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Heute darf ich von der Schweiz aus schreiben. Nach insgesamt über 24 Stunden Reise bin ich in der Nacht um 02:00 des 31. Augusts zu Hause gewesen. Die Reise verlief ruhig und pünktlich, einzig die Wartezeiten kosteten viele Nerven.
Die 3 Monate in Japan sind unglaublich schnell vergangen. Ich durfte eine sehr schöne, abwechslungsreiche Zeit erleben; von Schule, Training, Ferien, Geschichte, Kultur, Gastfamilie, Konzerte… ein bisschen von Allem war dabei. Ich glaube, dass ich durchaus sagen darf, dass ich während dieser Zeit sehr aktiv war…Doch es hat sich gelohnt, ich konnte einen Einblick in eine geheimnisvolle, durchaus auch spezielle japanische Kultur gewinnen. Hier zusammenfassend einige Stichworte von dem, was ich gesehen habe:
Das traditionelle Japan in Kyoto und im Kontrast Tokyo, das moderne, fortschrittliche Japan. Kulturelle Errungenschaften wie die Kampfkünste Aikido und Judo und die Zen Tradition, aber auch das „Gesicht“ de zweiten Weltkrieges in Asien, insbesondere Hiroshima und Nagasaki. Okinawa mit dem Ryukyu Königreich, das Karate und den netten Menschen. Die Hafenstadt Hakata, wo der erste Kontakt zu Europa entstand. Auch in die schwierige japanische Sprache wurde ich in einer Sprachschule während sechs Wochen eingeführt…
Ich werde mich weiterhin mit der japanischen Sprache und Kultur beschäftigen. Am 17. September 2007 beginne ich mit dem Studium der Japanologie an der Universität Zürich. Ich freue mich sehr darauf und selbstverständlich plane ich bereits meine nächste Reise nach Japan. Wann die stattfindet, weiss ich noch nicht….Eines nach dem Anderen.
Mit diesem Tagebuch habe ich versucht, die Leser an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen. Es war aber auch eine Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten, denn der Schreibprozess fördert eine gründliche Auseinandersetzung mit der Sache.
Jetzt bin ich daran, meinen Reisebericht zu ergänzen und mit Fotos zu gestalten.
Mit diesem Eintrag beende ich meine Berichterstattung. Ich möchte mich von Herzen für das Interesse bedanken und hoffe, dass ich einige Erfahrungen mit dem Leser habe teilen können.
Speziell bedanke ich mich bei Masaki Negishi und Fritz Sommer für die Planung der Reise und für die individuelle Betreuung vor und während der Reise. Wie ich ja bereits im letzten Eintrag geschrieben habe, alles hat einwandfrei geklappt! Vielen Dank!!
Im Frühjahr 2008 wird es in Disentis einen Vortragsabend geben, wobei ich über meine Reise referiere, von vielen Fotos untermalt und natürlich von einem Apéro begleitet. Das Datum steht aber noch nicht fest. Ich möchte dazu alle Interessierte einladen!
Nun wünsche ich Allen eine schöne Zeit und verabschiede mich mit den folgenden Worten:
Arigatou gozaimasu! Sayounara!
ありがとうございます。さようなら。
Vielen Dank und auf Wiedersehen!
