigentlich auch nicht viel darueber erzaehlen. In Akihabara habe ich jedoch gefunden, was ich gesucht habe, ein Adapter fuer japanische Steckdosen (um mein Laptop aufladen zu koennen) und ein elektronisches Uebersetzungsgeraet.
Tradition besteht in Japan neben der Moderne, dazwischen zu pendeln ist ebenso spannend wie befremdlich, ist aber eine Eigenart der japanischen Kultur. Ich bin gespannt, was ich noch alles erleben werde. Morgen Montag gehe ich zum Judo Abendtraining ins Kodokan. Darueber werde ich dann auch naechstens berichten. Vielen Dank fuers Lesen und ein schoenes Wochenend.
Aus Tokyo, Martin Bundi, 10.06.07
Vorfreude ist bekanntlich die groesste Freude...und mit grosser Vorfreude bin ich auch am letzten Freitag zum Flughafe Zuerich gefahren. Nach langem Warten, check in usw. hat mich eine Air France Maschine nach Paris Charles de Gaulle gebracht. Ein Riesengrosser Flughafen, den ich dann auch lange bestauen konnte, waehrend ich naemlich mehrere Stunden auf den Flug JL (Japan Airline) 416 wartete. Puenktlich um 17:45 rollte das Flugzeug zur Startbahn. Der Flug dauerte 12 Stunden, begann bei Tageslicht und endete bei Tageslicht, dazwischen flogen wir durch den Nachthimmel. Komfortable Sitze und ein individuelles Entertainment Programm hat die Flugzeit wie im Fluge verstreichen lassen.
Nun, in Narita International Airport angekommen, stieg die Nervositaet bei mir, denn Einreiseformalitaeten, Koffer holen, Mitarbeiter der Schule suchen und zur Gastfamilie finden, all dies stand ja noch bevor. Aber wie erwartet hat alles bestens geklappt. Ich wurde von einer Mitarbeiterin des Kudan Instituts freundlich begruesst. Nach einem kurzen Vorstellungsgespraech (in japanisch, denn sie konnte fast kein English) kaufte sie mir eine Fahrkarte, die mich am Rande von Tokyo bringen soll, wo dann meine Gastfamilie auf mich warten wuerde. Und dann kam das Schlimmste an der gesamten Einreise, naemlich eine fast 2 Stuendige Busfahrt nach Sagami ono, wo ich wie gesagt erwartet wurde. Erschoepft erreichte ich die Station und wurde dann auch sehr freundlich vom Gastvater und von der Gastmutter empfangen. Gluecklicherweise habe ich eine sehr nette Gastfamilie "erwischt". Der Familienvater heisst Takashi, ist 55 Jahre alt und arbeitet im Buero, die Mutter heisst Mayumi, ist ca. 45 J ahre alt ist Hausfrau. Hitomi san, die Tochter, ist 19 Jahre alt und geht zur Schule. In gewisser Weise also eine typische japanische Familie. Ich erlebe auf eine authentische Weise die japanische Gastfreundschaft. Immer sind sie hoeflich, zuvorkommend und zeigen viel Geduld. Gelegentlich werde ich sicher noch weiteres ueber sie zu berichten haben...
Am Sonntag habe ich einiges an Schlaf nachgeholt und danach mal die wichtigsten Woerter auf japanisch gelernt, denn zu Hause wir nur japanisch gesprochen, er kann gar kein English und sie nur sehr wenig...(fuehlt sich ein bisschen wie ein Sprung ins eiskalte Wasser an) Am Montag, 4. Juni dann mein erster Schultag am Institut. Doch zuerst dahin kommen...mit der tokyoter Metro... in der morgigen Rush hour. Eine unglaubliche Menschenmenge benutzt am fruehen morgen die oeffentlichen Verkehrsmittel. Die Zuege sind, zumindest fuer unsere Verhaeltnisse, masslos ueberfuellt. Doch auch wenn man glaubt es passt kein Mensch mehrin diesem Zug, so steigen bei der naechsten Station bereits 5 bis 10 weitere Menschen ein. Aber unglaublich die Disziplin, mit der die Japaner in ihrem Arbeitstag starten. Sanft und unaufdringlich, aber doch zielsicher draengeln sie sich in die Zuege und so von Station zu Station. Unglaublich viele Menschen auf kleinem Raum. Ohne eine gewisse Disziplin wuerden denke ich manche Leute hier durchdrehen... A propos Platz..Platz ist in Japan ein wertvolles "Gut", das wird mir bereits am ersten Tag klar. Am Montag habe ich zun ersten mal zu Besuch im Kodokan international judo center. Trainiert habe ich noch nicht, ich wollte diesen Ort zunaechst mal finden und dann auf mich wirken lassen. Das gleich beim Aikikai honbu Dojo, welches ich heute besuchte und das Nachmittagstraining angeschaut habe. Dazu berichte ich aber spaeter mehr.
Ich werde aus technischen Gruenden nicht taeglich schreiben koennen, werde aber versuchen, so oft als moeglich zu schreiben.
Fuer die, die mein Tagebuch lesen, herzlichen Dank fuer die Aufmerksamkeit und herzliche Gruesse an alle.
Martin Bundi, Tokyo, 5. Juni 2007