Martin Bundi, aus Disentis, 1. September 2007
Hiroshima
Heute Abend musste ich mit dem Tram kurz zum Bahnhof Hiroshima fahren, um einen Platz in der Shinkansen für morgen zu reservieren. Morgen um die Mittagsstunde verlasse ich Hiroshima und fahre nach Kyoto, gleichsam die letzte Station meiner Reise. Zum Hotel zurück bin ich gelaufen. Ein wunderschön scheinender Mond hing über der Skyline von Hiroshima und lud zu einem Abendspaziergang ein. Der Weg führte zunächst direkt ins Zentrum der Stadt, wo Hiroshima ihr modernes Gesicht zeigt, mit den üblichen Rieseneinkaufsläden, Pachinko Läden usw. Schon bald aber kam ich zu der Stelle, wo vor mehr als 60 Jahren etwas bis dahin noch nie da gewesenes passierte, ja ein neues Zeitalter eingeläutet wurde. Am 6. August 1945 am morgen um 08:15, warf ein amerikanischer Grossbomber mit dem Namen „Enola Gay“ eine 3 Meter lange und 4 Tonne schwere Uran Atombombe über die Stadt Hiroshima ab. Als Grobziel für die Piloten galt die Aioi Brücke, die mit ihrer auffallenden T- Form aus der Luft
gut sichtbar war. Und hier stand ich heute Abend, auf der rekonstruierten Aioi Brücke, das offizielle Ziel für die „Little Boy“ (so nannten die Amerikaner die Atombombe.) Heute fahren Autos und Tramzüge wieder hin und her. Kaum vorstellbar, welche Tragödie sich hier vor 60 Jahre abspielte. Die Bombe explodierte rund 600 Meter über diese Brücke. Zunächst entwickelte sich ein Feuerball, der die Temperatur am Boden im nahen Umkreis um 3000 Grad Celsius ansteigen liess. Es folgte eine gewaltige Druckwelle, und der Himmel über Hiroshima wurde in einer grauen Wolke aus radioaktiven Staub und Trümmerteilen gehüllt. Im Umkreis von 3 Kilometern vom Explosionszentrum war die Sterberate 100%. Die Menschen „verpufften“ regelrecht bei dieser gewaltigen Explosion. Der Zerstörungsradius der Bombe reichte mehrere Kilometer. Ein Grossteil der Menschen verbrannte, davon starben einige sofort, einige erlitten einen qualvollen Tod. Alle Menschen, die sich im Umkreis der Bombe befanden
, wurden von starker radioaktiver Strahlung angegriffen. Diese Strahlung liess auch Jahre nach der Explosion Krankheiten ausbrechen, mit denen keiner gerechnet hatte. Die Bombe tötete nicht nur am 6. August, sondern forderte auch noch Jahre danach ihre Opfer. Insgesamt kamen durch die Bombe mehr als 200'000 Menschen ums Leben. Als erste und bisher einzige Nation musste Japan eine Atombombe verkraften. Die Stadt Hiroshima wurde wieder aufgebaut, die Zuversicht der Stadtbewohner und die Lebensfreude sind zurückgekehrt. Jedes Jahr am 6. August findet in Hiroshima, begleitet von viel Prominenz, ein grosser Gedenkakt statt, der an die Opfer erinnert. Dabei liest der Bürgermeister von Hiroshima die „Friedensdeklaration“ vor. Sie beginnt folgendermassen: „That fateful summer, 8:15. The roar of a B-29 breaks the morning calm. A parachute opens in the blue sky. Then suddenly, a flash, an enormous blast- silence- hell on earth.”
Hiroshima ist zur Stadt des Friedens geworden. Unzählige Denkmäler, die von Einzelpersonen, oder auch von Institutionen gesponsert wurden, sind liebevoll und unauffällig in die Stadtstruktur integriert. Es gibt z.B. eine Strasse, die „Peace Boulevard“ heisst. Am Strassenrand steht z.B. eine abstrakte Steinskulptur, die zwei Hände, die betend gen Himmel zeigen, darstellt. Der erklärende Text liest sich ungefähr so: An all die Ärzte, Krankenschwestern, Medizinstudenten und allen Rettungskräften gewidmet, die am Tag der Explosion unermüdlich und meistens nur mit blossen Händen, den Opfer Hilfe und Unterstützung gebracht haben.
Unverzüglich kommt mir dabei die Geschichte von Dr. Nagai in den Kopf, der als Arzt in der Hölle von Nagasaki medizinische Hilfe geleistet hat, bis er vor Erschöpfung zusammenbrach und bettlägerig wurde. Später starb er an Leukämie.
Es gäbe unzählige Geschichten von einzelnen Schicksalen zu erzählen, die u.a. im Friedensmuseum in Hiroshima der Welt erzählt werden. Ich möchte eine davon, eine sehr bewegende, aufgreifen: die Geschichte des kleinen Mädchens Sadako Sasaki. Als die Bombe explodierte, war sie nur zwei Jahre alt. Scheinbar unbeschadet durchlief das Mädchen zunächst eine normale kindliche Entwicklung, bis sie eines Tages zusammenbrach. Im Krankenhaus wurde ihr Leukämie, Blutkrebs, diagnostiziert, verursacht von der radioaktiven Strahlung der Bombe. Daraufhin wurde sie hospitalisiert. Die Ärzte gaben ihr nur noch eine kurze Lebenszeit. Von einer Kollegin soll sie die Geschichte gehört haben, dass, wenn man 1000 Kraniche aus Papier falten würde, und mit jedem Kranich einen Wunsch äussern würde, werde dieser mit 1000 gefalteten Kranichen wahr. Sie begann also Kraniche zu falten, und wünschte sich natürlich bei jedem Kranich, dass sie wieder gesund werde. Das Mädchen hatte mehr als 1000 Pap
ierkraniche gefaltet, trotzdem starb sie 25. Oktober 1955 im Spital von Hiroshima. Seither sind Papierkraniche zum Symbol des Friedens und der Anti- Atombomben Kampagnen geworden. Im Friedenspark von Hiroshima steht das Denkmal für alle getöteten Kinder, das auf Initiaitve von Sadakos Klassenkameraden errichtet wurde. Hinter dem Denkmal stehen Glaskasten, in denen tausende von Papierkranichen aufbewahrt werden. Kinder aus der ganzen Welt schicken ihre Papierkraniche zu diesem Denkmal um ihre Anteilnahme zu zeigen und um den Unschuldigsten von Allen zu gedenken.
Miyajima
Man darf Japan nicht verlassen, ohne auf Miyajima gewesen zu sein. Miyajima heisst eine Insel südlich von Hiroshima, die in 2o Minuten mit einem Schnellboot erreichbar ist. Man darf Miyajima ruhig als eine Trauminsel bezeichnen: Eine kleine, grüne Insel, auf der die Natur, und nicht der Mensch das Sagen hat. Die ruhige, besinnliche, ja fast schon spirituelle Atmosphäre beeindruckt jeden, der diese Insel betritt. Hier geht das Leben in ruhigen Schritten. Die Insel ist zwar bewohnt, es hat eine Stadtverwaltung, Poststellen usw. Wichtigste Einnahmequelle ist aber der Tourismus. Für die gibt es zwei grosse Strassen mit Souvenierläden und Restaurants. Und es gibt eine herrliche Natur, mit Wandermöglichkeiten und Tempel besuchen, die inmitten dieser Natur stehen. Hier kann der Shintoismus, die alte japanische Naturreligion, ihr echtes Gesicht zeigen. Eine Form des Respektes gegenüber der Natur ist, sie einfach so zu lassen, wie sie ist. Und genau das, so mein Gefühl, versucht man
auf Miyajima. Klar gibt es Gebäude und Tourismus, jedoch in einem übersichtlichen Rahmen. Ich habe auf Miyajima einige Kilometer zurückgelegt; habe den Tempel und Schrein von Kobo Daishi (Daisho in Tempel), den Begründer des Shingon Buddhismus (eine esoterische Lehre des Buddhismus), habe den Itsukushima Schrein besucht, der zu den wichtigsten in ganz Japan zählt und bin schliesslich über einen Wanderweg quasi um die ganze Insel gewandert, die eben gar nicht so gross ist. Überwältigt von der Schönheit und der unbeschreiblichen Atmosphäre dieser „Insel der Götter“, wie sie auch genannt wird, sass ich schliesslich vor einer grossen, fünfstöckigen Pagode und genoss das Dasein. Immer wieder blicke ich nach Hiroshima, versuche mir vorzustellen, wie es dort vor 60 Jahre ausgesehen haben muss. Der Besuch von Miyajima war Erholung für Körper und Geist gleichermassen.
Kyoto
Tokyo ist die politische Hauptstadt Japans, die kulturelle Hauptstadt ist zweifelsohne Kyoto. Schauen wir in die Geschichtsbücher, so können wir lesen, dass Kyoto auch mal politische Hauptstadt war. In der Hochblüte der Stadt wurden unzählige Tempel und Schreine errichtet. Viele brannten nieder, wurden aber wieder und wieder aufgebaut. Der Zen Buddhismus konzentrierte sich lange Zeit auf Kyoto, hier wurden die Haupttempel einiger Schulen errichtet. Viele davon sind klassifiziert als „Nationale Schätze“ und einige gehören zum UNESCO Weltkulturerbe.
Die ersten Tage in Kyoto erwiesen sich als ziemlich mühsame. Die schönsten Tempel liegen relativ weit auseinander, sind meistens nur durch mühsames Erklimmen von vielen Treppenstufen zu erreichen, weil sie auf Hügeln oder im Wald stehen. Dies wäre bei „normalen“ Temperaturen nicht erwähnenswert. Leider ist es aber zurzeit unglaublich heiss in Kyoto. Wenn man vom frühen Morgen bis zu den Abendstunden unterwegs ist, macht einem die Hitze fast wahnsinnig. Hinzu kommen Schwierigkeiten, die Orte zu finden, denn hier ist praktisch alles nur auf Japanisch geschrieben: Irrwege sind also inklusiv. Aber nichtsdestotrotz habe ich mir vorgenommen, so viel wie möglich anzuschauen, aber nicht nach dem Motto: „du musst alles gesehen haben“, sondern mehr nach dem Motto „weniger ist manchmal mehr“. In Kyoto stehen einige der wichtigsten Zen Tempeln Japans. Und ein Zen Tempel will in Ruhe betrachtet, und nicht im Schnelldurchlauf beschnuppert werden.
Mittwoch: Eines der berühmtesten und schönsten ist der Kiyomizudera Tempel, der abgeschieden an einem bewaldeten Hügel gebaut wurde und umgeben von Kirschbäumen, eine Schönheit für sich ist. Dieser Tempel wurde im Jahre 778 v. Chr. erbaut und u.a. Kannon, dem Gott des Mitgefühls gewidmet.
In der Nähe befindet sich die grosse Ryozen Kannon Statue, die 24 Meter hoch ist. Überhaupt muss die Gottheit Kannon eine wichtige Rolle für die Japaner spielen, weil viele grosse und wichtige Tempel dieser Gottheit gewidmet sind. (vgl. z.B. auch Kamakura u.a.)
Am Donnerstag habe ich einen Tempelfreien Tag genossen, mit Kaffee trinken und Bücher lesen im Ryokan. Ich bin im alten Ryokan Murasaki in Gion untergebracht. Gion (ausgesprochen mit dem deutschen „Gi“ und nicht mit dem romanischen) ist das traditionelle Viertel Kyotos. Hier gibt es keine modernen Bauten. Gion bietet eine Zeitreise, zurück zu den alten Zeiten Kyotos. Ab und zu bekommt man eine Maiko Tänzerin zu Gesicht. Edle Restaurants haben sich in die eng aufeinander gebauten Holzhäuser eingemietet, Steak house usw., allesamt saftig teure Vergnügen. Vor einem Restaurant steht z.B.: “Steak House, 100$ and up. No just looking, only drink!” Ziemlich klar, für welche Kundschaft geworben wird...
An der Shijo dori, die an Gion vorbei zieht, sind dafür alle Besucher willkommen. Mit ihren vielen Souvenirshops, traditionelle japanische Läden, japanische Restaurants und modern Einkaufszentren biete diese Strasse charmante Unterhaltung bis spät in die Nacht.
Am Freitag dann ein schönes Programm: Am frühen morgen mit dem Bus zum Kinkaku ji (Tempel des goldenen Pavillon). Dieser goldene Tempel ist das Wahrzeichen von Kyoto schlechthin. Der Tempel steht in einem kleinen See und von einem liebevoll gepflegten Garten umgeben. Nach Kinkaku ji zum Ryoan ji, einen Zen Tempel, der berühmt ist für seinen Zen Garten: Auf ein flaches Kiesbeet sind 15 Steine angelegt, kein Grünzeug und kein Wasser. Jeder Besucher wird aufgefordert, für sich die Bedeutung dieser Steine und deren Anordnung zu erkennen.
Nach 30 Minuten erreiche ich Myoshin ji, der weniger ein Tempel als ein Tempelkomplex ist. Der Besucher kann beim Durchlaufen des Komplexes viele Tempel und Schreine bestaunen und, Myoshin ji gilt als Geheimtipp für Gartenfreunde; hier blühen alle möglichen Farben und Formen durch das ganze Jahr hindurch. Am späteren Nachmittag erreiche ich nach einer kurzen Zugfahrt den Fushimi Inari Schrein. Rund zwei Stunden dauert es, um den Weg, der durch einen Wald auf einem Berg führt und von unzähligen Shinto torii gesäumt ist, zu begehen. An diesem Tag traute ich mir diese Wanderung nicht zu, denn ich hatte Sandalen an und hatte sonst auch nichts dabei, und ausserdem war es zu heiss...
Am Sonntag wieder ein ruhiger Tag. Am Nachmittag habe ich den Kennin ji Tempel angeschaut, der älteste Zen Tempel in Kyoto. Dieser Tempel wurde um 1200 errichtet. Wie man sich denken kann, brannte auch der Kennin ji Tempel im Verlauf der Geschichte mehrmals ab und musste wieder aufgebaut werden. Der Besucher erlebt im inneren des Tempels eine ruhige Atmosphäre, viele kommen hierher um sich auszuruhen. Niemand wagt es, laut zu reden, um diese Atmosphäre nicht zu stören. Unterhaltsam ist auch der Film, der in einer Ecke gezeigt wird. Er zeigt das Leben einer Zen- Mönchsgemeinschaft, ihre Arbeit, die Meditation und die bescheidenen Mahlzeiten, die sie einnehmen. Morgens um 02:00 läutet der Abt die Glocke, und die Mönche versammeln sich für eine Meditation; Zazen: Meditation im Sitzen; in sich kehren, zur Mitte gehen; das eigene Ich erkennen und es schliesslich vergessen….dies einige Stichworte im Zusammenhang mit den Zen Buddhismus.
Die Reise geht zu Ende
Am Nachmittag des 27. August bin ich wieder in Tokyo angekommen. Für zwei Nächte weile ich im Ryokan Hon chome, wo ich bereits während des Kodokan summer course übernachtet habe. Am 29. August verlasse ich Tokyo, und gehe nach Narita in einem Hotel in der Nähe des Flughafens. Ja liebe Leserin, lieber Leser, meine Reise durch Japan neigt sich ihrem Ende zu. Am 30. August fliege ich mit einer JAL Maschine zuerst nach Paris und dann mit Air France nach Zürich.
Der nächste und gleichsam letzte Eintrag wird bereits eine Schlussfolgerung und ein Schlusswort sein.
Ich darf mich aber bereits jetzt bei meinen Lesern für das Interesse und das stetige Lesen meiner Einträge bedanken. Und ich möchte mich bei ICN Travel, Masaki Negishi und Fritz Sommer, für die professionell organisierte Reise und für die sehr gute persönliche und individuelle Betreuung vor und während der Reise herzlichst bedanken! Alles hat einwandfrei geklappt!
Ich grüsse Euch alle…und freue mich auf ein schönes Wiedersehen mit Euch Allen!
Martin Bundi, aus Tokyo, 27.08.2007
Ich durfte drei sehr lehrreiche, schoene und spannende Tage in Hiroshima verbringen. Nun bin ich daran, darueber zu schreiben. Da ich ziemlich beschaeftigt bin, habe ich nicht immer die Zeit dazu. Jetzt bin ich in Kyoto und habe keine Internet Verbindung. Aus diesem Grund werde ich die Texte fortlaufend auf meinem Laptop schreiben und spaetestens wenn ich am 27. 08 in Tokyo bin, diese aufschalten.
So viel zu Kyoto: der erste Eindruck ist ueberwaeltigend: Kyoto besitzt nicht nur beruehmte Tempel und Schreine, sondern auch den modernsten und neusten Bahnhof Japans...
Schaut also in einigen Tagen wieder vorbei, es wird sich lohnen...
Allen eine schoene Woche!
Mit herzlichen Gruessen aus Kyoto
Martin Bundi, 21\08\07
Für Hakata hatte ich keine besonderen Pläne im Voraus geschmiedet. Einzig die Übernachtung war organisiert. Ich nahm nach meiner Ankunft einen Stadtplan für Touristen in die Hand und suchte mir sehenswerte Plätze aus. Und so entstand der Plan für den ersten Tag in Hakata: zuerst in die Innenstadt fahren nach Tenjin, dort soll es spannende Einkaufsquartiere geben. Als ich im Schnelldurchlauf die Läden betrachtet habe, verliess ich das unterirdische Einkaufsparadies und ging an die frische Luft. Gleich neben der Tenjin Station steht der berühmte Ohori Park, der um einen See angerichtet ist, der seinerseits ca. 2 Km im Durchmesser misst. Gemütlich bin ich um den See gelaufen. Man war sich selber sehr lieb, wenn man langsam lief…welche Hitze an diesem Tag!! An diesem und am folgenden Tag war es um die 38 Grad Celsius heiss! Das letzte Mal, als ich mich an einer solchen Hitze erinnern kann, war, als ich Ferien in Ägypten gemacht habe. Ich habe mich ein bisschen wie ein „Yakitori“ gefühlt, ein gebratenes Hühnchen. Als ich rund die Hälfte gelaufen war, hörte ich plötzlich Kampfschreie, sogenannte Kiai’s. „Gibt es tatsächlich einige Unerschrockene, die bei dieser Hitze trainieren?“, habe ich mich gefragt und sogleich die Fährte aufgenommen. Nach kurzem Fragen einer Einheimischen wurde ich zu einem Gebäude geschickt, das gleich neben dem Park steht. Auf dem Schild konnte ich folgende Kanji lesen: ?????:Fukuoka Budoukan. Selbstverständlich bin ich da rein gegangen, um die Situation zu schauen. Die grosse Halle war zweigeteilt, auf der rechten Seiten waren Tatami ausgelegt, und ca. 20 Studenten trainierten eine Art Messerkampf. Alle trugen über den Trainingsanzug zusätzliche Schutzkleidung, da sie mit Übungswaffen trainierten...einige Kampfkünstler kennen eben gar nichts...! Auf der linken Seite war Holzboden, und eine Gruppe Kendokas war gerade in der Pause. Schade, gerne hätte ich einem Kendo Kämpfchen beigewohnt.
Und als ich das Budokan verlassen hatte, die nächste Überraschung: just neben dem Budokan befindet sich ein Kyudo dojo. Kyudo heisst übersetzt „Der Weg des Bogenschiessens“, und kann als Kampfkunst zu den Budo Künsten gezählt werden, also in der gleichen Reihe wie das Judo oder Aikido. Bei uns ist diese Kampfkunst jedoch wenig bis gar nicht bekannt. Durch den schmalen Eingang sah ich einen jungen Mann in Hakama, der soeben daran war, seinen Bogen zu spannen. Ich bin zum Eingang gegangen und habe gefragt, ob ich eintreten und zuschauen dürfte. Ein freundlicher Student, der gleich alt wie ich zu sein schien, bat mich herein und führte mich zum Shomen (Zentrum des dojo), wo einige Stühle standen. Und so habe ich rund 30. Minuten Kyudo Training erlebt. Kyudo ist eine „edle“, meditative Kampfkunst, die mit wenigen Worten und wenig Lärm betrieben wird. Das Ziel besteht darin, den Pfeil möglichst absichtslos und mit einem absolut ruhigen Geist abzuschiessen, und natürlich
das Ziel zu treffen. So gesehen eignet sich Kyudo bestens als Zen- Übung. Man darf jedoch nicht vergessen, dass auch diese Kampfkunst verschiedene Stile kennt, die Inhalte verschiedenartig gewichten.
Der zweite Tag in Hakata war wieder ein Museumstag. Besucht habe ich das „Kyushu National Museum“. Das im Jahre 2005 eröffnete Prachtstück kostete 200 Mio. US- Dollar und ist der Vierte seiner Art. Drei weitere stehen in Tokyo, Nara und Kyoto. Das Gebäude ist 16o Meter lang und 80 Meter breit. Die Seitenwände sind komplett aus Glas und im Inneren herrschen edle Holzkonstruktionen vor. Restaurant, Kongresssaal, zwei Ausstellungsräume und ein kleiner Konzertraum sind inklusiv! Leider gab es wenige Informationen in Englisch, so dass der Tourist vorwiegend mit dem Betrachten der Kunstwerke zufrieden geben muss.
Am Abend dann der Abschluss, und jetzt haltet Euch fest, mit einem Fondue Essen (bei 38 Grad)! Es gibt tatsächlich mitten in Fukuoka ein Japaner, der ein Schweizer Restaurant betreibt. „Swiss Restaurant Chalet“, so heisst das kleine Restaurant, das Speisekarten auf Deutsch hat und die Gäste mit Ländlermusik unterhält. Der Koch war für 6 Jahre in der Schweiz und spricht ein wenig Deutsch. Mit ihm habe ich nach dem Essen ein Bier getrunken und wir haben uns lange über die zwei Kulturen unterhalten, die in diesem Augenblick aufeinander trafen. Man darf ja auch mal was Originelles machen…:-)?
Ja, und jetzt bin ich in Hiroshima und bin gespannt auf die nächsten Tage. Morgen beschäftige ich mich mit der tragischen Geschichte der Atombombe, die am 6. August 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde.
Für heute bedanke ich mich fürs Lesen und verabschiede mich mit herzlichen Grüssen aus Hiroshima!
Martin Bundi, 18- 08- 2007
Am frühen Mittwochmorgen, als ich auf einer Bank vor dem Märtyrerdenkmal in Nagasaki sass, kündigte sich endlich mal wieder ein wunderschöner Tag an. Der Himmel war wunderschön blau und es war keine einzige Wolke zu sehen. Die Stadt schien noch zu schlafen, auf den Weg zum Denkmal bin ich nur sehr wenigen Menschen begegnet, und auch als ich im Park sass, liess sich Keiner blicken. Ich genoss das angenehme, kühle Morgenwetter, denn ich wusste, was mich an diesem Tag erwarten würde. Tiefblauer Himmel in Japan bedeutet Hitzetag, 30 Grad und mehr. Und es wurde ein sehr heisser Tag, im windstillen Tal von Nagasaki. Das Wetter meinte es als sehr gut mit mir, und so begann ich voller Freude meinen letzten Tag in Nagasaki.
Am morgen habe ich das Museum angeschaut, das zum Märtyrerdenkmal gehört. Im Museum wird nicht nur die Geschichte der 26 Märtyrer behandelt, sondern das Museum versteht sich als „Museum für die Geschichte des Christentums in Japan“. Besondere Bedeutung erhielt das Märtyrerdenkmal, als Papst Johannes Paul II. es im Jahre 1981 (+- einige Jahre, das genaue Datum weiss ich nicht mehr) besuchte. Ein amüsantes Ausstellungsstück ist das Messbuch, das für Papst Johannes Paul II. vom Lateinischen ins Japanische übersetzt worden ist…
Zur Geschichte des Christentums in Japan lässt sich sagen, dass die Christen als Religionsgemeinschaft eine Minderheit waren und immer noch sind. Dennoch hat es sie, offiziell oder im Untergrund, immer gegeben. Nicht nur in Japan, sondern auch in anderen Ländern fochte das Christentum im Verlauf seiner Geschichte den Kampf um seine Existenzberechtigung. Tiefgläubige liessen sich von keinem Gesetz oder Dekret abschrecken und behielten ihren Glauben auch unter Androhung von Folter und Tod. So auch in Japan. Interessant sind die geheimen Symbole, die die japanischen Christen sich ausgedacht hatten: Da sie nicht auf das Tragen eines Kreuzes, was ja verboten war, verzichten wollten, trugen sie Figuren der buddhistischen Gottheit Kannon mit sich, auf die ein kleines Kreuz eingraviert war. Die Figur des Kannon war nicht zufällig gewählt: Kannon, die buddhistische Gottheit des Mitgefühls wird oft in weiblichen Zügen dargestellt, für die Christen eine passende Parallele zur Jungfrau M
aria. Viele solcher „Kannon Marias“, wie sie auch genannt wurden, sind im Museum ausgestellt. Insgesamt eine durchaus interessante und informative Ausstellung.
Szenenwechsel: Um die Mittagsstunde fand ich mich vor dem Fukusai ji Tempel wieder. Dieser buddhistische Tempel ist in Form einer Schildkröte gebaut. Auf dem Dach, oder eben auf dem Rücken der Schildkröte, steht eine silberne Statue der Göttin Kannon. Jeden Tag werden hier die Glocken geläutet, um 11:02, die Zeit, als die Bombe explodierte.
Am Nachmittag dann wieder ein Museum: das „Nagasaki museum of history and culture“. Zu diesem Museum kam ich eher zufällig. Der Besuch dieses Museum hat sich aber wirklich gelohnt. Selten habe ich ein so schönes und zugleich informatives Museum besucht. Ausgerüstet mit einem Kopfhörer durchlief ich die bewegte Geschichte der Stadt Nagasaki, flankiert von ausführlichen Erklärungen des elektronischen Führers. Die Geschichte wird chronologisch, übersichtlich und spannend dargestellt. Die Geschichte von Nagasaki ist vor allem die Geschichte von (Handels- ) Beziehungen zu asiatischen, aber bemerkenswerter Weise auch nicht asiatischen Staaten. Im 16. Jahrhundert landeten portugiesische Schiffe (durch einen Zufall) an der Westküste Japans. Mit der Ankunft der Europäer begannen die Handelsbeziehungen mit Europa (und die christliche Missionierung). Die Güter aus Europa wurden als wertvoll geschätzt und erzielten dementsprechend hohe Preise. Wenn von Europäern die Rede ist, so
sind vor allem Portugiesen, Spanier und Holländer gemeint, die als erste europäische Staaten Handelsbeziehungen mit Japan unterhielten. Der Handel mit europäischen Gütern konzentrierte sich für lange Zeit auf den Hafen von Nagasaki. Wichtige Handelspartner neben den Europäern waren China und Korea. Vor allem die Chinesen, die über weitentwickelte kulturelle Errungenschaften verfügten, führten regen Handel mit Japan. Die Handelsbeziehungen mit den Chinesen sind jedoch bedeutend älter als die mit den Europäern.
Mit der Zeit liessen sich europäische Geschäftsleute in Nagasaki nieder und so kamen die zwei Kulturen aufeinander. Es folgten Wissenschaftler und Gelehrte, die westliches Wissen nach Japan brachten und Nagasaki wurde nach und nach zur Hauptstadt für das Studium westlicher Wissenschaften wie Medizin, Biologie, Fremdsprachen usw. In gewisser Weise spielte Nagasaki und Umgebung (siehe z.B. Hakata) eine entscheidende Rolle bei der Modernisierung Japans, denn als das Land im 19. Jahrhundert den Drang verspürte, sich westliches Wissen anzueignen, war der Anfang diesbezüglich in Nagasaki bereits gemacht.
Ja, dies und noch sehr Vieles mehr lernt man beim Besuch dieses Museums…
Nach dem Besuch des Museums dann die spontane Idee: ich könnte doch auf dem Mt. Inasa reisen, von dort hätte ich eine wunderbare Sicht auf Nagasaki an diesem wunderbaren Tag. Rund eine Stunde nachdem ich mich dafür entschieden hatte, war ich auf der Beobachtungsplattform des Mt. Inasa. Eine Luftseilbahn fährt all 20 Minuten. Ein angenehmes Lüftchen wehte um meine Ohren, als mein Blick dem Ort zugewandt war, der als Epizentrum der Atombombe gilt. Diesen Punkt hatte ich ja bereits besucht, und von Mt. Inasa aus war er sehr gut zu sehen. Ein sehr beeindruckendes und beklemmendes Gefühl, wenn man sich erneut das Ausmass dieser Katastrophe vor Augen führt. Auch der Hafen von Nagasaki, der, wie oben beschrieben, eine durchaus stolze Geschichte besitzt, zeigte sich in all seiner Pracht. Doch an diesem Tag steuerten keine alten portugiesischen Segelschiffe den Hafen an, sondern grosse moderne Containerschiffe, Ungetüme der Ozeane, gleich mehrere davon. Nagasaki hat in Sachen Handelss
tützpunkt eben kein bisschen an Bedeutung verloren…
Nach dem langen Betrachten der schönen Aussicht habe ich einen Kaffe im Restaurant des Mt. Inasa getrunken und mich so von dieser berühmten Stadt verabschiedet. Drei Stunden später sass ich auch schon im Zug nach Hakata, wo ich müde und erschöpft um 22:00 ankam. Auch Hakata ist eine sehenswerte Stadt. Ich hatte einen sehr schönen Tag heute bei grosser Hitze. Was ich gemacht und was ich genossen habe, erzähle ich morgen. Nur so viel: heute habe ich mal kein Museum besucht, dafür einige schöne Überraschungen erlebt!!
Für Heute Danke fürs Lesen und bis bald!
Martin Bundi, 16- 08- 2007
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